Gludovatz: "Wir sind Europacup-Syndrom entronnen"

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Ein spektakulärer Fußball-Sonntag sieht anders aus.

Drei Spiele, drei Mal 0:0. Nachdem die Austria in Innsbruck und Salzburg gegen Mattersburg ohne Torerfolg blieben, war auch Rapid  als Favorit gegen Ried in dieser Hinsicht erfolglos.

21 Mal brachten die Wiener den Ball auf das Tor, 21 Mal ist nichts passiert.

„Müssen dieses Spiel gewinnen“

Der Ex-Rieder Athde Nuhiu scheiterte alleine neun Mal – unter anderem am abermals groß aufspielen Tormann Thomas Gebauer.

„Wir müssen dieses Spiel gewinnen, weil wir viele gute Chancen gehabt haben. Die klaren Möglichkeiten waren auf unserer Seite zu sehen“, analysierte Steffen Hofmann.

Der Rapid-Kapitän würdigte aber auch die Gäste-Leistung: „Ried hatte gute Möglichkeiten.“

„Heroische Leistung“

Die Innviertler nahmen den Punkt beim Tabellenführer freilich mit Kusshand.

„Gegen diese Power von Rapid, dieses Mal garniert mit dem Publikum, war es nicht so einfach. Wir haben es aber mit einer heroischen Leistung geschafft“, war Trainer Paul Gludovatz, der aufgrund der Doppelbelastung Bundesliga-Europacup Sorgen hatte, glücklich.

„Voriges Jahr und heuer war das Europacup-Quali-Syndrom, das ich auch bei Sturm am Samstag festgestellt habe, auszumachen. Ohne Kapfenbergs Leistung zu schmälern, aber die Grazer haben darunter schon sehr gelitten – Sturm war tot. Wir sind dem glücklicherweise entronnen.“

"Kinder-Riegel" hielt

Die Spieler konnten die am Donnerstag anstehende, wichtige Partie gegen Bröndby erfolgreich ausblenden. „Das ist uns, denke ich, allen ganz gut gelungen“, war Gludovatz zufrieden.

Der 64-Jährige konnte sich dabei neben Gebauer auf seinen "Kinder-Riegel" verlassen.

Max Karner (21) gab sein Liga-Debüt, Thomas Reifeltshammer (23) bestritt sein 20. BL-Spiel und Jan-Marc Riegler (23) sein 30. – seit Schlusspfiff weist dieses Trio also eine Bundesliga-Erfahrung von erst 51 Spielen auf.

„Wir sind zwar jung, aber wenn wir zusammenhalten und miteinander reden, dann haut das schon hin“, begründete Debütant Karner („Es war wirklich geil“) die stehende Null nach 90 Minuten.

Cooler Reifeltshammer

Reifeltshammer agierte als unaufgeregter, cooler Chef der Dreier-Kette, die auf den Seiten von Bienvenue Basala-Mazana und Anel Hadzic unterstützt wurden.

„Wir waren eine junge Abwehr, aber wir haben das super gelöst“, freute sich der 23-Jährige, der auch innerlich die Ruhe selbst war: „Ich bin eben vom Typ her so.“

Wird der Rotschopf der „neue“ Oliver Glasner? „Das dauert noch lange“, lachte Reifeltshammer.

Der Kapitän selbst kann sich mit diesem Gedanken anfreunden: „Das ist gut, es muss sowieso wer nachkommen.“

Glasner hatte in Minute 22 das Duell der Brummschädel gegen Mario Sonnleitner verloren.

Der grün-weiße Rechtsverteidiger hatte sich zudem auf seiner Seite viele Duelle mit Daniel Royer geliefert: „Das ist so in der Bundesliga. Da wird gefightet, das ist kein Frauenfußball und deswegen gibt es da ab und zu einen Kampf, aber es war von beiden Seiten fair geführt."

Glasner guter Dinge

Glasners Platzwunde musste im Krankenhaus mit vier Stichen genäht werden. Nach Schlusspfiff war der 36-Jährige, der sich an die Aktion nicht erinnern konnte, schon wieder in Hütteldorf zu sprechen.

Für das Europa-League-Quali-Rückspiel in Kopenhagen ist Glasner, der glücklicherweise ohne Fraktur davonkam, optimistisch: „Ich hoffe schon, dass es sich ausgeht. Nach dem aktuellen Stand spricht medizinisch nichts dagegen, am Dienstag habe ich noch eine Kontrolle.“

Seine Erfahrung wäre für das Verteidigen des 2:0-Vorsprungs gegen Bröndby sicherlich von Vorteil.

Aber scheinbar funktioniert es auch ohne den Routinier ganz gut. Zumal der „Kinder-Riegel“ den Elchtest vor 15.200 Zuschauern im Hanappi-Stadion bestanden hat.

Aufgrund des neuerlichen Stimmungs-Boykotts der Tribünen West und Ost war der gewohnte Hexenkessel aber erneut keiner.

Stimmung im Hanappi besserte sich

Nord und Süd sorgten mit regelmäßigem Applaus, vereinzelten Anfeuerungsgesängen und lautstarken Unmutsäußerungen über einige Schiedsrichter-Pfiffe zumindest dafür, dass es wieder rumorte.

„Es war eine tolle Unterstützung heute, auch wenn die West- und Osttribüne nicht so mitgemacht haben“, resümierte Sonnleitner.

„Es war schon besser“, sah auch Rapid-Coach Peter Schöttel einen Formanstieg.

Hätte Rapid die volle Unterstützung aber vielleicht doch zu einem Tor verholfen?

„Es ist, wie es ist“, blieb Hofmann gewohnt diplomatisch.  

„Wir hätten dann vielleicht noch den letzten Funken an Aggressivität und Konsequenz gehabt. Aber das soll keine Ausrede sein. Wir haben auch ohne Publikum schon gewonnen“, meinte Sonnleitner.

Gewonnen hat an diesem merkwürdigen Fußball-Sonntag allerdings keiner – nicht einmal eine Torprämie müssen die Kassiere auszahlen…

 

Bernhard Kastler

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