"So kopflos darf man nicht agieren"

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Es ist schwer in Worte zu fassen.

Vier Spiele in der Europa League, vier Siege. In den letzten fünf Partien der Bundesliga setzte es für Rapid hingegen vier Niederlagen, zuletzt beim 1:2 in Grödig.

Nach insgesamt acht Europacup-Auftritten kassierten die Grün-Weißen an den darauffolgenden Bundesliga-Spieltagen vier Niederlagen bei vier Siegen.

„Die Jungs sind selber auf sich angefressen. Wir haben gewusst, dass es ein harter Brocken sein wird. Trotzdem ist es sehr bitter, weil es nicht notwendig gewesen wäre“, wollteTrainer Zoran Barisic seinen Ärger nicht verheimlichen.

Maßloser Ärger über neuerliche Liga-Niederlage

Wieder einmal gelang es nicht, einen tief stehenden Gegner in Gefahr zu bringen. Wieder einmal machte man sich das Leben selbst schwer.

Trotz eines Ballbesitzes von 74,7 Prozent, 547 angekommenen Pässen und 30 Flanken brachten es die Hütteldorfer auf lediglich zwei Schüsse auf das Tor.

„Es war eine ziemlich unglückliche Niederlage. Wir haben sehr viele Fehler im Passspiel gemacht, das wollten wir unbedingt vermeiden. Wir haben uns defensiv nicht gut genug abgesichert“, kritisierte der Chefbetreuer, den die vielen Niederlagen nach internationalen Auftritten maßlos ärgern.

Grödig rührte erfolgreich Beton an, agierte taktisch klug und blieb bei schnellen Gegenstößen über 90 Minuten gefährlich.

Grödig „kämpfte wie ein Löwe“

Vor allem dank Doppel-Torschütze Lucas Venuto, der Rapid immer wieder Sorgen bereitete. „Heute hat alles gepasst. Wir haben gut gespielt, gut gearbeitet. Es war unglaublich und super. Zum Glück haben wir vorne das Tor gemacht.“

Trainer Peter Schöttel war durchaus zufrieden, auch wenn sein Plan nicht zu hundert Prozent aufging.

„Es ist uns gelungen, diejenige Mannschaft, die in Europa für Furore sorgt, zu schlagen. Wir haben gekämpft wie die Löwen. In der ein oder anderen Situation hatten wir natürlich auch das Quäntchen Glück dabei. Wir hätten es uns auch einfacher machen können, indem wir die Konter exakter zu Ende spielen. Unterm Strich sind es für uns extrem wertvolle Punkte.“

Das angesprochene Glück brauchte man beim Lattenschuss von Tomi, beim schnellen Tor nach dem Ausgleich und beim Elfmeter, der zur Führung führte.

Altbekannte Probleme gegen tiefstehende Gegner

Denn wie die TV-Bilder beweisen und wie auch Barisic betont, hätte man den Strafstoß beim Einsatz von Max Hofmann gegen Kerschbaum nicht unbedingt geben müssen, da keine Berührung zu erkennen war.

„Nichtsdestotrotz hat es der Schiedsrichter gegeben, wir akzeptieren das. Wir waren im Ballbesitz und haben ihn ohne Druck verloren“, ärgerte den Rapid-Coach viel mehr die Entstehung des Treffers.

Ansonsten waren es altbekannte Probleme, die das eintönige Spiel der Gäste erfolglos machten.

Kaum Risiko, verschleppter Spielaufbau, zu langsame Angriffe und kaum Durchschlagskraft ließen Rapid zwar anrennen, aber nicht zum Erfolg kommen.

„Es ist immer schwer gegen solche Gegner zu spielen, die defensiv sehr kompakt stehen mit fünf, sechs Leuten hinten drin und dann über Konter spielen. Das ist immer gefährlich für uns. Wir sind das eigentlich eh gewöhnt und wissen, wie wir spielen müssen. Heute haben wir uns das Leben selber schwer gemacht. Das müssen wir sofort ändern“, war auch Florian Kainz erzürnt.

„Das darf uns einfach nicht passieren“

Außer in der 75. Minute als ausgerechnet der sonst unscheinbare Tomi bei seinem Bundesliga-Debüt für Rapid einen Fehler von Grödig-Keeper Pirmin Strasser ausnützte.

„Ich war mit seiner Leistung zufrieden, er hat die Bälle gut gesichert, war auch torgefährlich. Schade, dass er bei 0:0 nur die Latte getroffen hat. Es wäre interessant und wichtig gewesen, gegen so einen defensiven Gegner in Führung zu gehen. Leider ist das nicht gelungen“, so Barisic.

Die Freude währte aber nur kurz, denn zwischen dem 1:1 und der neuerlichen Führung durch Venuto gegen eine verunsicherte Defensive lagen exakt 48 Sekunden, vom Anpfiff weg gar nur 17 Sekunden.

„Das war der Knackpunkt, das war zum Ärgern. Das darf uns einfach nicht passieren. Du wendest viel Kraft auf, erzielst den Ausgleichstreffer, es geht noch 15 Minuten. Da darfst du nicht so kopflos agieren wie wir. Da wäre noch alles drin gewesen“, ließ Barisic seinen Emotionen freien Lauf.

Diese Meinung vertrat auch Kainz: „Dass wir durch einen Elfmeter in Rückstand geraten, kann passieren. Wir haben aber in der zweiten Halbzeit ganz gut angefangen, den Ausgleich gemacht und uns dann sehr blöd verhalten. Das darf uns nicht passieren.“

„Wir sind ziemlich sauer“

Die Niederlage gegen das aktuell beste Heim-Team der Liga ist doppelt bitter. Schließlich hätte man mit einem Sieg mit RB Salzburg gleichziehen und den Rückstand auf Tabellenführer Austria auf zwei Punkte verkürzen können.

„Leider haben wir Boden verloren. Wir haben eine große Chance verpasst, das muss uns schon bewusst sein. Wir sind ziemlich sauer, dass wir es nicht geschafft haben“, meinte Barisic.

Auch für Kainz ist es schleierhaft, wie man in verschiedenen Bewerben binnen weniger Tage so unterschiedliche Leistungen abliefern kann.

„Ich weiß nicht, woran es liegt. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man in der Europa League oder Bundesliga spielt. Aber wir wissen, was auf dem Spiel steht. Wir haben so gut angefangen in der Meisterschaft, aber stark nachgelassen. Das müssen wir schleunigst in den Griff kriegen und wieder punkten.“

Ansonsten verliert Rapid schon vor der Weihnachtspause den Anschluss an das Top-Duo.


Alexander Karper

 

Grödig

Rapid

Ballbesitz

25,3%

74,7%

Zweikämpfe

51,5%

48,5%

Eckbälle

1

11

Torschüsse

10

12

Torschüsse außerhalb Strafraum

3

3

Torschüsse innerhalb Strafraum

7

9

Kopfballchancen

1

3

Abseits

1

1

Fouls

15

18

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