Platz eins ist Balsam auf Rapids Seele

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Winterkönig.

Balsam auf die Seelen, aber nicht mehr.

Was vor einigen Wochen und Monaten noch unrealistisch klang, wurde am letzten Spieltag in diesem Jahr für Rapid Wirklichkeit: Die Grün-Weißen überwintern auf Platz eins.

Als beim 2:1-Heimerfolg gegen die Admira im Hanappi-Stadion der Schlusspfiff ertönte, konnte man förmlich die Steine von den Herzen der Spieler fallen hören.

Erleichterung nach Sprung auf Platz eins

„Wir sind Erster“, war Kapitän Steffen Hofmann die Freude anzusehen. „Auch wenn wir nicht viele Punkte haben, können wir trotzdem stolz sein.“

Die Aufgabe gegen die Admira war aber wie so oft in diesem Herbst eine schwierige. Nach dem frühen Führungstreffer von Nuhiu – bekam seine Chance anstelle des gesperrten Burgstaller – verpasste Rapid, die Entscheidung schon vorzeitig zu erzwingen.

Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Schrott (56.) konnten die Grün-Weißen erst nach dem Goldtor von Deni Alar aufatmen (78.).

„Wir haben die Chancen gehabt, den Vorsprung auszubauen und dadurch sicherer zu werden. Nach dem Ausgleich hat die Admira aber sogar die Chance auf die Führung gehabt“, analysierte Trainer Peter Schöttel.

Zusammenhalt steht auf Wunschzettel ganz oben

Prompt in jener Phase, als die Mannschaft nach Unterstützung durch den „12. Mann“ lechzte, wurden Pfiffe laut, Spieler und Trainer bei den Auswechslungen durch die eigenen Fans beschimpft.

Eine Tatsache, die bei Schöttel auf Unverständnis stieß. „In dieser Phase herrscht gleich eine sehr eigenwillige Stimmung. Wenn es nicht läuft, sind gleich alle gegen uns. Das stört mich einfach.“

Nicht ohne Hintergedanken verabschiedete sich die Mannschaft bei den Anhängern mit einem Transparent, das folgende Aufschrift enthielt: „Wir wünschen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches, gemeinsames nächstes Jahr.“

Gemeinsam war das Schlagwort, um die aktuelle Tabellenposition auch im Frühjahr bestätigen zu können.

„Im Frühjahr wird es hart genug“

„Wenn man Erster ist, muss man mit einem positiven Gefühl in die Winterpause gehen. Es ist sicher positiv, dass wir das letzte Spiel gewonnen haben. Jeder soll den Urlaub genießen, denn im Frühjahr wird es hart genug“, kündigt Innenverteidiger Mario Sonnleitner an.

Dadurch steigen auch die Erwartungen im Umfeld. Als Führender nach 19 Runden orientiert sich natürlich auch die Zielsetzung nach oben.

„Unser Ziel muss sein, bis zum Saisonende auf diesem Platz stehen zu bleiben. Wie wir das machen, ist wurscht. Wenn wir mit 60 Punkten ganz vorne sind, nehmen wir es auch“, gab Hofmann die Marschroute vor.

„Trotzdem gehören die Spieler nicht ausgepeitscht“

Etwas zwiegespaltener sieht die Bilanz beim Überraschungs-Team aus der Südstadt aus, auch wenn die positiven Aspekte für Spieler und Trainer eindeutig überwiegen.

„Wenn man das ganze Jahr mit dem Aufstieg und dem ersten halben Jahr in der Bundesliga hernimmt, gibt es wenig zu bekritteln. Klar, wir haben die letzten sieben Spiele nicht gewinnen können, trotzdem sag‘ ich jetzt nicht, dass die Spieler ausgepeitscht gehören“, zog Coach Dietmar Kühbauer Bilanz.

Viel mehr überwiegt beim Ex-Rapidler der Stolz über das Geleistete. Die Lob-Hudelei seinerseits nach den vielen schönen Momenten in dieser Spielzeit sollen aber nicht falsch verstanden werden.

„Die Spieler glauben ja schon, ich will bei ihnen einziehen, weil ich sie immer lobe“, konnte sich Kühbauer bei der Pressekonferenz wie gewohnt seine Scherze nicht verkneifen.

Rapid beschenkt sich selbst, Kühbauer die Admira

Abgesehen davon, dass gegen Rapid sogar mehr möglich war, war dem ehemaligen ÖFB-Teamspieler auch in punkto Schiedsrichter nicht zum Scherzen zumute.

Referee Robert Schörgenhofer bekam nach dem Schlusspfiff sein Fett weg. „Es hat oft den Anschein, als wären wir für ihn Menschen zweiter Klasse. Bei jeder normal gestellten Frage droht er den Spielern, einen Jolly (Anm.: Gelbe Karte) zu zeigen.“

Über die besinnlichen Feiertage hat der Admira-Chefbetreuer einen Rat bereit: „Ich wünsche ihm frohe Weihnachten. Trotzdem glaubt er, er ist etwas Besseres, er soll wieder auf den Boden kommen.“

Während sich Rapid mit der Winterkrone selbst beschenkte, dürfen sich die Admiraner auf eine Essenseinladung durch den Trainer freuen. „Kebap oder Ähnliches – es darf pro Spieler aber nicht mehr als fünf Euro kosten.“


Alexander Karper

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