"Wir sind betrogen worden"

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WAC-Ärger bei Rapid: "Wir sind betrogen worden"

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"Wir sind betrogen worden."

Starker Tobak, auch wenn diese Aussage von WAC-Kapitän Michael Sollbauer im ersten Affekt getätigt wurde.

Im Mittelpunkt: Das Schiedsrichter-Team rund um Dominik Ouschan, das beim 2:1-Heimerfolg des SK Rapid gegen die Kärntner eine folgenschwere Fehlentscheidung traf.

Kein Wunder also, dass sich nach dem Schlusspfiff alles um diese Szene drehte und einige bei tropischen Temperaturen heiß liefen.

Emotion, Empörung, Unverständnis

Etwa Trainer Dietmar Kühbauer, der auf das Spielfeld stolzierte und den Unparteiischen kochend für Wut und mit bösem Blick die Hand schüttelte, um ihnen zu ihrer zweifellos fehlerhaften Leistung zu gratulieren.

Oder sein Assistent Manfred Nastl, der fast Stirn an Stirn Ouschan seine Meinung geigte und das Schiedsrichter-Quartett schimpfend bis in den Kabinengang verfolgte.

Es waren Emotionen, die in diesem Fall verständlich waren. Schließlich führten die Wolfsberger mit 1:0, ehe ein irregulärer Treffer Rapids in der 66. Minute alles zunichtemachte.

"Der Ball wird von Auer weitergeleitet, Beric war beim Zuspiel schon ein oder zwei Meter im Abseits. Dann kommt er noch mal rein, spielt zurück und es ist ein Tor. Das ist die Draufgabe", machte Sollbauer seinem Ärger Luft.

"Das ist schon unglaublich"

Anders als von vielen fälschlicherweise im ersten Moment vermutet, handelte es sich allerdings nur um eine, nicht um zwei nicht geahndete Abseitsstellungen.

Beric stand bei der ersten Aktion vorne, als er jedoch wieder ins Spielfeld zurückkehrte, was laut Schiedsrichter-Regulativ legitim ist, standen zwei WAC-Spieler auf der Linie und lösten das Abseits auf. Eine nicht erkannte Abseitsstellung war aber ohnedies eine zu viel.

"Nur weil die Eishockey-Saison bald wieder los geht, glaubt der Schiedsrichter, dass man hinter dem Tor spielen darf", war auch Torhüter Alexander Kofler erzürnt.

"Über die Schlüsselszene brauchen wir nicht diskutieren. Wenn man dann weiß, dass es Abseits war, ist das schon unglaublich", war Kühbauer bei der Pressekonferenz hingegen wieder gefasst.

Zu oft wurde der Chefbetreuer schon wegen Aussagen gegen Schiedsrichter zur Kasse gebeten. Er scheint daraus gelernt zu haben. Verärgert aber doch sachlich, arbeitete er den vergebenen Punktegewinn im Ernst-Happel-Stadion auf.

Entschuldigung, um die sich WAC nichts kaufen kann

Zur Rechtfertigung des Schiedsrichters meinte er nur: "Natürlich hat er sich entschuldigt, es tut ihm leid. Aber darum kann ich mir nichts kaufen."

Vor allem die Mannschaft, die bis dahin eine tadellose Leistung ablieferte und nach den Strapazen beim 0:5 in Dortmund durch Christopher Wernitznig (21.) in Führung ging, nahm der Burgenländer in Schutz:

"Es war für mich dann sehr schwierig. Die Jungs konnten nicht mehr zusetzen, deshalb tut es mir echt leid für die Mannschaft, weil sie das nicht verdient und ein Top-Spiel gemacht haben. Jetzt müssen wir mit null Punkten heimfahren, das ist echt nicht schön, weil es nicht gerecht war."

Für die drastischen Worte war an diesem Abend der Kapitän zuständig. Dieser schoss sich wortgewaltig auf den nicht wirklich souverän wirkenden Ouschan ein.

