"Rapid war selten so schlecht"

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Bei Rapid macht sich Ratlosigkeit breit

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„So schlecht habe ich Rapid noch nie gesehen, seit ich hier bin.“

Das hat gesessen. Der eigene Trainer konnte nach dem Schlusspfiff beim 1:1 gegen Mattersburg seine Enttäuschung nicht verbergen.

Doch mit dieser Meinung stand Peter Schöttel nicht alleine da. Auch die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen in die Kabine, die Fans, die sich nach langem wieder lautstark bemerkbar machten, quittierten die Darbietung mit einem Pfeifkonzert.

Ohne die Leistung Mattersburgs zu schmälern, grenzte die Performance der Hütteldorfer schon fast an Arbeitsverweigerung. Und langsam aber doch macht sich Ratlosigkeit breit.

„Ich bin immer noch betroffen“

„Ich bin immer noch betroffen“, rang Schöttel bei der anschließenden Pressekonferenz nach Worten, während die katastrophalen Fehlpässe und die schauderhafte erste Halbzeit wohl noch immer vor seinem geistigen Auge abliefen.

„Wir haben heute nichts zusammengebracht, waren schwerfällig und fehleranfällig“, zog der 44-jährige Wiener Bilanz. Auch die Spieler nahmen sich nach dem fünften sieglosen Spiel in Folge kein Blatt vor den Mund.

„Die erste Hälfte war ganz schlecht. Wir haben uns nichts zugetraut, haben uns nicht an die Vorgaben des Trainers gehalten und hatten uns etwas komplett Anderes vorgenommen“, gab Christopher Trimmel gegenüber LAOLA1 zu.

So kam es, dass das vorgegebene 4-2-3-1 viel mehr an ein 4-3-3 erinnerte, weil Alar und Trimmel mit Solospitze Salihi eine Linie bildeten. Geplant war es laut Schöttel aber ganz anders.

„Die Kritik und die Pfiffe haben wir uns verdient“

Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit gehörten noch zu den besten, in dieser Zeit gelang auch der Führungstreffer. Danach fiel Rapid aber wieder in ein altes Muster zurück, konnte nicht mehr zusetzen.

„Wir haben es uns selber schwer gemacht. Wir haben zu langsam nach vorne gespielt, es war keine Bewegung vorhanden. Dann passiert so was“, war auch der diesmal erneut links aufgebotene Deni Alar betrübt.

Positiv anzumerken war, dass die Grün-Weißen durch Trimmel erstmals seit vier Spielen wieder einen Treffer markieren konnten. Oder auch, dass Jan Novota, der den am Auge verletzten Helge Payer vertrat, einen sicheren Eindruck hinterließ.

Mehr konnte und wollte aber auch Schöttel nicht hervorstreichen, die Reaktion der Anhänger war für ihn nur zu verständlich. „Die Kritik und die Pfiffe haben wir uns heute verdient.“

Ratlosigkeit im grün-weißen Lager

Obwohl die Mannschaft in der neuen Konstellation nun bereits das vierte Monat eine Einheit bildet, ist von Automatismen und Verbesserungen keine Spur.

„Wir tragen zur Zeit alle einen Rucksack am Buckel, der uns lähmt“, stellte Schöttel, der in den vergangen Wochen noch immer wieder betonte, dass die Qualität der Spieler vorhanden sei, klar.

Aber woran liegt es dann? „Ich weiß es nicht. Wir trainieren jeden Tag hart und versuchen alles. Natürlich fehlt das Erfolgserlebnis, aber wir haben heute 1:0 geführt und geben das Spiel aus der Hand“, sucht auch Alar nach Antworten.

Dabei sollen einige Baustellen schon abgearbeitet worden sein, neue tun sich jedoch auf. Die Auswechslung von Kapitän Steffen Hofmann war sinnbildlich dafür.

„Steff hätte uns nicht helfen können“

„Wenn wir schlecht spielen, wird immer gleich die Frage gestellt: Was ist los mit Steff? Da sieht man, wie wichtig er bisher für uns war“, nimmt der Chefbetreuer seinen verlängerten Arm auf dem Spielfeld in Schutz.

An der Auswechslung war seiner Meinung nach aber nichts zu rütteln. „Er war nicht in der Verfassung, in der er uns noch helfen hätte können. Ich hätte ihm keinen Gefallen getan, wenn ich ihn länger drin gelassen hätte.“

Die Frage, wie es im grün-weißen Lager weitergehen soll, zaubert selbst den größten Optimisten Sorgenfalten auf die Stirn.

„Wir wissen alle, dass wir viel mehr Qualität haben. Im Training funktioniert es auch. Wir müssen jetzt alles analysieren, wie so etwas passieren kann“, so Trimmel.

Kleiner Schritt für Favoriten-Schreck Mattersburg

Auf Seiten der Mattersburger war man nach dem Spiel hin- und hergerissen, ob man mit dem Ergebnis zufrieden sein soll oder ob diesmal sogar ein Sieg im Bereich des Möglichen war.

„Man muss zufrieden sein, auch wenn unterm Strich vielleicht sogar mehr drin gewesen wäre. Rapid hat uns nie unter Druck setzen können und eine Halbzeit lang keine Torchance gehabt“, war Trainer Franz Lederer zufrieden.

Mit Unentschieden bei Sturm, Salzburg und Rapid zeigten die Burgenländer vor allem gegen die vermeintlich Großen ansprechende Leistungen. „Natürlich ist es leichter, gegen Rapid müssen wir im Hanappi nicht das Spiel machen“, begründete Michael Mörz Mattersburgs Stärke als Außenseiter.

Mit dem Punkt in Hütteldorf gab der SVM die rote Laterne an Kapfenberg weiter. In dieser Tonart soll es auch weitergehen. „Das ist ein kleines Schrittchen. Wir wissen, dass wir beim Körnderlsammeln auch einmal drei Körnderln brauchen, dann müssen wir halt am Sonntag gegen die Austria damit anfangen“, sprach Lederer und verließ das Hanappi-Stadion mit einem Lächeln.


Alexander Karper

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