"Wir stellen uns teilweise nicht so blöd an"

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„Wenn man ein Spiel verliert, das man nie verlieren darf, ist das bitter.“

Groß war der Frust bei WAC-Trainer Didi Kühbauer nach der unglücklichen 0:1-Niederlage bei der Wiener Austria.

„Wir waren die bessere Mannschaft. Austria hatte zwar mehr Ballbesitz, war aber nicht produktiv und hatte keine Torchancen. Wir hätten schon in der ersten Hälfte zwei Tore schießen müssen. Doch genau darin liegt unser Problem. Wir fahren jetzt zwar mit einem guten Spiel, aber ohne Punkte heim“, haderte der Burgenländer, der mit den Kärntner in der Fremde eine 17 Begegnungen andauernde Durststrecke vorzuweisen hat.

Genauso groß wie der Frust, war beim Ex-Internationalen aber auch der Ärger über den Unparteiischen.

„Hier geht es um Respekt“, schimpfte der 44-Jährige in den Katakomben der Generali Arena kurz vor der Pressekonferenz in Richtung Schiedsrichter-Beobachter Robert Sedlacek.

Denn Kühbauer fühlte sich so wie ein großer Teil der „Wölfe“ ungerecht vom schwachen Schiedsrichtergespann Dominik Ouschan und seinen Assistenten Matthias Winsauer und Markus Gutschi behandelt.

„In der zweiten Hälfte gab es zu viele Pfiffe, die nicht zu geben waren. Dazu in Hälfte eins ein klares Handspiel von Richard Windbichler. Auf der zweiten Stange wäre Philip Hellquist gestanden. Er hätte den Ball reingeköpft, da bin ich mir sicher. Dennoch wollte ich dem Schiedsrichter nach der Partie die Hand geben, doch er hat gesagt, er kann sie mir nicht geben, weil er beide Hände am Ball hat. Das sagt doch alles“, polterte der Chefcoach.

„Das war schon kurios“

Ähnlich sah es Joachim Standfest: „Nach der Pause hatte der Gegner so 20 Freistöße rund um den Strafraum. Das war schon kurios und dürfte der Vorteil eines größeren Vereins sein. Das habe ich aber auch lange genossen.“

Besonders ärgerlich an der ganzen Situation: Die Wolfsberger boten an diesem Abend tatsächlich eine ordentliche Leistung, hatten die besseren Möglichkeiten und hätten sich mindestens einen Punkt verdient.

„Wir haben sehr viel richtig gemacht, sind hinten gut gestanden und kaum Chancen zugelassen. Leider bekommen wir ein dummes Tor nach einem Standard. Man darf nicht vergessen, dass wir bei der Austria gespielt haben, da kann man nicht 90 Minuten alles verteidigen“, meinte Daniel Drescher bei LAOLA1.

Ratlosigkeit

Zusatz: „Die letzten Wochen haben gezeigt, dass wir langsam auch spielerisch wieder dort hinkommen, wo wir hinkommen wollen. Es war eine ansprechende Leistung. Wir haben viel umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“

Doch Standfest brachte es auf den Punkt: „Es zieht sich die ganze Saison schon durch – nicht nur in diesem Spiel. Wir stellen uns teilweise nicht so blöd an, spielen teilweise einen anständigen Fußball. Leider schaffen wir es nicht, die Punkte zu holen.“

Schön langsam macht sich beim 35-Jährigen aber ein bisschen Ratlosigkeit breit:  „Wir spielen nicht viel anders als letzte Saison. Klar, gab es auch richtig schlechte Begegnungen, wie etwa in Mattersburg, aber grundsätzlich passt die Leistung. Ich weiß nicht, was wir viel ändern sollen. Letztes Jahr, wie alles perfekt zusammengelaufen ist, wussten wir nicht, warum das so ist. So ist es auch jetzt, nur eben um 180 Grad gedreht.“

„Jeder hat gesehen, dass es nicht gut war“

Um 180 Grad gedreht, scheint auch das spielerische Formbarometer der Austria zu sein. Waren die Leistungen in den ersten Runden noch sehr gut, boten die Veilchen in den letzten drei Partien gegen Ried (h), Sturm (a) und eben jetzt gegen den WAC eher Magerkost an.

„Jeder hat gesehen, dass es nicht gut war. Wir haben unsere Aktionen nicht wirklich zu Ende gespielt. Dann ist es gegen jede Mannschaft schwer. Wir werden analysieren, an was es gelegen ist. Im Endeffekt zählen heute nur die drei Punkte“, musste auch Robert Almer zugeben.

Siegtorschütze Alexander Grünwald: „Wir haben nicht überragend gespielt, es war wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Dass es in einer Saison Durchhänger gibt, war uns allen klar. Viele sehen uns besser, als wir wirklich sind. Wir können die Situation aber gut einschätzen. Spielerisch ist noch viel Luft nach oben, daran arbeiten wir. Die Heimspiele wollen wir dominant bestreiten. Das gelingt einmal besser, einmal schlechter.“

Fink ordnet Situation richtig ein

Dass der Treffer wieder einmal aus einer Standardsituation gefallen ist, darf nicht zur Gewohnheit werden. „Darauf können wir uns nicht immer verlassen. Wir müssen daran arbeiten, dass wir präsenter und aktiver am Platz sind“, forderte der ÖFB-Teamtorhüter.

Thorsten Fink konnte den Auftritt seiner Mannschaft richtig einordnen: „Wir wissen, dass wir besser auftreten müssen, aber ich bin einmal mit dem Sieg und den 18 Punkten am Konto zufrieden. Ich war am Anfang der Saison nicht so euphorisch wie alle anderen, die gesagt haben, wie toll wir sind. Ich sehe noch viele Schwächen. Auf uns wartet noch viel Arbeit. Aber ich sehe jetzt auch nicht alles so negativ, wie andere. Ich arbeite daran, dass wir nächste Woche besser spielen werden.“

 

Martin Wechtl / Harald Prantl

Austria

WAC

Ballbesitz

65,7%

34,3%

Zweikämpfe

55,6%

44,4%

Eckbälle

6

3

Torschüsse

16

12

Torschüsse außerhalb Strafraums

7

5

Torschüsse innerhalb Strafraums

9

7

Kopfballchancen

6

2

Abseits

2

2

Fouls

18

20

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