Wunschelf und Kaderbewertung SK Sturm

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Viel Ballbesitz, kreatives und mutiges Angriffsspiel, offensives und aggressives Verteidigen – kurzum: Fußball fürs Auge.

Peter Hyballa hat sich viel vorgenommen beim SK Sturm. Nach den erfolgreichen, aber in der Endphase spielerisch sehr nüchternen Jahren unter Franco Foda wollen die Grazer in Zukunft wieder für Spektakel stehen.

Dementsprechend wurde auch massiv am Kader geschraubt, der sich nach einer ersten Generalüberholung auf jeden Fall deutlich verjüngt und auch schneller präsentiert.

Ein 4-4-2 mit Raute soll anfangs als Grundformation dienen, ein 4-3-3-System die Alternative darstellen. Herauskommen soll laut Träumen vieler „Blackys“ eine fußballerische Delikatesse namens  „Kernöl-Tiki-Taka“, wie Hyballas Spielphilosophie in Graz von einigen bereits bezeichnet wird.

LAOLA1 nimmt den Kader des SK Sturm genau unter die Lupe:

TOR:

Christian Gratzei gehört seit Jahren zu den besten Vertretern der österreichischen Goalie-Zunft. Die Vorsaison war von einer langwierigen Knieverletzung beeinträchtigt, trotzdem kämpfte sich der 30-Jährige am Ende der Spielzeit zurück ins Nationalteam. Mit Johannes Focher entschieden sich die Grazer Verantwortlichen bewusst für einen jungen, hungrigen Herausforderer. Der Anspruch der bisherigen Nummer drei von Borussia Dortmund ist in Österreich ein Stammplatz. Man darf gespannt sein, ob der 22-Jährige wirklich zur Gefahr für Platzhalter Gratzei werden kann. Als Nummer drei fungiert mit Lukas Waltl ein großes Talent, der 18-Jährige durfte sich zuletzt bei Gleinstätten in der Regionalliga beweisen.

LAOLA1-Bewertung: Gratzei hat in seinen vielen Jahren bei Sturm schon einige Herausforderer kommen und gehen gesehen, letztlich sprach seine Qualität meist für den Steirer. Focher genießt bislang einen guten Ruf – es wäre wichtig für die Grazer, dass der Deutsche die Nummer eins nach einem schwierigen Jahr wieder zu Höchstleistungen pusht.


ABWEHR:

Mit Michael Madl und Nikola Vujadinovic wurden zwei neue Innenverteidiger verpflichtet, beide Neuzugänge haben nach der Vorbereitung die Nase vorne. In der Abwehrzentrale bestand auch dringender Handlungsbedarf, gerade in punkto Schnelligkeit und Spielaufbau. Der Abgang von Gordon Schildenfeld konnte nie richtig aufgefangen werden. Mit Milan Dudic und Ferdinand Feldhofer stehen zwei Stammspieler der Vergangenheit weiter im Kader (Thomas Burgstaller ging nach Kapfenberg). Für beide bricht vermutlich die letzte Saison im Sturm-Dress an, ihre Verträge laufen im Sommer 2013 aus. Ihre Routine könnte bisweilen dennoch wertvoll sein und ihnen zu Einsatzzeiten verhelfen. Es sei denn, Youngster Florian Neuhold zieht an ihnen vorbei. Der 19-Jährige lieferte bereits einige Talentproben ab. Richtet er seinen Fokus aufs Wesentliche, könnte ihm in dieser Saison der Durchbruch gelingen. Rechts in der Viererkette ist nach dem Abgang von Joachim Standfest sein bisheriger Backup Martin Ehrenreich in der Pole-Position. Sein Ersatz ist der unerfahrene Philipp Hütter. Gedankenspiele, Andreas Hölzl umzuschulen, müssen ob der Verletzung des Tirolers warten. Links ist Christian Klem gesetzt. Der 21-Jährige bringt alles mit, was einen modernen Außenverteidiger auszeichnet, muss jedoch mutiger und präsenter werden, von ihm wird der nächste Schritt erwartet. Fehlt Klem, könnten Vujadinovic, Rückkehrer Stefan Stangl oder Allrounder Leo Kaufmann einspringen.

LAOLA1-Bewertung: So richtig und wichtig die Verpflichtung von Madl und Vujadinovic war, bleiben Fragezeichen. Zum Beispiel wie Ehrenreich der Sprung vom Ergänzungs- zum Stammspieler gelingt? Oder ob Dudic und Feldhofer nach ihrer Degradierung den Kampf annehmen oder mit Motivationsproblemen zu kämpfen haben. So oder so wird Sturm in den nächsten ein, zwei Transferperioden noch an der Abwehr feilen müssen.

