"Ich weiß nicht, wie oft so eine Chance kommt"

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Schlusspfiff in Ried.

Darko Milanic betritt den Rasen.

Sein Weg führt ihn zunächst zu David Schloffer. Die beiden schlagen ein. Der Coach redet seinem Spieler gut zu. Aleksandar Todorovski wird herzlich umarmt. Trotz einer bescheidenen Leistung des Mazedoniers. Beide lächeln.

Es ist eigentlich wie immer nach Siegen. Aber doch anders.

Denn was keiner der Beteiligten aussprechen will, ist wohl Gewissheit. Das 1:0 war das letzte Spiel des Slowenen als Trainer des SK Sturm Graz.

Aus einem Gerücht und schnellen Dementis Anfang der Woche wurde ein Angebot. Ein Angebot von Leeds United aus der englischen Championship.

Keiner von Sturm spricht gerne darüber, schließlich stand das Meisterschaftsspiel gegen die SV Ried im Fokus. Auf und neben dem Platz war die Aura des Abschieds aber spürbar.

Vom Angebot überrascht

Dass seine Mannschaft Milanic beschenkt hat, liegt an einer guten Torchance und siegunfähigen Riedern. Nach Schlusspfiff war das Spiel wieder Nebensache.

„Wir haben gewonnen. Das ist wichtig für die Mannschaft und den Verein“, versucht Milanic im Interview mit „Sky“ vom Thema abzulenken.

Fakt ist: Das Angebot der „Whites“ liegt auf dem Tisch. Das kann und will er nicht leugnen. „Es ist eine Überraschung. Ich weiß nicht, wie oft so eine Chance kommt. Im Prinzip kann ich nicht mehr sagen. Es ist noch nichts klar“, schwankt er zwischen Vorfreude und Vorsicht.

Auch der Generalmanager wählt seine Worte mit Bedacht. Die Tendenz scheint aber klar. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Sturm den Abgang seines Trainers verkündet.

 „Eine Stunde vor dem Spiel haben wir eine Anfrage bezüglich Darko und seinem Co-Trainer bekommen. Wir haben das überflogen und werden uns das am Sonntag genau ansehen. Wahrscheinlich wird es der Weg auf die Insel werden“, sagt Gerhard Goldbrich.

Wer folgt auf Milanic?

Gewusst habe er vom Interesse aus Leeds schon seit Freitag. „Darko hat mich informiert, dass er ein Angebot vorliegen hat. Nun folgte der Kontakt zum Verein. Es ist schön, dass England auf Österreich und Sturm schaut. Man darf so eine Chance nicht verstreichen lassen“, legt der 47-Jährige seinem Coach keine Steine in den Weg.

Gleichzeitig beschäftigt er sich bereits mit möglichen Nachfolge-Kandidaten. „Namen nennen wir sowieso keine. Aber das Anforderungsprofil sieht so aus, dass er in das System, das wir im gesamten Klub durchziehen, passen muss“, gibt sich Goldbrich kryptisch.

Anderorts wird schon heftig spekuliert, wer denn in Zukunft auf der schwarz-weißen Betreuerbank Platz nehmen könnte. Die „Kleine Zeitung“ bringt die Namen Markus Schopp, Franco Foda, Thomas Tuchel, Peter Schöttel und Werner Gregoritsch ins Spiel.

Spieler nehmen es gelassen

Noch gilt es erst einmal die kommenden Tage abzuwarten. Für den Verein wäre es natürlich das Beste, wenn der Abschied von Milanic schnell über die Bühne gehen würde. Besonders für die Spieler.

Diese betonten unisono, dass sie nicht von den Gerüchten um ihren Trainer beeinflusst worden sind.

„Das hat uns nicht getroffen. Der Trainer ist nach wie vor da. Es geht weiter mit ihm“, glaubt Goldtorschütze Lukas Spendlhofer nach dem Spiel sogar an einen Verbleib des 46-Jährigen.

Daniel Beichler kann die Lage nicht wirklich einschätzen. „Wir wissen, dass er sehr an Sturm hängt. Aber wenn er das Angebot annimmt, wird es eine gute Sache für ihn sein. Sturm ist der letzte Klub, der jemanden aufhält. Jetzt schauen wir einmal was passiert“, so der Offensivmann.

Was bleibt

Wehmut schwingt in den Statements der Sturm-Spieler und –Verantwortlichen kaum mit.

Wirklich erfolgreich war die Ära des vierfachen slowenischen Meisters auch nicht, also bahnt sich womöglich die beste Lösung für alle Beteiligten an. Immerhin besitzt Milanic noch einen Vertrag bis 2016, Sturm würde also finanziell von einem Abgang profitieren.

In 54 Spielen holte der ehemalige Verteidiger im Durchschnitt 1,44 Punkte. Das ist ein zum Vergleich schlechterer Wert als jener von Peter Hyballa (1,55), der allerdings 21 Spieler weniger auf der Betreuerbank in Graz verbrachte.

Begeisterung wollte Sturm erzeugen. Übrig bleibt jetzt irgendwie doch nicht viel mehr als das Europa-League-Quali-Aus gegen Breidablik.

 

Andreas Terler

 

Ried

Sturm

Ballbesitz

42,4%

57,6%

Zweikämpfe

54,5%

45,5%

Eckbälle

5

6

Torschüsse

12

6

Torschüsse außerhalb Strafraum

8

4

Torschüsse innerhalb Strafraum

4

2

Kopfballchancen

1

1

Abseits

0

3

Fouls

16

24

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