"Anderen Teams reichen diese Chancen zum Sieg"

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Rapid will in der verrückten österreichischen Bundesliga anscheinend keine Ausnahme darstellen.

Herbstmeistertitel? Nein, danke. Aufschwung fortsetzen? Vergeblich. Daheim wieder zur Macht werden? Fehlanzeige.

Mit dem 0:0 gegen Wacker Innsbruck konnten die Grün-Weißen wie schon auswärts gegen Kapfenberg kein Tor erzielen und mussten sich zum zweiten Mal in Folge mit einem Remis begnügen.

"Ich bin enttäuscht und unzufrieden - nicht nur mit dem Ergebnis sondern auch mit der Leistung", stellte Trainer Peter Schöttel nach dem Schlusspfiff klar.

Rapid gegen wackere Innsbrucker ideenlos

Tatsächlich wirkten seine Mannen über weite Strecken antriebs-, kraft- und ideenlos. Die dicht stehende Abwehr des Gegners machte ein Durchkommen fast unmöglich.

"Wir wussten, dass mit Wacker ein harter Brocken bevorsteht. Sie haben eine sehr gute Auswärtsbilanz, das haben sie heute wieder unter Beweis gestellt. Der Gegner war gut eingestellt und hat die Räume sehr eng gemacht", suchte der 44-jährige Chefbetreuer nach Gründen.

Zumindest in der ersten Halbzeit versuchten die Hütteldorfer dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Bereits nach zwei Minuten landete der Ball im Netz, doch Burgstaller traf aus klarer Abseitsposition.

Seinen großen Auftritt hatte die Solospitze aber in der 31. Minute, als er alleine vor Safar dem Wacker-Keeper den Ball in die Hände schupfte.

"Das war nicht schön anzuschauen"

Das waren dann schon die besten Möglichkeiten in einer an sich chancenarmen Partie, in der Schöttel an der Outlinie verzweifelte.

"Das war nicht schön anzuschauen. Wir haben heute viel zu selten Lösungen für die Aufgaben gefunden, die uns Wacker gestellt hat", fasste der ehemalige Abwehrchef zusammen.

In Normalform befand sich bei Rapid laut Aussagen des Trainers kein Spieler. Vor dem gegnerischen Tor herrschte nur wenig Betrieb, obwohl Rapid mit Burgstaller, Nuhiu, Gartler und Salihi auf volle Offensive setzte.

"Anderen Teams reichen diese Chancen zum Sieg, aber wir brauchen immer fünf oder sechs Möglichkeiten für ein Tor", kritisierte Schöttel.

Außenverteidiger Markus Katzer stimmte ihm in dieser Hinsicht zu: "Wir haben keinen guten Tag erwischt und nicht gut gespielt. Solche Spiele sollte man gewinnen, wenn man vorne dabei sein will."

Auch Innenverteidiger Harald Pichler war enttäuscht: "Wir haben uns zum Teil selber in Bedrängnis gebracht. Wir wollten schon Herbstmeister werden, haben das aber leider verabsäumt."

"Für uns ist das ein Pluspunkt"

Mehr Lob gab es auf Seiten der Innsbrucker, die nach dem Heimsieg gegen Meister Sturm Graz noch einen Punkt aus dem Hanappi-Stadion entführen konnten.

"Für uns ist das ein Pluspunkt. Wir sind gut gestanden, haben viele Konter gespielt. Ein Punkt ist ein Punkt", hielt Defensiv-Abräumer Tomas Abraham fest.

Trainer Walter Kogler war auf seine Schützlinge, die zwar wenige Chancen vorfanden, jedoch in den Schlussminuten durch Burgic beinahe noch zum Sieg gekommen wären, stolz.

"Wir fahren zufrieden nach Innsbruck zurück. Der Punkt tut uns sehr gut, da wir wissen, wie schwer es ist, hier zu bestehen. Es war ein gerechtes Unentschieden, in dem wir viel in die Defensive investieren mussten."

Probleme in den Griff bekommen

Der Aufschwung bei den Tirolern spiegelt sich auch in der Tabelle wider. Der Rückstand auf Herbstmeister Ried ist mit zehn Punkten geringer als der Vorsprung auf den Tabellenletzten Kapfenberg (11).

"Ich würde nie sagen, dass nach unten nichts passieren kann. Spätestens nach den vier Punkten gegen Sturm und Rapid sind wir aber in einer guten Position", ist Kogler zufrieden.

An der Philosophie wird sich trotz alledem nichts ändern. "Wir wollen unsere jungen Spieler entwickeln. Wernitznig, Schütz und Co. kommen aus unteren Ligen und spielen noch nicht lange in der Bundesliga. Außerdem wollen wir tunlichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben."

Abraham führt die Verbesserungen im Wacker-Spiel auf eine Systemveränderung und die harte Arbeit im Training zurück.

Während bei Wacker scheinbar Lösungen für anhaltende Probleme gefunden wurden, kommt Rapid nicht zum ersten Mal in diesem Herbst ins Grübeln.


Alexander Karper

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