"Es war kein fußballerischer Leckerbissen"

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Es war den 29.400 Besuchern des Ernst-Happel-Stadions einfach nicht vergönnt, einen Treffer zu sehen.

Nicht einmal beim Pausen-Gewinnspiel gelang es den Teilnehmern, die Torwand zu bezwingen. Und in den 90 Minuten, in denen sich die Profis versuchten, war auch kein Torerfolg zu verzeichnen.

Also endete das 300. Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria mit einer Nullnummer. Ein torloses Remis der schwächeren Art, um es gelinde auszudrücken.

„Es war kein fußballerischer Leckerbissen“, war nicht nur Manuel Ortlechner bewusst, dass das Niveau der Partie sehr zu wünschen übrig ließ.

Austria überrascht Schöttel

Vor allem in der ersten Spielhälfte hatte das Duell der beiden Erzrivalen eher Testspiel-Charakter, Emotionen kamen erst gegen Ende des zweiten Durchgangs auf.

„Taktisch waren beide Seiten eher defensiv orientiert“, analysierte FAK-Coach Ivo Vastic.

Sein Gegenüber, Peter Schöttel, hatte damit nicht wirklich gerechnet: „Ich war vor der Pause überrascht, wie tief die Austria gestanden ist, wie wenig sie sich am Spiel beteiligt hat.“ Vastic‘ Rechtfertigung: „Wir wollten Rapid keine Räume anbieten.“

Unzählige Fehler

Doch es war nicht einzig die defensive Ausrichtung beider Mannschaften, die die 90 Minuten zu einem „Unspiel“ verkommen ließen.

„Auf beiden Seiten sind im Spiel nach vorne viel zu viele Fehler passiert. Es war viel Verunsicherung im Spiel“, fand Markus Katzer. Ortlechner sah es ähnlich: „Es war viel Respekt vorm Gegner da, kein Offensivspektakel. Es war sehr viel Kampf und Krampf drinnen, viele Fehlpässe.“

Die Rapidler wollten darauf nicht näher eingehen. „Man kann es nicht ändern“, meinte etwa Katzer. Schöttel trocken: „Ich nehme das alles zur Kenntnis.“

Die violette Anhängerschaft zeigte sich indes solidarisch mit den jüngst im „Westbahnhof-Prozess“ verurteilten SCR-Fans.

„Ultras dürfen nicht zum Exempel der österreichischen Justiz statuiert werden“, war auf einem Spruchband zu lesen. Ein anderes besagte: „Justiz – Medien – Bullerei: Außer Bahnhof nix verstehen.“

Kurzum: Wer dieses Derby nicht gesehen hat, hat rein gar nichts verpasst.


Harald Prantl/Alexander Karper/Martin Wechtl

Tatsächlich blieben beide Teams mit ihrer Passquote unter 80 Prozent. Unzählige unnötige Fehler waren zu beobachten.

Der vergebene Matchball

Ein Tor wäre dann aber doch fast gefallen. In der 86. Minute setzte Christopher Trimmel einen Kopfball an die Latte. Die einzige ganz große Chance der Partie.

„Wir haben den Matchball gehabt, konnten den Lucky Punch aber wieder nicht setzen“, war Schöttel enttäuscht. Deswegen meinte der Trainer der Hütteldorfer auch: „Wenn es ein Team mehr verdient gehabt hätte, zu gewinnen, dann wir.“

Vastic war mit dem Punkt unterdessen „im Grunde genommen sehr zufrieden“. Ortlechners Resümee: „Das einzig Positive war, dass wir einen Punkt geholt und kein Tor zugelassen haben.“

Stimmungs-Boykott und Fan-Solidarität

Ebensowenig spektakulär wie die Geschehnisse auf dem Feld waren auch jene auf den Rängen. Die „Ultras Rapid“ setzten ihren angekündigten Stimmungs-Boykott konsequent um, nur vereinzelt setzten sich Anfeuerungsrufe durch.

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