Stöger: "Ich glaube, wir haben alle ein Problem"

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Ei, ei, ei – das hätte für Rapid am Ende ein bitteres Osterfest werden können.

Der 2:1-Heimsieg der Grün-Weißen gegen Wiener Neustadt war lange Zeit auf Schiene. Im Finish ließen die Hausherren aber Chancen zu, die sogar für einen Auswärtssieg gereicht hätten.

Wahnsinn, was wir vergeben haben“

Verwunderung war nach Schlusspfiff jedenfalls auf beiden Seiten auszumachen.

„Wahnsinn, was wir für Chancen vergeben haben. So viele kannst du normal gar nicht bekommen, so schöne kannst du normal nicht bekommen“, war Neustadt-Kapitän Wolfgang Klapf fassungslos.

So ging es freilich seinen Kollegen, aber auch den Gegnern, die diese Möglichkeiten zuließen.

Rapid, jene Mannschaft, die weiterhin die wenigsten Tore in der Meisterschaft kassiert hat, ließ selbst gute Chancen aus und verwechselte dann fast den Karsamstag mit dem Tag der offenen Tür.

„Das war komplett unnötig. Wir hätten den Sack früher zumachen müssen“, wusste auch Goalie Lukas Königshofer, der den dritten gefährlichen Madl-Freistoß passieren lassen musste.

"Kopfschötteln" beim Rapid-Coach

Der erste ging noch an die Latte und hätte das 1:1 bedeuten können. Königshofer: „Ehrlich gesagt hatte ich den unterschätzt, der Ball hat sich in drei Richtungen verzogen.“

Der zweite ging nach dem 0:2 knapp vorbei. Der dritte landete dann abgefälscht im Tor. „Der Trainer sagt immer, wenn man nicht auf das Tor schießt, werden keine Tore fallen“, so Madl.

Dass es nicht zum Ausgleich kam, glich einem Wunder. Fast wäre Neustadt noch auferstanden. Sehr zum Missfallen von Peter Schöttel.

„Ich habe keine Ahnung, was in den letzten zehn Minuten mit uns passiert ist“, „schöttelte“ der Rapid-Trainer den Kopf. Und versprach gleich darauf: „Da gibt es bei der Analyse sicher ein paar klare Worte, denn schlussendlich hätte eine der Chancen natürlich zum Ausgleich führen können.“

Generell konnte sich der 45-Jährige mit dem Ablauf der Partie wenig anfreunden: „Wir sind überhaupt nicht in die Partie reingekommen und eigentlich gegen den Spielverlauf in Führung gegangen. Warum wir nicht in die Partie gekommen sind, kann ich nicht sagen. Warum wir nach dem 1:0 nicht sicherer spielten, auch nicht. Alles in allem war es für mich ein sehr seltsames Spiel.“

Stöger startete Grundsatzdiskussion

Schöttel wird die Osterfeiertage mit einer umfangreichen Analyse verbringen. Wohl auch die Schiedsrichter, die nach den 90 Minuten ebenso für Gesprächsstoff sorgten.

In erster Linie wegen des Führungstors, vor dem Assistgeber Alar den Ball mit der Hand berührte.

Diese Situation veranlasste Stöger zu einer Grundsatzdiskussion: „Ich glaube, wir haben mittlerweile alle ein wenig ein Problem. Alle Beteiligten, nicht nur die Spieler, die Trainer, sondern auch die Schiedsrichter. Nämlich, dass sie einschätzen können, was ein Handspiel ist, das zum Pfeifen ist. Was Handspiel ist, das einen Elfmeter berechtigt. Was Handspiel ist, das eine Gelbe Karte berechtigt. Was kein Handspiel ist, damit es weiterläuft.“

Was dachte der 45-Jährige konkret über diese Situation?

„Ich meine, dass die Hand mit Sicherheit auf dem Ball war und er sich diesen mit der Hand mitgenommen hat. Dadurch verschafft er sich einen Vorteil. Ich glaube eher nicht, dass das legitim ist. Die Schiedsrichter werden es aber richtig gesehen haben“, hütete sich Stöger vor Kritik.

Auch Schöttel mit Referees unzufrieden

Schöttel meinte dazu: „Fritz Stuchlik (Schiedsrichter-Manager, Anm.) war bei uns und hat gesagt, Hands ist an und für sich nichts Böses. Es muss nur absichtlich und strafbar sein. Für mich passierte es aus der Bewegung, er hat die Hand am Körper, deswegen ist das Tor für mich korrekt."

Beim zweiten Rapid-Treffer hielt der Wiener Coach aber unumwunden fest: „Das war ohne jeden Zweifel Abseits, vor allem die erste Situation. Das hätte der Assistent sehen müssen."

Letztlich sprach dieser Peter gleich für den anderen Peter mit - beide hatten auch bereits während des Spiels ein paar Meinungsaustäusche - und erklärte: „Wir waren beide nicht mit der Leitung des Spiels zufrieden.“ Schöttel spätestens vor dem Freistoß zum 1:2 nicht: „Das wird auf der ganzen Welt nicht gepfiffen.“

Positives bleibt auf beiden Seiten stehen

Letztlich bleibt ein Rapid-Sieg stehen, der die Hütteldorfer weiterhin an Leader Salzburg kleben lässt. Aufarbeitung ist vor der Vorbereitung auf das Derby kommenden Sonntag dennoch angesagt.

Neustadt trauerte zwar dem Remis nach, konnte sich aber mit dem 3:2-Sieg (nach 0:2) der Admira beim weiterhin 12 Punkte entfernten Schlusslicht Kapfenberg trösten. Zudem bleibt die gute Leistung stehen.

Stöger: „Ich bin stolz, wie sich die Burschen nach dem 0:2 aufgerafft haben. Das ist nicht selbstverständlich. Wir hätten den Punkt holen, Rapid die Partie aber auch vorher entscheiden können.“

War es für Schöttel ein seltsames Spiel, so für Stöger ein „interessantes“. Und letzlich auch kein langweiliges. Keine Selbstverständlichkeit zu Ostern 2012.

 

Bernhard Kastler

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