Rapids Botschaft an den violetten Erzrivalen

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Es war ein Saison-Kehraus der freundschaftlichen Art – zumindest hatte das Bundesliga-Spiel zwischen Rapid und Wacker Innsbruck diesen Charakter.

Die Grün-Weißen hatten schon vor der 36. und letzten Runde den zweiten Tabellenplatz, der zur Europa-League-Qualifikation berechtigt, einzementiert. Auch den Tirolern war der siebente Endrang nicht mehr zu nehmen.

Am Ende setzte sich die Heimmannschaft vor 17.100 Zuschauern im Hanappi-Stadion mit 2:0 durch und besiegelte damit eine erfolgreiche Spielzeit.

„Es ist immer so in den letzten Spielen. Der Druck war weg, wir waren schon vorher fix Zweiter. Natürlich wollten wir das Spiel gewinnen, aber die letzten Prozent haben vielleicht gefehlt“, fasst Verteidiger Mario Sonnleitner zusammen.

Beinahe Fehlstart trotz Warnung

Trainer Peter Schöttel sieht es ähnlich. „Es war sehr viel Leerlauf dabei. Es war eine Abschlusspartie, in der es zwar noch um Punkte und Prämien ging, aber nicht um mehr.“

Mit dieser Einstellung verschlief Rapid den Start und hatte in den ersten zehn Minuten Glück, dass Bülent Bilgen und Martin Svejnoha aus guten Positionen nicht zur Führung trafen.

„Wacker ist gut reingekommen und hat uns unter Druck gesetzt. Anscheinend war die Mannschaft noch bei der Verabschiedung der Mitspieler (Anm. d. Red.: Helge Payer, Ragnvald Soma, Jürgen Patocka, Christian Thonhofer und Rene Gartler). Dabei haben wir extra davor gewarnt“, verweist Schöttel auf das letzte Duell in Innsbruck, als man nach elf Minuten mit 0:2 zurücklag.

Danach bekamen die Wiener, bei denen Dominik Wydra ein vielversprechendes Startelf-Debüt gab, die Partie in den Griff und setzten sich schlussendlich dank Deni Alar durch.

„Dank der Effektivität und Qualität von Deni Alar gewonnen“

Der 22-jährige Steirer kam im Sommer vom Kapfenberger SV und hatte im Herbst Probleme, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und sich an die Bedingungen beim Rekordmeister zu gewöhnen.

Nach einem erfolgreichen Frühjahr mauserte sich der technisch versierte Akteur mit einem Doppelpack am letzten Spieltag sogar zum Rapid-Toptorschützen. Schlussendlich hat der Offensivspieler neun Treffer, und damit einen mehr als Atdhe Nuhiu, auf seinem Konto.

„Wir haben heute dank der Effektivität und Qualität von Deni Alar gewonnen“, hält Schöttel nach dem Schlusspfiff fest.

Der 45-jährige Wiener hielt stets an seinem Stürmer fest und führte ihn langsam an die erste Elf heran. Die Geduld zahlte sich schlussendlich aus.

Alar nach schwierigem Start angekommen

„Deni hatte es im Herbst mit vielen Stürmern zu tun. Aber er hat dann seine Chance genützt und viele Tore erzielt. Ein Stürmer lebt einfach vom Selbstvertrauen,“ analysiert Schöttel den Aufstieg seines variabel einsetzbaren Youngsters.

„Außerdem ist er nicht mehr nur durch seine Tore wertvoll für uns, sondern er wehrt sich in den Zweikämpfen auch besser. Er hat sich heute für das Frühjahr belohnt und war der Schlüssel zum Erfolg.“

Aufgrund seines Laufs hätte Alar gerne noch ein paar Runden weitergespielt, doch auch den Urlaub nimmt er gerne.

„Natürlich beende ich die Saison mit einem positiven Gefühl nach den letzten Runden. Ich werde in der Vorbereitung wieder voll angreifen.“ Schließlich wartet ein besonderes Zuckerl: die Europa League.

„Im Leben kommt alles retour“

Letztes Jahr verpasst, darf sich Rapid ab Sommer wieder auf der internationalen Bühne präsentieren, während dem Erzrivalen Austria Wien diese Ehre versagt bleibt.

Dies blieb auch dem einen oder anderen Rapidler nicht verborgen, da die Zwischenstände aus Graz unter frenetischem Jubel der Fans im Stadion durchgesagt wurden.

Den Titel „Nummer eins von Wien“ nimmt Mario Sonnleitner gerne an und kann sich aufgrunddessen einen kleinen Seitenhieb auf den violetten Kontrahenten nicht verkneifen.

„Das ist sowieso das Schönste, vor allem nach dem Platzsturm letztes Jahr. Da hat die Austria über uns gelacht. Ich lache nicht über die Mannschaft, weil ich weiß wie schwierig es ist. Aber im Leben kommt alles retour.“

Kogler: „Solide, aber keine überragende Saison

Während Rapid zufrieden in die Sommerpause geht, vermisste Wacker-Coach Walter Kogler bei seiner Mannschaft genau jene Abschlussstärke, die die Hütteldorfer auf dem Platz unter Beweis stellte.

„Wir hatten einen tollen Start mit guten Chancen, aber Rapid war effektiver. Diese mangelnde Effektivität begleitet uns schon die ganze Saison“, ortet der Ex-Profi Verbesserungspotenzial für das kommende Jahr.

Trotzdem zieht er im zweiten Jahr nach dem Aufstieg eine positive Bilanz. „Alles in allem war es eine solide, aber keine überragende Saison.“

Viel Zeit, um Bilanz zu ziehen, blieb aber nicht. Gegenüber Schöttel folgte dem Zeiger seiner Armbanduhr, um anzumerken: „In 30 Minuten bin ich im Urlaub und will nicht gestört werden.“ Schließlich gilt es, eine kuriose Saison zu verarbeiten.


Alexander Karper

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