MITTELFELD:

Gerade im Mittelfeld wird Sturms Philosophieänderung auf attraktives und schnelles Angriffsspiel äußerst spannend zu beobachten sein. Fürs Erste hat sich Hyballa für ein 4-4-2 mit Raute entschieden, in dem die Positionen bereits relativ klar bezogen sind. Als Sechser fungiert Jürgen Säumel, der nach langwierigen Verletzungsproblemen aber tendenziell erst das nötige Vertrauen in seinen Körper aufbauen muss. Rechts ist Kapitän Manuel Weber eingeplant, den jedoch am Ende der Vorbereitung eine Blessur stoppte. Sein Backup ist Christoph Kröpfl, der wie Haris Bukva (links) und Darko Bodul (Zehner) zu jenen technisch hoch veranlagten Akteuren gehört, die nach der Ablöse des strengen Franco Foda aufblühen sollten und den Unterschied ausmachen könnten. Florian Kainz ist links wie gehabt mehr als eine Alternative, hat aufgrund einer Verletzung in der Vorbereitung jedoch noch Aufholbedarf. Wann Andreas Hölzl (Schambeinentzündung) wieder eingreifen kann, steht in den Sternen. Der 27-Jährige wäre in Normalform mehr als eine Bereicherung. Matthias Koch muss sich hinter Säumel anstellen, auch Rückkehrer Leonhard Kaufmann und Talent Marc Schmerböck kommt die Rolle als Kaderergänzung zu. Interessant wird, ob Youngster David Schloffer seine tolle Vorbereitung auch im Liga-Betrieb umsetzen und Bodul aus der Mannschaft spielen kann. Keine guten Karten hat Patrick Wolf. Der Flügelflitzer spielt in Hyballas Planungen aktuell nur eine untergeordnete Rolle.

LAOLA1-Bewertung: Nominell gibt Sturms Mittelfeld einiges her, auch die Tiefe des Kaders kann sich sehen lassen (jede Position ist zumindest doppelt besetzt), wenngleich kaum einer der Kandidaten eine unproblematische Saison hinter sich hat. Die Frage ist, wie schnell Hyballas Idee von Fußball auf einem konstant hohen Niveau umgesetzt werden kann. Das nötige Material dafür scheint vorhanden.

 

ANGRIFF:

Richard Sukuta-Pasu bringt von den Anlagen her alles mit, was ein Stürmer braucht. Nicht umsonst war er in diversen DFB-Junioren-Auswahlen gern gesehener Stammgast. Im Profibetrieb konnte er sein Potenzial bislang jedoch so gut wie gar nicht zur Geltung bringen, deshalb die Flucht nach Österreich. Findet er zu seiner Form, könnte Sturm hier ein guter Schachzug gelungen sein. Ähnlich die Ausgangsposition bei Rubin Okotie, der schon im Frühjahr in Schwarz-Weiß spielte. Der 25-Jährige deutete nach langer Durststrecke sein Können an, so richtig ist ihm der Knopf jedoch noch nicht aufgegangen. Mit Imre Szabics steht ein alter Haudegen parat, der nach einer nicht ganz idealen Saison wieder gewohnte Klasse abrufen möchte. Serkan Ciftci ist ein kostengünstiges Experiment. Im Defensivkonzept von Wiener Neustadt konnte er seinen zuvor bei den Rapid Amateuren unter Beweis gestellten Torriecher nicht wie gewünscht zeigen. Wie viel Einsatzzeit der bald 38-jährige Mario Haas auf seiner Abschiedstournee noch bekommt, wird sich weisen. Als Ratgeber für die vielen Youngsters erfüllt der Oldboy so oder so eine wichtige Aufgabe.

LAOLA1-Bewertung: Sukuta-Pasu, Okotie und Szabics liefern sich einen spannenden Dreikampf um die beiden Plätze im Angriff, aber Konkurrenz belebt das Geschäft und dafür hat Sturm gesorgt. Auch durch Ciftci, der sich als Schnäppchen erweisen könnte. Dieser Angriff verfügt jedenfalls über gehöriges Potenzial.


Anmerkung: Wie schon im Frühjahr gibt es als Bewertungsgrundlage 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.


Peter Altmann

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