Rapids Freud ist Sturms Leid

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Rapid auf Achterbahnfahrt wieder oben angekommen

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Trainer Franco Foda brachte es nach dem Schlusspfiff auf den Punkt: „Man muss das Spiel in mehreren Phasen sehen.“

Die 2:3-Niederlage gegen Rapid war nämlich nichts für schwache Nerven, obwohl die Grazer Gäste 75 Minuten kaum in Erscheinung treten konnten. Trotzdem wurde es am Ende noch eng.

Dementsprechend ärgerte sich der deutsche Coach weniger darüber, dass seine Mannschaft nicht mehr den Ausgleich verbuchen konnte, sondern viel mehr über die verhaltene Art.

„Das war heute zu wenig von meiner Mannschaft. Der Sieg von Rapid war zwar knapp, aber verdient“, musste Foda als fairer Sportsmann zugeben.

„Sorgen, dass es uns wieder auf den Kopf fällt“

Sein Gegenüber Peter Schöttel gab ihm in diesem Punkt recht. Für den 44-jährigen Wiener zählte der Heimsieg zu den besten Saisonleistungen.

„Wir haben vom Start weg dominiert, das Spiel gemacht, uns Chancen erarbeitet, nur lange auf das erste Tor gewartet. Da habe ich schon Sorgen gehabt, dass es uns wieder auf den Kopf fallen könnte.“

Umso größer war schlussendlich der Jubel über den Befreiungsschlag, der die Grün-Weißen auf den dritten Tabellenplatz vorstoßen ließ.

Wie schon von Foda angemerkt, konnte das Spiel in drei Phasen unterteilt werden:

PHASE 1: Rapid dominiert die erste Halbzeit

Die vielen Umstellungen bei Sturm wirkten nicht gerade fördernd. Vor allem die Ausfälle der beiden zentralen Mittelfeldspieler Manuel Weber und Jürgen Säumel ließen Foda erfinderisch werden. So lief an der Seite von Florian Kainz Joachim Standfest auf. „Wir haben die Ausfälle in der Mitte überhaupt nicht verkraftet“, gab Standfest gegenüber LAOLA1 zu. Nach vorne ging im ersten Durchgang gar nichts. Rapid setzte den Gegner immer wieder über die Seiten mit dem überragenden Christopher Drazan und Christopher Trimmel unter Druck. Dass es mit einem 0:0 in die Pause ging, war für die „Blackies“ schmeichelhaft. „Gegen Rapid in Wien zu Null spielen, das geht nur mit viel Glück“, merkte Goalie Silvije Cavlina an. Burgstaller, Gartler und Trimmel vergaben die besten Chancen, ein Abseitstor wurde zurecht aberkannt. „Wir waren einfach viel zu passiv. Wir sind viel zu tief gestanden, haben uns wenig zugetraut und zu wenig nach vorne gespielt. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man ein Tor kriegt“, zählte Patrick Wolf Gründe auf.

PHASE 2: Rapid münzt Überlegenheit in Zählbares um

„Die zweite Halbzeit war ausgeglichener, allerdings war unser Abwehrverhalten dilettantisch. Solche Tore darf man nicht kriegen“, stellte Foda seiner Hintermannschaft kein gutes Zeugnis aus. Rapids Anfangsdruck in Hälfte zwei wurde belohnt. Trimmel zog zur Mitte, der Schuss wurde von Gartler noch leicht abgefälscht (55.). Dass der Stürmer möglicherweise in Abseitsposition die Richtung des Balles veränderte, interessierte nach dem Schlusspfiff keinen mehr. In Phase zwei fällt auch der Auftritt von Atdhe Nuhiu, der erst in der 66. Minute eingewechselt wurde. Mit einem seiner ersten Ballkontakte markierte er das 2:0 (72.), nur drei Minuten später versüßte er den Fans mit seinem Kopfballtreffer (75.) das darauffolgende Einklatschen der Rapid-Viertelstunde. Beide Vorlagen lieferte Christopher Drazan – einmal von links, einmal von rechts. Das brachte die ständige Rochade zwischen Trimmel und dem Assistgeber mit sich. „Das war ein ganz wichtiger Sieg für uns. Ich gebe in jedem Training und Spiel mein Bestes“, freute sich der Doppel-Torschütze. Trainer Schöttel hatte nur Lob für seinen Schützling parat: „Er hat zuletzt mit sich gehadert, weil er nicht gespielt hat. Der Grund war, dass ich das Spiel variabler gestalten wollte und nicht nur hohe Bälle auf Nuhiu sehen wollte. Aber er ist wahrscheinlich der fleißigste Trainierer von allen.“

PHASE 3: Bodul macht Schlussphase mit Doppelpack spannend

Schöttel war auch bemüht, nach dem Spiel auf die 75 starken Minuten seiner Elf zu verweisen und nicht auf jene zehn, die den Rapidlern in der Schlussphase noch zur Qual wurden. Oft wurde das Tor von Helge Payer an diesem Abend nicht in Beschuss genommen, trotzdem landete der Ball zwei Mal im Netz. Darko Bodul machte die Partie wie aus dem Nichts mit zwei sehenswerten Treffern (77., 84.) noch einmal spannend. „Diese Tore dürfen natürlich nicht mehr passieren. Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, dass wir das Spiel gewinnen, weil wir es uns verdient haben“, so Michael Schimpelsberger. Foda riskierte, wurde aber nicht mehr belohnt. „Wir haben schon nach dem 0:1 mit drei Stürmern gespielt und auch noch Haas gebracht. Mehr geht nicht.“ In den Schlussminuten war dann alles offen. Sturm ließ noch eine gute Chance aus, Rapid hätte durch Konter mehrere Möglichkeiten gehabt, den Sack zuzumachen.

Verantwortung ohne Hofmann aufgeteilt

Am Ende blieb es aber beim 3:2. Für Rapid war es nach dem bitteren Aus im Cup-Achtelfinale ein ganz wichtiger Erfolg.

Auffallend: Dieser gelang ausgerechnet ohne Steffen Hofmann, der sich mit einer Innenbandzerrung herumschlägt. An seiner Stelle zog Thomas Prager die Fäden im Mittelfeld und wusste zu überzeugen.

„Mir ist das positiv aufgefallen. Ohne Hofmann wurde die Verantwortung auf mehr Schultern verteilt, wir haben toll gespielt. Trotzdem hoffe ich, dass er nächste Woche wieder dabei ist“, analysierte Schöttel.

Rapid ist auf der Achterbahnfahrt momentan wieder oben angekommen. Jetzt abzuheben, kommt für die Spieler jedoch nicht in Frage. „Wir bleiben realistisch. Wir haben eine wirklich sehr gute Leistung geboten, mehr auch nicht“, so Markus Katzer.

„Die Niederlage schmerzt doppelt“

Angesprochen auf den zwischenzeitlichen dritten Platz fügte Schimpelsberger hinzu:

„Man sieht, dass alles eng beieinander ist. Wir sind punktegleich mit Salzburg und Ried. Nächste Woche ist in Ried die nächste Chance, vielleicht noch weiter hinaufzuklettern."

Bei Sturm wurde der Aufwärtstrend nach dem Sieg gegen Salzburg hingegen jäh gestoppt. „Wir haben den Anschluss an die Spitze verloren. In Folge dessen schmerzt die Niederlage doppelt“, schloss Wolf das Kapitel.

Des einen Freud, des anderen Leid. Ein Blick auf die Tabelle verspricht für die kommenden Wochen jedoch weiterhin eine Menge Spannung.


Alexander Karper

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