Schlecht wie lange nicht

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Bei Rapid schrillen die Alarmglocken

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Von einer Krise zu sprechen, wäre doch etwas vermessen.

Dennoch sollten bei Rapid die Alarmglocken schrillen. Die Erfolge im Europacup haben schwache Leistungen in der Liga überdeckt.

Vier Niederlagen setzte es in den letzten sechs Ligaspielen. Nach dem blamablen 1:2 beim Wolfsberger AC ist man in der Tabelle auf Platz drei zurückgerutscht. Zwei Punkte hinter Salzburg und Erzrivale Austria. Ausgerechnet vor dem Wiener Derby am nächsten Sonntag.

So schlecht wie noch nie in diesem Jahr

Dennoch sollte weniger die Tabellensituation, sondern mehr das Zustandekommen ebendieser zu denken geben. Trainer Zoran Barisic sprach nach der Pleite gegen den WAC von der „schlechtesten Saisonleistung“ seiner Mannschaft. Eine Diagnose, die angesichts der starken Rückrunde auf das gesamte Jahr 2015 ausgedehnt werden kann.

„Ich bin sehr enttäuscht. Wir waren zu wenig giftig in den Zweikämpfen. Es hat auch die Dynamik gefehlt, das ist sehr enttäuschend. In erster Linie liegt es an der Einstellung zu diesem Spiel. Wir wussten, dass der Gegner robust in den Zweikämpfen ist. Diesen sogenannten Kampf haben wir nicht angenommen“, so Barisic, dessen Team keine einzige gelbe Karte kassierte.

Das vom Trainer angesprochene Problem zeigte sich nicht zuletzt bei Issiaka Ouedraogos Tor zum zwischenzeitlichen 2:0. Eine bekannte Schwäche machte sich bemerkbar: Rapids Abwehr zog sich bei Ballverlust zurück, anstatt aufzurücken und die Gegner frühzeitig zu stören. Der Abstand zwischen Verteidigung und Mittelfeld wurde zu groß. So hatten Silvio, Jacobo und Ouedraogo im Konter viel Platz, den sie zu nutzen wussten.

„Eines der besten Spiele, seitdem ich beim WAC bin“

Auch spielerisch konnten die Grün-Weißen diesmal überhaupt nicht überzeugen. Ohne Idee wurde der Ball hinten quergeschoben. Kam die Kugel einmal nach vorne, folgte bald der Pass zum Gegner. Die Heatmap legt dies wunderbar offen.

„Rapid hatte keine einzige herausgespielte Chance. Das war eines der besten Spiele, seitdem ich Trainer beim WAC bin“, sagte Didi Kühbauer, der die Räume für Rapid in der Defensive mit zwei Viererketten eng machte, während Silvio und Ouedraogo vorne giftig attackierten.

Barisic fand dennoch positive Seiten: „In den ersten 15 Minuten haben wir das Spiel komplett dominiert. Nach dem Ausfall von Thanos Petsos verloren wir aber komplett die Balance. Das ist unerklärlich für mich. In den Spielen davor hat es mit Srdjan Grahovac und Stefan Schwab ja auch funktioniert.“

Petsos gegen Pilsen schon wieder dabei?

Immerhin konnte der SCR-Coach, dessen Beratern am Sonntagmorgen ein erstes Angebot zur Verlängerung seines Vertrages unterbreitet wurde (siehe Liga Facts), nach dem Spiel aufatmen: Petsos wird eine längere Verletzungspause erspart bleiben.

Überhaupt taten sich die Gäste auf dem löchrigen Kärntner Rasen schwer, flüssige Kombinationen aufzuziehen. „Wir haben uns reingehaut, aber auf dem Boden war es nicht leicht“, erklärte Florian Kainz. „Für den WAC geht es um alles, das hat man gemerkt.“

Die Wolfsberger gaben mit dem Sieg die Rote Laterne an Ried ab. Ein wichtiger Erfolg nach dem ernüchternden Saisonstart. „Überraschend kam das für uns nicht“, meinte Torschütze Ouedraogo selbstbewusst. “Wir haben schon die letzten Wochen gut gespielt und uns nicht belohnt. Jetzt sind wir nicht mehr Letzter, das ist ein Befreiungsschlag. Wir können nun mit weniger Druck spielen.“

Druck, den der WAC an Rapid abgab. Eine Niederlage im bevorstehenden Derby müssen die Hütteldorfer nun auf Biegen und Brechen verhindern. Sonst darf tatsächlich von einer Krise gesprochen werden.

 

Jakob Faber

Der 24-Jährige, der bei einem Foul an Zündel umgeknickt war, muss zwar noch die Untersuchungen abwarten, aber ein Bruch oder Bänderriss kann wohl ausgeschlossen werden. Im Optimalfall darf deswegen sogar mit einem Einsatz gegen Pilsen am Donnerstag in der Europa League spekuliert werden.

In der Viertelstunde vor seiner Auswechslung bewies Petsos einmal mehr, wie wertvoll er für Rapid ist. Der Deutsch-Grieche, mit dem gerade über einen neuen Vertrag verhandelt wird, strahlte enorme Ballsicherheit (27 Pässe, davon nur einer zum Gegner) aus. „Er ist unser absoluter Leader im zentralen Mittelfeld und wahrscheinlich unser bester Passgeber“, meinte Sportdirektor Müller.

Ouedraogo: „Ein Befreiungsschlag“

Indes konnte Neuzugang Matej Jelic diesmal überhaupt nicht überzeugen. Er verbuchte nur 19 Ballkontakte, gewann nur einen einzigen seiner zehn Zweikämpfe (siehe Spielerstatistiken). Spielerisch war der Kroate kaum eingebunden.

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