Zwischen Beach- und Eissoccer

Aufmacherbild
 

Lob für Siebenhandl nach Galavorstellung gegen Rapid

Aufmacherbild
 

Sonnenschein, ein geräumter Platz und von außen betrachtet gute Verhältnisse – so präsentierte sich das Grün in Wiener Neustadt.

Mehr als 60 Tonnen Quarzsand – die bereits im Dezember untergemischt wurden - machten eine Austragung der Partie möglich.

Regulär, aber grenzwertig. So lautete der Tenor nach dem Rückrundenstart. Trotzdem waren es ungewohnte Bedingungen für beide Seiten. Am Ende schaute für die Hausherren ein 0:0 gegen Tabellenführer Rapid heraus.

„Ich denke, es war ein Fußballspiel bei schwierigen Verhältnissen und mit sehr viel Sand. Aber beim Beachsoccer ist der Sand meistens warm, heute war er doch sehr kalt und hart“, konnte sich Rapid-Kapitän Steffen Hofmann einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Zuerst Beach-, dann Streetsoccer

Der Untergrund war pickelhart, die Sandschicht ließ bei jedem Schritt der Akteure eine Nebelwolke aufsteigen. Für die beiden Mannschaften war es schwer, einen Mittelweg zu finden.

„Am Anfang war’s mehr Beach-, dann mehr Street-Soccer. Je später es wurde, desto eisiger und härter ist es geworden“, stellte auch Mario Sonnleitner fest.

Aus der Sicht von Wiener Neustadt war es ebenfalls schwer zu agieren, teilweise überraschten die Niederösterreicher aber mit gutem Kombinationsspiel.

„Der Sand war gar nicht das Problem. Der Boden war sehr hart, hohe Bälle waren schwer zu spielen“, gab Verteidiger Michael Madl zu.

Witterungsverhältnisse keine Ausrede

Somit stellte sich auch eine Schuhfrage. Statt den gewohnten Stollen-Schuhen griffen alle Beteiligten auf Noppen- oder Kunstrasenschuhe zurück.

„Also mit Stollen wäre es definitiv überhaupt nicht gegangen, mit den Gummlern teilweise. Ich habe mich für die Tausendfüßler entschieden, womit ich guten Halt hatte. Aber jeder weite Pass war unmöglich, weil die so einen hohen Absatz haben. Das ist weit weg von Fußball", so Sonnleitner.

Als Ausrede wollte die Bedingungen keine der beiden Mannschaften gelten lassen. Viel mehr grenzte es im Vorhinein schon an ein Wunder, dass planmäßig in die Saison gestartet werden konnte.

Demnach hatten die Gäste auch Lob parat – vor allem für den Platzwart. „Man muss dazu sagen, dass der Platz für die Witterungsverhältnisse eigentlich sehr gut war. Da hat der Platzwart ganze Arbeit geleistet“, gibt Hofmann zu.

Lobeshymnen für Jorg Siebenhandl

Einstimmig Lobeshymnen wurden auch auf Neustadt-Torhüter Jörg Siebenhandl angestimmt, der seinem Team mit sehenswerten Paraden einen wichtigen Punkt rettete.

„Wir haben es mit einem sehr leidenschaftlich auftretenden Gegner zu tun bekommen, der heute einen herausragenden Torhüter hatte“, gab Rapid-Coach Peter Schöttel zu.

Auch seine Spieler wussten, wer den Sieg vereitelt hatte. „Jörgi haben wir warm geschossen. Natürlich hat er einen super Tag erwischt, ich gratuliere ihm dazu. Anscheinend sind die Torleute gegen uns immer super motiviert“, zollte auch Siebenhandls Gegenüber Lukas Königshofer Respekt.

Der Stern des 22-Jährigen ging erst zu Saisonbeginn auf, seitdem ist er im Team von Peter Stöger gesetzt und wurde zudem ins Nationalteam einberufen.

„Derzeit wahrscheinlich der beste Torhüter der Liga“

ÖFB-Teamchef Marcel Koller wurde im Stadion Augenzeuge einer Klasse-Leistung. „Am schwierigsten zu halten, war sicher der Freistoß von Hofmann. Ich bin sehr zufrieden, aber ich muss mich auch bei der Mannschaft bedanken, die nicht viel zugelassen hat“, blieb der Keeper bescheiden.

Vordermann Madl gab das Lob zurück. „Wir haben derzeit wahrscheinlich den besten Torhüter der Liga, der uns diesen Punkt gerettet hat.“ Im Großen und Ganzen habe man das Maximum herausgeholt, zum Sieg hat es aber noch nicht gereicht.

Siebenhandl hat laut Experten-Meinungen eine große Zukunft vor sich. Trainer Stöger konnte sich nur glücklich schätzen, einen Ausnahmeathleten wie ihn im Kader zu haben.

„Er ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse, ein bescheidener Bursch, der weiß, was er vor hat. Jörg hat im Sommer die Chance wahrgenommen, an die er nicht gedacht hätte. Er strahlt Ruhe aus, hat sehr gut pariert.“

Aufgrund der starken Leistungen ist sich Stöger bewusst, dass das Interesse am Shootingstar kontinuierlich steigt. „Jörg ist zufrieden mit sich selbst, wir mit ihm. Und vor allem damit, dass er bei uns noch einen längerfristigen Vertrag hat.“

Verbesserungspotenzial bei Rapid

Vom Spielerischen her zeigte Wiener Neustadt laut Chefbetreuer der Blau-Weißen „genauso viel Herz wie der Platzwart.“ Trotz mehreren Ausfällen hatte man durch Pollhammer sogar die riesige Chance auf den Sieg.

Um Rapid aber nach mehreren Anläufen daheim zu schlagen, fehlt laut Madl nicht mehr viel. „Wenn wir ein, zwei Chancen mehr kreiieren, müssen wir die nützen. Heute wäre es fast so weit gewesen. Auf der anderen Seite hat Rapid tolle Chancen gehabt.“

Trotz allem war Schöttel nicht zufrieden und gelobt Besserung vor dem 300. Wiener Derby. „Wir sind nicht zufrieden, haben kein tolles Spiel abgeliefert. Es gibt immer was zu verbessern.“

Die erste Standortbestimmung im neuen Jahr war bereits ein Vorgeschmack. In den kommenden Spielen wird sich zeigen, in welche Richtung beide Teams tatsächlich steuern.


Alexander Karper

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen