Admiras simples Erfolgsrezept

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Taktik-Analyse: Salzburg läuft sich an den Flügeln fest

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David gegen Goliath – das ewig ungleiche Duell wurde diesmal in der Südstadt ausgetragen.

Mit der Admira hatte am Ende der Außenseiter das bessere Ende für sich. Der Aufsteiger setzte sich gegen den Titelfavoriten mit 2:1 (2:0) durch.

Dafür verantwortlich war nicht nur eine gut aufgelegte Admira-Mannschaft, sondern auch deren taktische Disziplin, ein glücklicher Spielverlauf und die falsche Spielanlage von Salzburg.

Salzburg läuft sich an den Flügeln fest

„Bullen“-Coach Ricardo Moniz wechselte sein System während der Partie drei Mal. Den Beginn machte er mit jenem flügellastigen 4-3-3, mit dem die Mozartstädter die vergangen Runden so erfolgreich waren. Gegen das flache 4-4-2 der Admiraner bedeutete dies eine Überzahl im zentralen Mittelfeld. Diesen Vorteil konnten die Salzburger aber nie ausspielen.

Dies lag zum einen daran, dass Didi Kühbauers Schützlinge die Räume für Cziommer und Leitgeb sehr eng machten. Lindgren, der dritte zentrale Mann, wurde immer wieder von den Stürmern Hosiner und Ouedraogo unter Druck gesetzt.

Andererseits konnten die Salzburger selbst die Überzahl im Mittelfeld nur unzureichend ausnützen. Wie in den letzten Spielen wurde im Spielaufbau nämlich schnell der Pass auf die Flügel gesucht. Dort blieben die an der Seitenlinie auf die Zuspiele wartenden Leonardo und Jantscher aber allzu oft hängen. So konnte der Brasilianer nur vier von 16 Zweikämpfen gegen die Admira-Außenverteidiger Plassnegger und Schrott gewinnen.

Auf diese Weise verliefen die meisten Salzburger Angriffe im Sand. Anstatt das Spiel beispielsweise über zwei nach innen ziehende Außenstürmer in die Mitte zu verlagern und die dortige Überzahl auszunutzen, lief sich der Titelfavorit auf den Flanken fest.

Admira auf Konter ausgerichtet

Währenddessen verfolgte die Admira über die gesamte Spielzeit ein einfaches und effektives Rezept: Schnelles Umschalten. Exemplarisch dafür steht das zweite Tor in der 24. Minute. Die zwei Viererketten der Südstädter warten in der eigenen Hälfte auf den Salzburger Angriff. Auf der rechten Seite gewinnen die Admiraner den Ball, Schwab spielt sofort den vertikalen Pass auf Jezek und dessen Schuss wird von Hosiner per Abstauber verwandelt.  

Im Spielaufbau scheint für die Admira die oberste Devise zu sein, dass Mittelfeld so schnell wie möglich zu überbrücken. Allzu oft waren es schon die Verteidiger, die einen langen Ball auf die beweglichen Stürmer spielten. Diese versuchten über möglichst direkte Kombinationen mit dem Mittelfeld zum Torabschluss zu kommen. Eine besondere Waffe stellte in diesem Zusammenhang Patrik Jezek dar. Der immer noch dribbelstarke Tscheche bereitete seinem Gegenspieler Stefan Hierländer einige Probleme (Zweikampfbilanz: 8:5 für Jezek).

Moniz reagiert mit Systemänderung

Ungefähr ab der 35. Minute stellte Moniz sein System um: Aus dem 4-3-3 wurde ein 4-2-3-1. Leitgeb rückte ins offensive Mittelfeld vor. Ein theoretisch geschickter Schachzug des Trainers. Zwischen den Linien der gegnerischen Verteidigung und des Mittelfelds hätte Leitgeb immer wieder freie Räume vorgefunden. Praktisch jedoch scheiterte die Idee zunächst an der Verunsicherung der Salzburger.

Erst ab der zweiten Hälfte begann die Systemänderung zu greifen, doch dann musste Leitgeb verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Deswegen war Moniz gezwungen, ein weiteres Mal umzustellen.

Ein 4-4-2 nach Leitgebs Auswechslung

Mit der Einwechslung von Wallner für Leitgeb änderten die Salzburger ihre Aufstellung in ein 4-4-2. Damit standen sich ab der 52. Minute zwei gleiche Systeme gegenüber. Dies äußerte sich vor allem in vermehrten Eins-gegen-Eins-Duellen: Während in der ersten Hälfte insgesamt noch 101 Zweikämpfe bestritten wurden, erhöhte sich diese Zahl in den zweiten 45 Minuten auf 119. Es passt ins Bild, dass gerade eine Einzelaktion für den Anschlusstreffer (Zarate, 74.) sorgte.

Spielerisch ging den Salzburgern mit der Zeit die Luft aus. Versuche, mit langen Bällen auf Maierhofer zum Erfolg zu kommen, scheiterten an der starken Admira-Innenverteidigung. Diese fiel in der zweiten Hälfte immer wieder durch freche Vorstöße nach vorne auf. Dibon und Windbichler kurbelten damit die Offensive an. Bei Salzburg übernahm diese Rolle der eingewechselte Linksverteidiger Jefferson. Mit 40 Ballkontakten hatte er die meisten in der zweiten Hälfte.  

Fazit: Schnelles Umschalten bringt Sieg

Die Admira steckt mitten in der Aufstiegseuphorie. Mit dieser Leichtigkeit im Rücken läuft momentan alles für die Südstädter – glücklicher Spielverlauf, effektive Chancenverwertung und das Selbstvertrauen passt sowieso.

Trainer Kühbauer muss seine Mannschaft aber am Boden halten, denn es werden in dieser Saison noch schwierigere Zeiten kommen. Der junge Coach hat seinem Team ein simples taktisches Konzept verpasst, das auf schnellem Umschalten beruht. Spielerisch hat die Admira noch Defizite – das Mittelfeld im Spielaufbau derart zu vernachlässigen könnte gegen defensivere Gegner schief gehen.

Diesmal jedoch spielte dem Aufsteiger die Spielanlage der Salzburger perfekt in die Hände. RBS-Coach Moniz vertraute auf das eingespielte Standard-Konzept, das aufgrund der Unterlegenheit auf den Flügeln nicht funktionierte. Mit der Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 reagierte der Niederländer richtig, doch Leitgebs Verletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Das anschließend praktizierte 4-4-2 führte zu einer Pattstellung, die schließlich in einem verdienten 2:1-Sieg der Admira endete.

 

Jakob Faber

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