Ein neuer Tiefpunkt

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Mattersburg schießt Salzburg noch tiefer in die Krise

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Thomas Borenitsch war nach dem Schlusspfiff umringt von zahlreichen Kindern.

Der Mattersburg-Goalie musste Autogramme geben und wurde gefeiert, als hätte er mit dem SVM gerade den Meistertitel geholt.

Dabei war es „nur“ ein Sieg gegen Red Bull Salzburg. In der 14. Runde. Also noch weit entfernt von einer Vorentscheidung im Abstiegskampf.

Mattersburg beendet Heim-Unserie

Aber ein 3:0 gegen den eigentlichen Meisterschafts-Favoriten gelingt eben nicht alle Tage.

„Ich meine aber, dass der Sieg auch in dieser Höhe verdient war. Salzburg hat in der zweiten Hälfte nicht einmal unser Tor in Gefahr gebracht. Wir haben ganz klar gezeigt, wer dieses Spiel gewinnen will“, war Trainer Franz Lederer sichtlich stolz auf seine Mannschaft.

Die Burgenländer beendeten mit dem überraschenden Erfolg auch ihre Unserie im Pappelstadion: Der letzte Heimsieg datierte vom 7. Mai, seitdem gab es in acht Spielen jeweils vier Niederlagen und Unentschieden.

Borenitsch: „Dieser Sieg tut doppelt gut, da wir schon lange nicht mehr zu Hause gewonnen haben. Hoffentlich können wir diesen Schwung für die nächsten Spiele mitnehmen.“

„Bitterste Stunde seit ich in Salzburg bin“

Im Salzburger Lager war die Stimmung dagegen endgültig im Keller. Mit dem 0:3-Debakel beim Vorletzten erreichten die „Bullen“ einen neuen Tiefpunkt.

„Es ist die bitterste Stunde seit ich in Salzburg bin“, rang Roman Wallner nach Worten. Eine Erklärung für den blamablen Auftritt oder gar für die katastrophale Gesamtsituation hatte der Stürmer nicht.

„Ich kann nur das sagen, was ich auch immer sage, wenn es gut läuft: Man kann Serien oft nicht erklären. Derzeit passt bei uns einfach nichts zusammen.“

Youngster Georg Teigl, der das 1:0 auf dem Fuß hatte, war ebenso ratlos wie sein Teamkollege: „Derzeit sind wir nicht fähig, das auf den Platz zu bringen, was uns der Trainer sagt. Ich verstehe es selbst nicht.“

Moniz versucht Ruhe zu bewahren

Der angesprochene Trainer, Ricardo Moniz, versuchte am wohl bittersten Abend seit seiner Amtsübernahme Fassung zu bewahren: „Auch wenn du kein Erfolgserlebnis hast, musst du versuchen, mit breiter Brust aufzutreten. Ich versuche das jetzt auch. Jetzt wird sich zeigen, wer die mentale Härte hat. In schlechten Zeiten musst du Charakter zeigen.“

Angst um seinen Job hat der Niederländer trotz sechs siegloser Liga-Partien nicht. Noch nicht.

„Ich befürchte nichts, habe keine Angst und brauche keine Rückendeckung. Man kann mich kritisieren, aber ich werde von meinem Weg nicht abgehen. Ich stelle mich nicht infrage, ich weiß nicht, wo das herkommt, das ist Stimmungsmacherei.“

Vorne pfui, hinten pfui

Fakt ist allerdings, dass sich Salzburg schon fast zwei Monaten in einer veritablen Krise befindet und nicht unbedingt Besserung in Sicht ist.

Hinten patzt die Abwehr, vorne geht der Ball nicht rein.

„Phasenweise ist unser Spiel nicht so schlecht, aber es fehlt der zwingende Moment. Uns fehlt auch in entscheidenden Phasen die Konsequenz – hinten wie vorne“, analysierte Fränky Schiemer.

Länderspielpause kommt gelegen

Die zweiwöchige Länderspielpause will Salzburg jetzt dazu nutzen, um wieder etwas in die Spur zu finden.

„Jeder muss nun in sich gehen und sich hinterfragen. Vielleicht tut der Abstand ganz gut“, so Teigl.

Schiemer übt sich jedenfalls schon mal in Durchhalte-Parolen: „Ich bin überzeugt, dass wir auf kurz oder lang wieder aus dieser Krise herauskommen.“

Kurt Vierthaler

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