Salzburgs Fingerzeig in Richtung Wien

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Am Ende war es ein absolut meisterliches Ergebnis.

Denn Titelverteidiger Salzburg fertigte zum Auftakt der zwölften Runde die Admira mit 8:0 ab – alle Acht-ung! Damit schossen sich die „Bullen“ dorthin zurück, wo sie sich am liebsten sehen: auf Rang 1.

Das zum ersten Mal in dieser Spielzeit. Zwar vielleicht nur bis Sonntagabend, sollte Rapid beim WAC gewinnen, doch es war ein klarer Fingerzeig gen Wien im ersten Spiel nach der Länderspiel-Pause.

30 Minuten okay, 60 Minuten überragend

Wobei diese Partie zwei „Bullen“-Gesichter zeigte: Die ersten 30 Minuten waren okay, mehr auch nicht. Die anderen 60 dafür überwiegend überragend.

„In der ersten Hälfte haben wir uns ein bisschen schwer getan und nur zwei Tore gemacht, aber nach der Pause war nur eine Mannschaft am Platz“, sagte Valon Berisha nach dem Spiel gegenüber „Sky“.

Das Pressing, das dem Salzburger Spiel in vergangenen Jahren den Stempel aufdrückte, funktionierte nach der Pause wieder wie in den besten Tagen. Aber zuvor eben noch nicht nach Wunsch.

„Die Abstände waren in der ersten Hälfte noch etwas zu groß, aber in der zweiten Hälfte haben wir unser Spiel auf den Platz gebracht“, meinte Berisha, der seinen ersten Liga-Doppelpack erzielte.

Sein Trainer Peter Zeidler schlug in dieselbe Kerbe: „Da war es auch wichtig, dass wir in dieser Phase kein Tor bekommen haben. Das haben wir in dieser Saison auch schon anders erlebt.“

Der Deutsche spielt dabei auf diesen Fakt an: In acht der zwölf bisherigen Bundesliga-Partien lag Salzburg zumindest einmal im Rückstand. Und auch am Samstag hätte es passieren können.

Danach klappte auch das Pressing

Die Admira ließ etwa durch Markus Blutsch eine gute Chance aus oder spielte gefährliche Situationen nicht konsequent fertig. So traf Jonatan Soriano eben nach einer halben Stunde zur Führung.

Danach schossen sich die Gäste das 0:2 de facto selbst, wie Trainer Ernst Baumeister wusste: „Nach dem 0:1 haben wir den Fehler gemacht, dass wir die Flucht nach vorne ergriffen haben.“

Berisha überlief die Admira-Abwehr nach einem simplen Doppelpass und es stand 2:0 zur Pause. Mit dieser Führung lässt es sich freilich leichter aufspielen, vor allem auch, was das Pressing betrifft.

„Sie hatten dann richtig Spaß dran, Bälle zu erobern“, freute sich Zeidler. „Man hat dann gesehen, was im Team steckt.“ Und wie! Ein Traumtor folgte dem nächsten. Man spielte sich in einen Rausch.

„Das war dann schon großer Sport. Das war mit viel Begeisterung, viel Spielfreude und so wie man sich Fußball wünscht. So wie man mit seinen Kumpels Fußball spielt, wenn man Spaß haben will.“

Zeildler weiter: „Ich habe die zweite Hälfte sehr genossen, habe mich über die herrlichen Tore gefreut, auch etwa über jenes von Omer Damari, das hat er sich mit dieser Leistung verdient.“

Zeidler bremste aber im selben Moment: „Wir sind gut beraten, dass wir das nicht überbewerten. Das werden wir auch nicht tun, aber es motiviert uns, weiter fleißig zu trainieren und zu spielen.“

Nichtsdestoweniger war es ein Fingerzeig gen Wien. Salzburg hat seit 20. August kein Spiel mehr verloren, ist damit seit zwölf Spielen ohne Niederlage und arbeitete sich zurück an die Spitze. Mit Martin Hinteregger saß zudem ein Schlüsselspieler nach wochenlanger Pause auf der Bank.

„Die Stimmung ist in letzter Zeit besser geworden“, attestierte auch Berisha und meinte damit, dass die Tristesse nach dem Europacup-Aus passé ist. Salzburg hat auch nur noch die Meisterschaft im Gegensatz zu Rapid, das in drei Wochen sieben Partien zu absolvieren hat. Salzburg nur vier.

Admiras höchste Bundesliga-Niederlage

Die Admira ist indes froh, wenn das nächste Spiel wieder angepfiffen wird. Schließlich verloren die Südstädter noch nie eine Partie in dieser Höhe in ihrer langen Bundesliga-Geschichte.

Im Frühjahr 1997 unterlag man binnen dreier Monate zwei Mal 0:7 – bei Rapid und Sturm.

Soriano verpasst 100er

Dessen Sturmpartner hätte beinahe sein nächstes Jubiläum gefeiert. Mit den Bundesliga-Toren 98 und 99 kratzte Soriano am 100er. Sollte der Spanier kommende Woche im Heimspiel gegen Ried treffen, würde der Kapitän einen Rekord aufstellen. Keiner erzielte 100 Tore in nur 113 Partien!

Toni Polster brauchte dafür 126.

Salzburg stellte seinen höchsten Bundesliga-Sieg ein (8:0 gegen Grödig 2014, Anm.), so war Soriano verständlicherweise auch nicht sauer, dass es mit dem 100er dieses Mal noch nicht klappte.

„Bei 8:0 kann ich nicht traurig sein, vielleicht schaffe ich nächste Woche die 100 Tore“, grinste der 30-Jährige, der später am Abend den Platz an der Sonne in der Torschützenliste wieder an Alexander Gorgon abgeben musste. Der Austrianer hat nach seinem Doppelpack wieder einen Treffer mehr (9).

Das tut freilich nichts zur Salzburger Sache an diesem Tag. Soriano: „Das war heute Wahnsinn!“

„Es ist nicht lustig, hier 8:0 zu verlieren“, brachte es Baumeister auf den Punkt. In der zweiten Halbzeit haben wir richtig schlecht gespielt und uns selbst aufgegeben. Das sollte und wird nicht mehr passieren“, meinte Stephan Zwierschitz. Die Admira hatte zuvor die beste Defensive der Liga.

Kapitän Christoph Schößwendter musste einen folgeschweren Fehler eingestehen.

„Wir haben ihnen in der zweiten Hälfte viel zu viele Räume gegeben. Wir haben uns in der Pause noch einmal eingeschworen, wollten mit einem Tor die Partie noch einmal offener gestalten, so wie in den ersten 30 Minuten. Das ist überhaupt nicht geglückt, sondern brutal in die Hose gegangen.“

Admira werde daran nicht zerbrechen

Alle Admiraner waren sich aber einig: Dieses Ergebnis werde diese Mannschaft keineswegs brechen.

„Wir haben in der Saison 20 Punkte in elf Spielen geholt, deshalb müssen wir nicht alles schlechtreden. Am Montag geht es bereits wieder weiter in Richtung nächstes Spiel“, so Zwierschitz.

Schößwendter: „Wir haben uns so viel aufgebaut und so eine Niederlage tut natürlich brutal weh, aber wir haken diesen gewaltigen Ausrutscher schnell ab. Es wird keine Auswirkungen haben.“

Salzburg

Admira

Ballbesitz

57,6%

42,8%

Zweikämpfe

54,5%

45,5%

Eckbälle

7

4

Torschüsse

24

5

Torschüsse außerhalb Strafraum

7

1

Torschüsse innerhalb Strafraum

17

4

Kopfballchancen

1

0

Abseits

4

2

Fouls

13

13

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