"Gibt 4 bis 6 desolate Entscheidungen pro Woche"

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„Wie kann man so blind sein?“

Philipp Netzer war unmittelbar nachdem Altach sein Heimspiel gegen die Wiener Austria mit 1:2 verloren hatte noch immer fassungslos und aufgebracht.

„Vielleicht hat das Schiedsrichtergespann schlecht geschlafen, aber so viel Inkompetenz habe ich schon lange nicht gesehen“, schimpfte der SCRA-Kapitän.

Der Grund für den großen Zorn: Dem Ausgleich von Kayode ging ein klares Foul von Philipp Zulechner an Netzer voran, doch der Unparteiische Andreas Heiß ließ weiterspielen.

Es war nicht die einzige Fehlentscheidung des Tirolers an diesem Abend. So zeigte er etwa nach einem bösen Frustfoul von Netzer an Kayode nur Gelb und entschied nach einem keinesfalls gewollten Rückpass von Christoph Martschinko auf Robert Almer zur Überraschung aller auf indirekten Freistoß.

Schiedsrichterwesen muss sich weiterentwickeln

Und deswegen ließ auch Altach-Coach Damir Canadi bei „Sky“ seinem Frust über die österreichischen Schiedsrichter freien Lauf.  „Es gab heute desolate Entscheidungen in beide Richtungen. Leider ist es Woche für Woche so, dass es in zehn Spielen in Bundesliga und Ersten Liga vier bis sechs solche desolate Entscheidungen gibt. Heute hat es leider uns getroffen.“

Sagte er und setzte zu einer richtigen Wutrede in Richtung Schiedsrichter an. „Wir versuchen als Trainer die Mannschaft weiterzuentwickeln. Doch in Österreich muss sich auch das Schiedsrichterwesen weiterentwickeln. Es kann nicht immer sein, dass nur wir und die Spieler zur Rechenschaft gezogen werden. In der Woche habe ich wieder Schiedsrichterschulung, kann mir das wieder anhören.“

„Stuchlik soll Farbe bekennen“

Für den 45-Jährigen ist vor allem Schiedsrichter-Boss Fritz Stuchlik mehr als gefordert. „Er ist derjenige, der die Schiedsrichter ausbildet. Er soll einmal Farbe bekennen und schauen, dass er einmal einen Schiedsrichter auf internationale Ebene kriegt. Wir haben keinen einzigen Schiri, der international pfeift, außer in den Vorrunden-Spielen.“

Canadi weiter: „Es geht nicht um eine einzelne Person. Es ist so, dass es sehr junge Leute sind, die teilweise Angst haben. Da werden Entscheidungen getroffen, die für Fritz Stuchlik getroffen werden, und nicht für sie selber.“

Sein Gegenüber Thosten Fink wollte die  Pfiffe bzw. Fehlpfiffe gar nicht groß kommentieren. „Ich rede nicht jedes Mal über kleine Fouls, die im Mittelfeld passieren. Natürlich rege ich mich auch auf. Am Ende gleicht sich aber alles wieder aus. Ich mag nicht über den Schiedsrichter reden“, so der Deutsche, der sich lieber über die drei Punkte, erstmals nach einem 0:1-Rückstand, freute:

„Ich bin zufrieden, dass wir den Kampf angenommen haben. Austria hat hier seit sieben Jahren nicht mehr gewonnen. Wir haben gezeigt, dass wir auch aus dem Spiel heraus Tore machen - nicht nur aus Standards. Wir haben gegen einen starken Gegner gespielt, der nach vorne gespielt hat und nicht nur hinten drinnen sind.“

Heiß nimmt Stellung

Immerhin zeigte der scharf kritisierte Heiß Größe und nahm Stellung: „Ich würde großteils gleich entscheiden. Doch eine Szene würde ich ändern und zwar das Foul vor dem 1:1. Es tut mir leid. Ich habe es nicht gesehen.“

Ganz bitter für den 32-Jährigen: Der vierte Offizielle hätte ihm mitgeteilt, dass es ein Foul war, „aber der Kanal war nicht offen und deswegen habe ich es nicht gehört. Dann ist das Tor gefallen und das ist bedauerlich.“

Beim Foul von Netzer an Kayode würde er erneut nur die Gelbe Karte zeigen. Seine Erklärung dafür: „Brutalität ist definiert mit hoher Intensität, hoher Geschwindigkeit, hohe Verletzungsgefahr und ob die Stollen gegen den Gegner gerichtet sind. Das war hier nicht der Fall.“

Überraschende Aussage

Die heftige Kritik von Canadi nahm Heiß nicht persönlich, da  „viel Frust über die Niederlage dabei war.“

Dennoch würde er gerne etwas mehr Respekt verlangen: „Wir haben regelmäßig Schulungen. Wir hatten auch eine Sommer-Schulung zu der alle zehn Bundesliga-Trainer eingeladen wurden - kein einziger ist erschienen. Wir werden ständig darauf geschult, dass wir deeskalierend und korrekt arbeiten sollen. Das versuchen wir auch. Das würde ich mir auch von einem Trainer wünschen.“

Abschließend meinte das Mitglied der Tiroler Schiedsrichterkommission noch erstaunlicherweise: „Ich sage jetzt einmal etwas, was man als Schiedsrichter nie sagen darf: Es waren viele Torchancen dabei, die man auch einmal verwerten kann."

Altach

Austria

Ballbesitz

45,5%

54,5%

Zweikämpfe

45,5%

54,5%

Eckbälle

7

5

Torschüsse

22

11

Torschüsse außerhalb Strafraum

6

10

Torschüsse innerhalb Strafraum

9

10

Kopfballchancen

2

0

Abseits

2

3

Fouls

11

13

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