Wunschelf und Kaderbewertung Sturm Graz

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Schildenfeld weg, Perthel weg, Kienzl weg, Salmutter weg.

Auch in diesem Sommer verließen Sturm vier namhafte Akteure. Wirklich schmerzhaft ist aber ausschließlich der Verlust von Abwehr-Chef Schildenfeld.

Wenn man sich jedoch die regelmäßigen Abgänge von Leistungsträgern in den vergangenen Jahren in Erinnerung ruft, kann man bei den Grazern im Sommer beinahe schon von Kontinuität sprechen.

„Das ist richtig, letzte Saison hatten uns ja sieben Stammspieler verlassen, diesmal sind es vier. Es sind natürlich Spieler, die ihre Qualität hatten, aber wir werden probieren, das zu kompensieren“, erklärt Coach Franco Foda.

LAOLA1 nimmt den Kader von Sturm Graz genau unter die Lupe:

TOR:

Die Rollen sind in Graz klar verteilt. Christian Gratzei ist aktuell wohl der beste österreichische Keeper der Bundesliga. Seine starke Saison war einer der Eckpfeiler des Meistertitels. Wobei auch Silvije Cavlina seinen fairen Anteil am großen Wurf hat. Als Gratzei wochenlang verletzt pausieren musste, sprang der 34-Jährige ein und ließ sich nichts zu Schulden kommen. Dennoch gibt es keine Diskussion über Gratzeis Status als Nummer eins. Dritter Goalie im Kader ist Walters Sohn Alexander Schachner.

LAOLA1-Bewertung: Sturms Sorgen im Tor tendieren gegen null. Ein Gratzei in der Form der letzten zwei Saisonen ist nur schwer zu überwinden. Cavlina, dessen Verpflichtung ursprünglich kritisiert wurde, überzeugt mit Ruhe und Routine.

ABWEHR:

Bei Sturm war in den letzten Jahren niemand unersetzbar. Weder ein Prödl, noch ein Jantscher, ein Beichler, ein Säumel, ein Leitgeb, ein Stankovic, oder wie die prominenten Abgänge noch so hießen. Diesmal wird Gordon Schildenfeld mit dem Attribut „unersetzbar“ versehen. Noch haben die Grazer keine endgültige Lösung, wie der Abgang des Kroaten nach Frankfurt abgefangen wird, aus dem Hut gezaubert. Fest steht nur, dass nach Ersatz für den 26-Jährigen, der durch seine umsichtige Spielweise das Um und Auf der Sturm-Abwehr war, gefahndet wird. Bislang duellierten sich die verlässlichen Routiniers Ferdinand Feldhofer und Thomas Burgstaller um den Platz neben Schildenfeld, nun sind sie vorerst gesetzt. Dahinter stehen nur kaum geprüfte Lösungen parat. Florian Neuhold ist erst 17 Jahre alt, der gelernte Innenverteidiger Dominic Pürcher musste abgesehen vom Saison-Finale gegen Wacker immer links ran. Dort bekam er mit Perthel-Ersatz George Popkhadze einen neuen Konkurrenten, der seine Klasse erst unter Beweis stellen muss. Rechts führt an der Erfahrung von Joachim Standfest kein Weg vorbei, Martin Ehrenreich bleibt sein Backup.

LAOLA1-Bewertung: Der Qualitätsverlust nach dem Schildenfeld-Abgang ist unbestritten. Auch der Kroate wurde 2009 erst nach dem Saison-Start verpflichtet. Sturm ist gezwungen, einen ähnlichen Volltreffer zu landen.

MITTELFELD:

Matthias Koch statt Mario Kienzl, Rückkehrer Haris Bukva statt Klaus Salmutter, auf die Dienste von Patrick Mevoungou wurde verzichtet – die Änderungen in der Schaltzentrale sind marginal. Kienzl hatte eine durchwachsene Saison hinter sich, hinterlässt jedoch als Führungsspieler eine Lücke in der Hierarchie. Koch, der schon vor dem Bundesliga-Abstieg Altachs einige Talentproben ablieferte, bekommt seine verdiente Chance in der höchsten Spielklasse – und sollte diese besser nutzen. Ansonsten wird es abgesehen vom unumstrittenen Manuel Weber, der als Taktgeber des Meister-Orchesters eine starke Saison hinter sich hat, eng in der Grazer Zentrale.  Erster Backup ist aktuell Sandro Foda, dem in den letzten Jahren regelmäßige Einsätze verwehrt blieben. In der Vorbereitung wurde auch Flügelspieler Christian Klem in der Mitte getestet – ein spannendes Experiment. Im Frühjahr machte er gegen Ried in einem 4-1-4-1-System schon einmal gute Figur in der zentralen Rolle. Auf den Seiten bleibt alles beim Alten. Patrick Wolfs Schnelligkeit ist rechts ein Plus. Steht der Flügelflitzer zur Verfügung, wandert Andreas Hölzl nach links. Dort erkämpfe sich Bukva nach guter Vorbereitung den Platz in der Startelf für das Videoton-Match, verletzte sich dabei jedoch umgehend. Klem (auch links hinten eine Alternative) wird nach der U20-WM ebenso seine Einsätze bekommen wie der frech aufspielende Shootingstar Florian Kainz, der auf beiden Seiten ein Thema ist. Samir Muratovic  ist mit seinen 35 Jahren vielleicht nicht mehr das Herz des Sturm-Spiels, aber alleine sein großartiges Frühjahr bewies, wie wichtig der Bosnier für diese Mannschaft immer noch sein kann.

LAOLA1-Bewertung: Sturm verfügt nach wie vor über eine der besten Mittelfeld-Reihen der Liga und in dieser Formation auch über  einige Alternativen. Eng könnte es höchstens im Zentrum werden, wo vor allem Weber nicht über längere Zeit ausfallen darf.

ANGRIFF:

Roman Kienast und Imre Szabics – im Vorjahr wohl das beste Sturm-Duo der Liga. Die beiden verfügen über die Qualität, auch in dieser Saison wieder wichtige Tore für die „Blackies“ zu erzielen. Über Mario Haas muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Selbiges gilt für Muratovic, der jederzeit an vorderster Front nominiert werden kann. Marvin Weinberger wird sich weiter in Geduld üben müssen. Für den 22-Jährigen war es jedoch wichtig, dass er 2010/11 bei seinen wenigen Einsätzen die Chance nutzte, seine Torgefahr zu beweisen.

LAOLA1-Bewertung: Sturm erzielte in der Meister-Saison mit 66 Toren die meisten der Liga. Das ist natürlich nicht der alleinige Verdienst des Angriffs, spricht aber trotzdem für selbigen.

Peter Altmann

Anmerkung: Wie schon im Frühjahr gibt es als Bewertungsgrundlage 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

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