Stiller Protest statt Partylaune

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"Wir brauchen die Unterstützung der Fans"

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„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“

Alexander Gorgon wollte den 3:0-Erfolg der Wiener Austria gegen Wacker Innsbruck nicht überbewerten.

Speziell in der ersten Hälfte merkte man die Verunsicherung und die Nachwirkungen der blamablen Vorstellung gegen Kapfenberg.

 „Es hat sich sehr viel Druck aufgebaut – auch medial. Daher war es zu Beginn nicht einfach. Das hat man phasenweise gesehen“, gestand der gesperrte Kapitän Manuel Ortlechner, der die Partie von der Ost-Tribüne aus verfolgte, bei LAOLA1.

Schock nach Linz-K.o.

Dazu kam die frühe Verletzung von Roland Linz. Der Stürmer ging bei seinem ersten Einsatz von Beginn an unter Ivica Vastic bereits in der achten Minute nach einem Zusammenprall mit Alexander Hauser k.o. und musste mit einer schweren Gehirnerschütterung ausgewechselt werden.

„Die Szene passierte unmittelbar vor mir, ich war geschockt, als ich Linz sah, das war keine angenehme Situation für uns alle“, so Vastic. Der 30-Jährige war so benommen, dass er beim Versuch aufzustehen, sofort wieder umfiel.

"Erst in der Kabine bin ich wieder richtig zu mir gekommen. Ich kann mich nur kurz an den Moment erinnern, wie es mir beim Versuch aufzustehen die Füße unter dem Boden weggezogen hat", so Linz. Der Steirer verbrachte die Nacht zur Sicherheit im Spital und wird sieben bis zehn Tage ausfallen.

Angespannte Stimmung

Ausgefallen war auch der Support der Ost-Tribüne. Der harte Kern der Austria-Fans verweigerte über weite Strecken die Unterstützung. Stattdessen gab es stille Botschaften in Form von Transparenten an Spieler und Trainer.

Einige Beispiele: „Chance auf den Teller längst zerronnen – wann wird wieder mit dem Kicken begonnen?“, „Euer Kick gleicht Arbeitsverweigerung! Wann folgt endlich eine Steigerung?“, „Wir ziehen euch bald die Dressen aus und schmeißen bald den IVO raus“

Zum Halbzeitpfiff folgte auch noch ein gellendes Pfeifkonzert. Dies könnte jedoch eine Initialzündung gewesen sein, denn nach Seitenwechsel präsentierten sich die Violetten von ihrer besseren Seite.

Mehr Risiko

„Wir haben uns in der Pause vorgenommen, mehr zu riskieren, aber auch ruhiger zu spielen. Das ist uns teilweise gelungen. Nach dem 1:0 ist es dann leichter gegangen“, stellte Roman Kienast fest.

Der Führung durch Gorgon (52.) folgten in Minute 68 das 2:0 von Kienast und in der Nachspielzeit das 3:0 von Tomas Simkovic (91.).

„Wir haben endlich unser Spiel auch in Tore umgewandelt. Der Sieg war nach den Vorkommnissen vor dem Spiel sehr wichtig für uns. Man hat gesehen, dass die Mannschaft zu Beginn sehr nervös war. In der zweiten Hälfte haben wir durch eine wunderschöne Kombination das Führungstor gemacht, das hat uns Kraft und Selbstvertrauen gegeben. Danach haben wir befreiter gespielt und das zweite und dritte Tor gemacht“, resümierte der violette Chefcoach.

Jubel, Trubel, Heiterkeit herrschte trotz des höchsten Siegs im Frühjahr dennoch nicht. Auch, weil die Fans „hart“ blieben.

„Es ist unverständlich, dass es selbst nach dem 2:0 noch Transparente und Pfiffe gegeben hat. Wir brauchen die Unterstützung der Fans“, wunderte sich Tormann Heinz Lindner.

Simkovic versteht Fans

Vastic sah es ähnlich: „Wir müssen damit leben, dass ein Teil nicht hinter uns steht. Das ist schade für die Mannschaft.“

Trotz des Frusts über die Fans sah man nach Spielende durchwegs zufriedene Gesichter. „Die Erleichterung ist groß. Der Druck war groß. Es ist normal, wenn man dann zunächst  mit einem Rucksack spielt“, erklärte Simkovic, der die schlechte Laune der Anhänger nachvollziehen konnte:

„Ich verstehe, dass die Fans viel mehr von uns fordern, verstehe nach den letzten Leistungen die Aufregung.“

Und Lindner abschließend: „Hoffentlich haben wir sie wenigstens mit dem Sieg ein bisschen zufrieden gestellt.“

Martin Wechtl

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