Für Salzburg der Held, für Rapid der Übeltäter

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Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Dazwischen ist nur wenig Spielraum.

Salzburg-Stürmer Stefan Maierhofer hat beim Wiedersehen mit seinem alten Arbeitgeber Rapid einmal mehr bewiesen, wie sehr er polarisiert.

Im Mittelpunkt stand er in den 90 Minuten im Hanappi-Stadion sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Das positive Highlight hätte sich aber nach dem negativen gar nicht ereignen dürfen.

Dieser Meinung war zumindest Rapid-Coach Peter Schöttel, nachdem Maierhofer Salzburg mit seinem 1:0-Siegtreffer zu sechs Punkten Vorsprung und dem vermeintlichen Meistertitel schoss.

Ellbogencheck erhitzte die Gemüter

„Er hatte Riesenglück, dass er noch auf dem Feld stehen durfte und wird belohnt durch das Siegestor. So hart kann Fußball sein“, war der 44-jährige Wiener nach dem Schlusspfiff verärgert.

In der 42. Minute verpasste der „Lange“ seinem Gegenspieler Harald Pichler im Kopfballduell einen Ellbogencheck der übleren Sorte – wie die TV-Wiederholungen beweisen.

Der bereits gelbbelastete „Übeltäter“ kam ohne weitere Verwarnung davon – Schiedsrichter Robert Schörgenhofer, der nicht nur aufgrund dieser Entscheidung in der Kritik stand, ermöglichte Maierhofer einen längeren Fußball-Nachmittag.

Der elffache Saison-Torschütze ist sich hingegen keiner Schuld bewusst und sieht in der vermeintlichen Tätlichkeit einen „normalen Zweikampf“.

Maierhofer in strittige Situationen verwickelt

Ich gehe auf den Kopfball, sehe ihn nicht und erwische ihn vielleicht ein bisschen mit dem Ellbogen. Ein ganz normaler Zweikampf, so hat es der Schiedsrichter auch ausgelegt.“

Rapid will diese Argumentation aber nicht gelten lassen. Schließlich hätte Salzburgs Matchwinner laut Schöttel bei genauer Regelauslegung nicht mehr am Spiel teilnehmen dürfen.

„Das war kein Zweikampf, das war ein Ellbogenschlag ins Gesicht von Pichler. Am meisten schmerzen seine Interviews. Er lässt sich feiern, als wäre nichts gewesen. Aber es ist nicht in Ordnung, was er getan hat.“

Das war aber nicht die einzige Szene, mit der sich der Ex-Rapidler im Hanappi-Stadion unbeliebt machte. Ein Rempler an Keeper Lukas Königshofer brachte ihm Gelb ein, nach seinem Treffer jubelte er aufreizend vor dem Rapid-Fansektor und in der 54. Minute hätte es nach einem Handspiel des 29-Jährigen im eigenen Strafraum Elfmeter für Rapid geben können.

„Solche Geschichten schreibt nur der Fußball

„Ich wurde von hinten gestoßen, dadurch berühre ich den Ball leicht mit der Hand, das gebe ich zu. Aber der Schiedsrichter hat es nicht gepfiffen und das Spiel geht weiter“, nahm Maierhofer Stellung.

Dass es ein emotionsgeladenes Spiel war, wollte am Ende keiner verneinen. Trainer Ricardo Moniz hielt sich zurück und konnte auch zur Maierhofer-Aktion nichts sagen.

„Ich habe es nicht gesehen. Maierhofer ist ein Spieler, der immer an die Grenzen geht“, so der Niederländer. Damit hat er recht. Welche Qualitäten er fußballerisch besitzt, stellte er mit dem entscheidenden Treffer unter Beweis.

„Das ist für mich eine super Geschichte, dass ich hierher komme und das entscheidende Tor mache. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“, war der 2,02-Meter-Hüne trotz aller Anfeindungen überglücklich.

Reaktionen auf 90-minütigen Spießrutenlauf

Schließlich war es für ihn im Westen Wiens einmal mehr ein Spießrutenlauf – dort wo er noch vor ein paar Jahren gefeiert wurde, wehte ihm über 90 Minuten ein eisiger Wind entgegen.

Die eine oder andere provokante Aktion in Richtung Fans konnte er sich nicht verkneifen, denn die lautstarken Beschimpfungen motivierten den Angreifer umso mehr.

„Das sind Dinge, die im Fußball nichts zu tun haben. Das ist zu viel Hass, Fußball muss sauber bleiben. Wenn man von 18.000 Zuschauern so negativ empfangen wird, dann muss man auch ein bisschen zurückgeben. Da wäre es traurig, wenn ich keine Emotionen zeigen würde.“

Auch Schöttel verurteilt Beschimpfungen von den Rängen gegen Spieler wie Maierhofer oder Rubin Okotie, kann aber das Verhalten des Kopfball-Ungeheuers in gewissen Fällen nicht nachvollziehen.

„Einige Dinge macht man einfach nicht. Maierhofer hat damit wohl für Salzburg den Meistertitel geholt und somit vielleicht alles richtig gemacht hat. Aber bei mir hat er Sympathien verloren.“ Schließlich soll auch eine Szene abseits der Kameras Schöttels Zorn geschürt haben.

„Maierhofer steht für Qualität“

Maierhofer steckte das aber sichtlich gelassen weg und freute sich schon auf die Feierstimmung auf der 280 Kilometer langen Heimfahrt in die Mozartstadt.

„Wir haben die drei Punkte mitgenommen, das freut mich unheimlich für die Mannschaft. Wir sind genauso aufgetreten, wie wir uns das die ganze Woche vorgenommen hatten.“

Zu seinem zweiten Meistertitel in Österreich wollte sich der Niederösterreicher aber noch nicht gratulieren lassen, schließlich stünden noch drei wichtige Partien bevor. Wenn sich Salzburgs Qualität am Ende durchsetzt, hat Maierhofer aber den richtigen Sager parat.

„Maierhofer steht für Qualität wie RB Salzburg“, sprach der Held, der an diesem Abend keiner sein hätte dürfen – zumindest wenn es nach Rapid gegangen wäre.


Alexander Karper/Kurt Vierthaler

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