"Thomas ist dennoch ein sehr guter Torwart"

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"Es war ein sehr interessantes Spiel“, meinte Salzburg-Trainer Ricardo Moniz.

„Bis zur vierten Minute habe ich an ein Klasse-Spiel geglaubt“, resümierte sein Gegenüber Paul Gludovatz.

Für den Ried-Coach wäre es wohl auch nach 90 Minuten ein Klasse-Spiel gewesen, hätte seine Mannschaft nicht mit 1:3 und damit zum ersten Mal vor eigenem Publikum seit Oktober verloren.

So steht Salzburg zum ersten Mal seit 13. Mai 2010 – an diesem Tag wurde der dritte Titel in der Red-Bull-Ära gefeiert – alleine an der Tabellenspitze – und das nach einem unterhaltsamen Spiel.

Errinerungswürdige 15 Minuten

Vor allem die ersten 15 Minuten hatten es in sich: Erste Minute Schuss Mader, wenig Momente später musste sich Gebauer bei Cziommers Schlenzer strecken, dann traf Leonardo die Stange.

Alles in den ersten vier Minuten – in den folgenden zehn folgten drei Tore. Mader (14.) verkürzte auf 1:2, nachdem Leonardo erstmals in der Bundesliga traf (7.) und Gebauer schwer patzte (8.).

„Ich war im Kopf schon einen Schritt weiter und wollte meine nächste Anspielstation finden. Ich habe mich natürlich bei der Mannschaft entschuldigt“, schilderte der Keeper seinen Faux-pas.

Sein Gegenüber Eddie Gustafsson zeigte viel Mitgefühl, nachdem der Deutsche bei einem Rückpass über den Ball fuhr und dieser den Weg ins Tor fand.

„Als erste Reaktion habe ich meine Hände in die Luft geschlagen und gesagt: 'Bis du deppat'. Wir alle machen Fehler, ich kenne auch das Gefühl. Thomas ist dennoch ein sehr guter Torwart.“

Gludovatz hatte einen eigenen Zugang zum frühen 0:2: „Wir wollen keine Rückpässe spielen und nicht mitten auf das Tor. Das ist ein Lernprozess.“

Folgenschwerer Rückpass

Max Karner zeichnete für den folgenschweren Rückpass verantwortlich, dieser führte zu seinem ersten Bundesliga-Treffer – einem Eigentor.

„Es war ein normaler Rückpass. Ich hatte schon weg geschaut und plötzlich war er drin“, so der 21-Jährige, der seit der Verletzung von Kapitän Oliver Glasner Teil der Rieder Abwehrkette ist.

Diese erwischte einen schlechten Tag. „Wir haben es den Salzburgern sehr einfach gemacht und ihnen die Tore geschenkt“, meinte Gebauer. „Wir haben bei den Gegentoren nachgeholfen“, wusste Gludovatz, der seinem Team nicht den Willen aber die Klasse an diesem Tag absprechen musste.

„Wir hatten letztlich zu wenig Torszenen, um den Anschlusstreffer oder gar den Ausgleich zu erzielen. Im Gegenteil: Die schnellen Salzburger Konter haben uns noch Probleme bereitet.“

Generell wirkte die gesamte Rieder Mannschaft nicht auf der Höhe. Daniel Royer musste etwa untypisch früh, nämlich zur Pause, aus dem Spiel. Gludovatz befand ihn als körperlich zu müde.

Rieder lasch oder nicht lasch?

Aber auch andere fanden nie so richtig in die Partie. Anel Hadzic hatte kurz nach der Partie eine eigene Theorie: „Es war die gesamte Woche sehr lasch, wir haben nicht aggressiv genug trainiert und ich gehe davon als Grund aus, warum wir nicht in die Zweikämpfe gekommen sind.“

Nicht jedermann sah es so, etwa Stefan Lexa: „Schmarrn! Vielleicht hat Anel damit sich selbst gemeint, keine Ahnung. Wir haben wie immer konzentriert gearbeitet, heute haben wir eben durch Leichtsinns-Fehler verloren.“

Worin sich Lexa und Hadzic sowie alle Rieder einig waren: „Wir müssen die Partie so schnell wie möglich abhaken.“ Am Donnerstag kommt mit PSV Eindhoven nicht irgendwer nach Ried.

Zu diesem Zeitpunkt wird Salzburg auf Nikosia weilen und im Gegensatz zu den Riedern favorisiert in sein Europa-League-Playoff-Hinspiel gegen Omonia hineingehen.

Nicht nur weil die Mozartstädter vergangene Saison die Zyprioten aus der dritten UCL-Quali-Runde eliminiert hatten, sondern weil sie auch seit Februar 2010 nicht mehr auswärts verloren haben.

Zudem kommen die „Bullen“ als Spitzenreiter auf die Insel. Trotz einer Vielzahl an Ausfällen klappt es beim Vizemeister.

„Momentan läuft es ganz gut“, lachte auch Gustafsson, der erst am vierten Spieltag zum ersten Mal in der neuen Saison hinter sich greifen musste.

„Sehr schön, wieder Leader zu sein“

„Wir haben zwar nicht zu Null gespielt, aber wir haben in der zweiten Hälfte lange Zeit in Unterzahl defensiv sehr gut agiert“, analysierte der Keeper, der Alans Gelb-rote Karte ansprach.

Der Brasilianer hatte nach seinem Tor erst sein Shirt gehoben und darunter den zu Nacional Montevideo abgewanderten Joaquin Boghossian verabschiedet. Dann trat er gegen Hadzic nach.

Der Ausschluss fiel aber an diesem Tag nicht ins Gewicht, so konnte Gustafsson stellvertretend für alle Salzburger festhalten: „Es ist sehr schön, wieder Leader zu sein.“

Darüber freute sich freilich auch Ricardo Moniz, der aber die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit trotz souveränen Sieges und aktueller Form zurückzuschrauben wusste.

„Es wäre eine Disqualifikation der anderen Vereine und Trainer, wenn wer sagt, sie wären gegen uns auf Dauer chancenlos“, beantwortet der Niederländer Fragen, die in eine solche Richtung gehen, mit entsprechender Betonung.

„Wir sind bei 85, 90 Prozent. Aber Fußball ist einfach schnelllebig und immer 90 Minuten harte Arbeit“, hält der 47-Jährige klipp und klar fest.

Nach aktuellem Stand der Dinge werden die 90 Minuten aber in der Regel für die Liga-Gegner Salzburgs hart. Der nächste heißt Sturm Graz – seines Zeichens regierender Meister.

 

Bernhard Kastler

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