"Da kommt mir das Speiben"

"Bei der arroganten Art vom Schiedsrichter kommt mir das Speiben, muss ich ganz ehrlich sagen. Gar nichts hat er gesagt, immer die abweisende und arrogante Art. Anscheinend scheißt er sich an. Bei uns kannst du dir sicher sein, dass es Abseits gibt", merkte Sollbauer enttäuscht an.

Nebenbei angemerkt, wurde Rapid von der Schiedsrichter-Riege angezeigt, weil die strittige Situation auf der Video-Wall im Stadion eingespielt wurde.

Abgesehen davon hätte gegen die stark veränderte Rapid-Elf laut dem WAC-Kapitän in Durchgang eins noch mehr herausschauen müssen. Ärgerlich war schlussendlich nicht nur das Einmischen des Referees, sondern auch das Abwehrverhalten bei den Gegentoren.

"Wir haben uns auch bei den Toren nicht gut angestellt. Schobesberger tanzt 60 Minuten den gleichen Scheiß runter, immer den gleichen Haken und wir kapieren's nicht."

Dieser leistete schlussendlich die Vorarbeit zum zweiten Treffer von Matchwinner und Doppelpack-Schütze Florian Kainz, der für die Enttäuschung der Gäste Verständnis zeigte.

"Richtig schlechtes Spiel" von Rapid

"Ich habe die TV-Bilder gesehen. Es war Abseits, aber wir werden uns nicht beschweren. Es ist natürlich bitter für den WAC, weil der ein super Spiel gemacht hat. Aber heute war das Glück auf unserer Seite."

Abschließend zu diesem Thema meinte Trainer Zoran Barisic noch: "Das Ausgleichstor, da müssen wir nicht diskutieren, war aus einer Abseitsposition. Das war glücklich, der Sieg war aber nicht unverdient."

Vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit. Denn im ersten Durchgang präsentierte sich der ungeschlagene Tabellenführer schwach wie schon lange nicht mehr. Daraus machte keiner der Beteiligten einen Hehl.

"Es war ein richtig schlechtes Spiel von uns, in dem ganz wenig funktioniert hat. Das war nicht das Rapid der letzten Wochen. Erste Halbzeit braucht sich kein einziger auszunehmen, da waren wir als Team einfach schlecht.", gab Christopher Dibon, der in Abwesenheit von Steffen Hofmann und Mario Sonnleitner die Kapitänsschleife trug, ehrlich zu.

"Sind um unser Leben gerannt, um zu gewinnen"

Auch der Trainer war mit dem Auftreten seiner Mannschaft nach dem Aufstieg ins CL-Playoff gegen Ajax Amsterdam alles andere als zufrieden.

"Wir haben die erste Hälfte komplett verschlafen. Es war eine ganz schlechte Halbzeit von uns, dann ist aber vieles besser gelaufen."

Und Dibon ergänzte: "In der zweiten Halbzeit haben wir als Team funktioniert, da hat einer für den anderen Gas gegeben. Sicher hat nicht alles geklappt, aber wir haben alles reingehaut, um die drei Punkte zu holen. Wir sind um unser Leben gerannt und wollten einfach gewinnen. Der Wille war ausschlaggebend."

Somit bleibt Rapid nach drei Spielen makellos und geht als Tabellenführer ins Wiener Derby kommenden Mittwoch. Ganz nebenbei beträgt der Vorsprung auf Meister RB Salzburg bereits acht Punkte.

Die schweißtreibenden Wochen gehen damit weiter. WAC-Coach Kühbauer konnte trotz des ganzen Ärgers schlussendlich doch noch einen Lacher anbringen, auf Kosten seines guten Freundes auf der Gegenseite:

"So einen Sommer habe ich noch nie erlebt. Ich bin froh, dass ich kein Profi mehr bin, da wäre ich schon auf der Matte gelegen. Und der Barisic sowieso."


Alexander Karper

Rapid WAC
Ballbesitz 55% 45%
Zweikämpfe 57,6% 42,4%
Eckbälle 6 2
Torschüsse 12 6
Torschüsse außerhalb Strafraum 4 4
Torschüsse innerhalb Strafraum 8 2
Kopfballchancen 1 0
Abseits 2 1
Fouls 9 20
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