Okoties Spießrutenlauf im Hanappi-Stadion

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Schon vor dem Anpfiff schaukelte sich die Stimmung im ausverkauften Hanappi-Stadion gegen eine Person auf, die in der Vergangenheit von einigen zur „Hassfigur“ auserkoren wurde.

Schmährufe der untersten Schublade gegen ihn und seine Familie musste er sich schon beim Aufwärmen gefallen lassen. Auch während der folgenden 90 Minuten nahmen die Beschimpfungen kein Ende.

Die Genugtuung folgte auf dem Fuße, als Rubin Okotie in der 61. Minute aus einer seiner wenigen Chancen den 1:1-Ausgleich für Sturm Graz markierte und beim Torjubel innerlich explodierte.

Die Anfeindungen der Rapid-Anhänger gipfelten zu seiner glorreichen Zeit im Austria-Dress, doch auch im Sturm-Trikot hat er den Gefallen an der hitzigen Stimmung im Westen Wiens nicht verloren.

Okotie riet der Mutter ab, ins Stadion zu kommen

„Spiele gegen Rapid waren immer ganz coole und besondere Spiele für mich. Ich spiele gerne im Hanappi-Stadion, das war schon immer eines meiner Lieblingsstadien. Da war ich immer sehr motiviert. Ich habe mich auf dieses Spiel gefreut, sehr gefreut sogar“, nimmt Okotie gegenüber LAOLA1 Stellung.

Dass sich die Stimmung wie schon zu früheren Zeiten wieder gegen ihn richten wird, konnte die 24-jährige Nürnberg-Leihgabe schon erahnen. Aus diesem Grund riet er seiner Mutter von einem Besuch im Stadion ab.

„Ich habe schon gewusst, dass das so kommen wird. Das gehört auch mehr oder weniger dazu. Dass die Beschimpfungen des ganzen Stadions unter die Gürtellinie gehen, ist schon ein bisschen bitter. Da musste ich eine Reaktion zeigen.“

Diese äußerte sich nach seinem Ausgleichstreffer, als er vor der Westtribüne jubelte, mehrmals auf den Namen auf seinem Trikot verwies und die Fans auf der Tribüne mit seinen Gesten in Rage brachte.

Aufgebrachte Stimmung motivierte Okotie

Erinnerungen an Okoties „Phantom-Jubel“ wurden wach, als er bei einem Derby-Treffer Stefan Maierhofers „Maskenmann-Jubel“ vor der gegnerischen Fankurve kopierte.

Auch bei vergebenen Chancen ließ sich der Stürmer mehrmals im Strafraum auf die Knie fallen und erntete damit den Zorn des Publikums. Der Siegtreffer blieb dem Österreich-Rückkehrer aber versagt, worüber er sich nach dem Schlusspfiff ziemlich ärgerte.

„Der Sieg war auf jeden Fall drin. Die Chance, wo ich mir den Ball zu weit vorlege – was mir normalerweise nicht passiert – das hätte das 2:1 sein können.“ Seinen Frust ließ er an seinem Trikot aus, dem er einen Riss zufügte.

Nach dem Spiel wurde er sogar auf dem Weg zum Bus von einem Rapid-Anhänger attackiert, kam jedoch mit dem Schrecken davon.

„Was er kann, haben wenige Stürmer drauf“

Von seinen Teamkollegen erntete er aber trotzdem eine Menge Lob – vor allem von Abwehrchef Thomas Burgstaller, der genau weiß, welches Potenzial im Angreifer schlummert.

„Endlich! Ich habe ihn in den letzten Wochen schon geschimpft, dass er ein bisschen ‚anzah’n‘ soll. Was er kann, haben wenige Stürmer in Österreich drauf. Aber ich muss ihn ein bisschen zusammenscheißen, denn er muss heute zwei Tore machen…“, meinte Burgstaller mit einem Augenzwinkern.

Das Mitglied des erfolgreichen U20-WM-Teams von 2007 nimmt das Lob dankend an und verweist auf sein wiedergefundenes Selbstvertrauen.

„Ich habe wirklich schwierige Jahre hinter mir, in denen ich wenig gespielt habe und verletzt war. Ich bin einfach froh, dass ich keine Schmerzen mehr habe und gesund bin. Wenn ich gesund bin, kann ich auch meine Leistungen bringen.“

Okotie rechnete mit Nürnberg-Absage

In acht Bundesliga-Einsätzen seit seiner Last-Minute-Verpflichtung im Winter trug sich Okotie nach dem Auswärtstor in Mattersburg bei Rapid zum zweiten Mal in die Torschützenliste ein.

Seine Zukunft ab Sommer ist jedoch weiter offen. Nürnberg-Trainer Dieter Hecking verlautbarte unter der Woche offiziell, dass man den noch bis 2013 an die Franken gebundenen Stürmer im Sommer nicht zurückholen wolle.

Für Okotie kommt diese Entscheidung nicht überraschend. „Ich habe schon damit gerechnet, weil der Kontakt fast gar nicht da war.“ Weitere Jahre bei Sturm sind durchaus vorstellbar, könnten jedoch an der Ablösesumme scheitern.

Die ständigen Fragen nach dem weiteren Karrierelauf stören den Profi mit pakistanischen Wurzeln überhaupt nicht, nähere Auskunft kann er aber noch nicht geben.

„Fühle mich hier in Graz sehr wohl“

„Meine Zukunft liegt noch in den Sternen. Ich weiß nicht, wo ich im Sommer bin, aber das belastet mich überhaupt nicht. Ich konzentriere mich auf die letzten Spiele. Das Richtige wird schon passieren.“

Einen Nachsatz – mit einem Lächeln auf dem Gesicht - konnte sich Okotie aber nicht verkneifen: „Ich muss auch sagen, dass ich mich hier in Graz sehr wohl fühle.“

Nach dem Spiel gegen Rapid war einmal mehr offensichtlich, dass der Stürmer polarisiert – sowohl auf, als auch abseits des Platzes.

Ob er das ab Sommer weiterhin im schwarz-weißen Trikot der Grazer forciert oder ihm eine Reise ins Ungewisse bevorsteht, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu beantworten.


Alexander Karper/Peter Altmann

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