"Man hat wieder einmal Sturm gesehen"

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Thomas Schrammel nannte es einen „Tausend-Gulden-Schuss“, Joachim Standfest einen „Lucky Punch“. Wie auch immer man Haris Bukvas 1:0-Siegtreffer in Minute 92 nennen will, er setzte Emotionen frei.

Positive bei Sturm, der als „meisterliches Schlusslicht“ schon nach drei gespielten Bundesliga-Runden gehörig unter Druck stand. Negative bei Rapid, das als Tabellenführer erstmals unter Neo-Coach Peter Schöttel verlor und gleichzeitig den ersten Gegentreffer der noch jungen Saison hinnehmen musste.

Und zwar einen der Kategorie äußerst ärgerlich. „Bukva geht alleine gegen fünf Verteidiger aufs Tor, und wir haben ihn nicht attackiert. Ich komme leider nur mehr ganz leicht an den Ball, der sich von mir wegdreht. Dass das Spiel durch so einen Schuss entschieden wird, ist sehr traurig. Diese Niederlage haben uns wir sechs defensiven Spieler inklusive mir zuzuschreiben“, war Goalie Helge Payer nach Spielende ebenso geknickt wie selbstkritisch.

Auch Schöttel war vom Defensivverhalten in der entscheidenden Szene enttäuscht: „Bukva konnte lange laufen, den Haken machen, obwohl wir eine 6:3-Überzahl hatten. Wir haben das Foul nicht gemacht. Da sind einige Fehler zusammengekommen.“ Nachsatz: „Bis dahin sind wir hinten tadellos gestanden.“

„Ich habe die Lücke gesehen und einfach draufgehalten“

Eine Analyse, der man zustimmen kann. Denn die Statistik wies zwar 18 Torschüsse Sturms aus, richtig Alarm herrschte jedoch nur bei einem sehenswerten Weitschuss von Roman Kienast, den Payer souverän parierte. „Sturm hatte zwar mehr Ballbesitz, aber überhaupt keine Torchancen“, so Schöttel.

Grün-Weiße Torchancen bekamen die 13.931 Zuschauer jedoch ebenfalls kaum zu Gesicht – und wenn aus Standards wie jenen Freistoß von Steffen Hofmann, den Keeper Christian Gratzei bereits in der Anfangsphase aus dem Kreuzeck fischte. „Man hat gemerkt, dass keine Mannschaft das erste Tor bekommen will“, verdeutlichte Payer.

„Über die Qualitäten von Jürgen braucht man nicht zu reden. Ein Riesen-Lob. Dass man nach drei Tagen Training so eine Partie spielt, ist eigentlich unglaublich“, gratulierte Standfest.

„Eine hervorragende Leistung“, meinte auch Kienast, der jedoch auch das Haar in der Grazer Suppe deutlich ansprach. Bei aller Freude über den Sieg ist den „Blackies“ nicht entgangen, dass sie trotz Überlegenheit kaum Chancen kreierten.

Kienast: „Wir haben bis zum Sechzehner hervorragend kombiniert, nur ab dem Strafraum haben uns der letzte Pass und die Entschlossenheit gefehlt. Aber auf diesen Spiel können wir aufbauen. Man hat wieder einmal Sturm gesehen, was wir eigentlich können. Ich glaube jedoch, es ist noch Luft nach oben.“

„Kleinen Hänger hoffentlich abgelegt“

Dennoch wurde der durchwachsene Start des Titelverteidigers zurechtgerückt. „Wir haben unseren kleinen Hänger mit diesem Spiel hoffentlich abgelegt“, meinte Standfest, der jedoch betonte, dass man in der steirischen Landeshauptstadt stets die Nerven bewahrte:

„Wir haben uns letzte Woche nicht verrückt machen lassen, nur weil wir Letzter waren. Wir werden uns jetzt auch nicht verrückt machen lassen, nur weil wir ein Spiel gewonnen haben. Wir werden weiter arbeiten und hoffen, dass wir unseren Aufwärtstrend fortsetzen können.“

In der Bundeshauptstadt steigt kommende Woche das Wiener Derby. Für Rapid bedeutete die Dienstreise nach Graz logischerweise nicht gerade eine Moralinjektion, während Lokalrivale Austria Kapfenberg mit 5:0 aus dem Stadion schoss.

„Diese Niederlage ist ärgerlich, das haben wir uns natürlich ganz anders vorgestellt“, meinte Schöttel, um jedoch gleichzeitig klarzustellen: „Wir machen ein paar Sachen anders, und ich werde es noch monatelang betonen: Wir sind immer noch in der Phase des Kennenlernens.“

Zumindest lernte man in Graz erstmals unter Schöttel das ungute Gefühl einer Niederlage und eines Gegentors kennen…

Peter Altmann

Dass sich das Stadion in Liebenau dennoch in ein Tollhaus verwandelte und die Grazer erstmals in dieser Saison drei Punkte bejubeln durften, hatten sie Bukva zu verdanken.

„Mario Haas hat mir sehr gut den Raum aufgemacht. Ich habe die Lücke gesehen und einfach draufgehalten. Dass er rein geht, freut mich umso mehr“, strahlte die Offensivkraft, die im Frühjahr noch an Absteiger LASK ausgeliehen war.

„Von der ersten Minute weg ballsicherer“

Im schwarz-weißen Lager konnte man diesen Befreiungsschlag gar nicht hoch genug einschätzen. Nach vier sieglosen Partien kommende Woche zum Gastspiel bei Red Bull Salzburg zu reisen, wäre heikel gewesen.

„Wenn man an letzter Stelle steht und gegen den Tabellenführer spielt, weiß man natürlich, dass man nicht verlieren darf. Der Druck war enorm groß, aber die Mannschaft hat das sehr gut gemacht und bis zum Ende probiert, dieses Spiel zu gewinnen. Dafür wurde sie belohnt“, erläuterte Trainer Franco Foda.

Seine Schützlinge fanden vor allem einen Grund für die deutliche Leistungssteigerung. „Wir waren von der ersten Minute weg ballsicherer“, verdeutlichte Standfest, „wir haben versucht, wieder mehr Sicherheit reinzubringen. In den letzten Wochen war unser großes Manko, dass wir einfach zu viele Ballverluste hatten. Dadurch sind wir immer wieder unter Druck gekommen und haben relativ wenig vom Spiel gehabt.“

Lob für Rückkehrer Säumel

58 Prozent der Ballkontakte gingen diesmal  auf das Konto Sturms. Dass Heimkehrer Jürgen Säumel, der nur wenige Tage nach seiner Unterschrift in der Startelf stand, als eine der Hauptbegründungen für die feinere spielerische Note diente, lag auf der Hand.

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