Hinteregger: "Der gleiche Koffer wie als Spieler"

Aufmacherbild
 

Es war eines Liga-Gipfels würdig.

Weniger in spielerischer Hinsicht, aber vor allem was den Kampf um die Tabellenspitze betrifft.

Es war hitzig, es war spannend, es war der Zuschauerzuspruch da – und am Ende wurde es historisch.

Noch nie zuvor war ein Kärntner Team nach einer Runde Tabellenführer der Bundesliga, der WAC sorgte nach dem 1:0 im Liga-Gipfel gegen Meister Salzburg für diesen historischen Moment.

Dementsprechend feierten die über 19.000 Zuschauer auf Seite des WAC in der Wörthersee-Arena.

"Es ist ein sehr schönes Gefühl", sprach Boris Hüttenbrenner allen Kärntnern aus der Seele.

Dritte Niederlage en suite

Und Salzburg? Das kassierte die dritte Pflichtspiel-Niederlage en suite. Nach Malmö (0:3) und Sturm (2:3) war es auch auswärts gegen Wolfsberg zu wenig. Die Tabellenführung mussten die "Bullen" schließlich nach 43 Runden, dem ersten Spieltag der vergangenen Saison, abgeben.

"Wir hatten ganz zu Beginn eine glasklare Chance, die wir nicht genutzt haben. Dann wäre das Spiel vielleicht anders verlaufen. Wolfsberg ist dann tief gestanden und da wird es auch bei einem Mann mehr schwierig, die Lücken zu finden. Wir hatten dann drei, vier Chancen auf den Ausgleich, da fehlt uns momentan auch ein wenig das Glück“, hielt Kevin Kampl fest, der den Fans ausrichtete: „Man muss sich keine Sorgen machen.“

Kühbauer stolz

Um die "Wölfe" sowieso nicht. WAC-Trainer Didi Kühbauer war stolz auf seine Mannschaft und lobte vor allem den umgesetzten Gameplan gegen "die beste Mannschaft Österreichs": "Das war eine taktische einwandfreie Leistung."

Das lange zurückhaltende Publikum wurde vor allem bei drei Szenen laut. Logischerweise beim Goldtor durch Tadej Trdina nach einer Standard-Situation.

Weiters kurz vor der Pause. Denn bei einer Halbzeit-Führung des eigenen Teams ein Pfeifkonzert zu veranstalten, das musste einen Grund haben. Die Fans waren mit der Roten Karte gegen Christopher Wernitznig nicht einverstanden.

Rot zu geben

Doch die hatten allesamt keinen Fernseher und konnten nicht sehen, dass das dunkelrot war. Auch Joachim Standfest hatte es nach der Partie noch nicht gesehen und war da noch der Meinung: "Sie war hart, aber man kann sie geben." Kühbauer: "Es war eine, die man geben kann.“

Der Trainer stand in der dritten Szene im Mittelpunkt – und da war auch die ganze Tribüne hinter der Trainer-Bank auf den Beinen, als Martin Hinteregger seinen Körper gegen Manuel Kerhe stellte und sich danach zum WAC-Coach begab.

Einmal mehr gestikulierte Kühbauer und wollte einen Foulpfiff, da kam der Kärntner im Salzburger Dress angerauscht und beide hatten sich offenkundig etwas zu sagen. Eine rassige Szene, wie sie im Kampf um die Tabellenspitze eben vorkommt, so sah es etwa Standfest: "Das wollen die Leute auch sehen."

Kühbauer vs. Hinteregger

Hinteregger hatte nach der Partie weiterhin keine guten Dinge über Kühbauer zu sagen. "Er ist der gleiche Koffer, wie als Spieler", ließ der Innenverteidiger kein gutes Haar am WAC-Coach.

"Er hat mich beschimpft", legte der Nationalspieler nach und hielt fest: "Es war nicht unser erstes Techtelmechtel dieser Art."

Laut des 22-Jährigen, soll ihm der Trainer auch immer wieder von der Trainer-Bank aus etwas mitgegeben haben. Hinteregger: "Wenn WAC-Spieler schon sagen, ich soll mir nichts dabei denken, dann sagt das ohnehin alles."

"Ich bin ihm da nicht böse"

Für die Spieler fand der Bundes-Landsmann indes lobende Worte: "Das ist eine geile Truppe.“

Auf die rassige Szene angesprochen meinte Kühbauer nach dem Spiel: "Er ist ein guter Spieler und irgendwie verstehe ich ihn auch, weil er gewinnen wollte. Ich habe auch ein wenig Fußball gespielt und glücklicherweise war ich bei der Aktion nicht am Platz. Wobei ich ihn auch in der Emotion verstehe. Ich hätte mehr ein Problem mit ihm, wenn er wie ein Leberkäse wäre und nichts sagt. Da ist Emotion drin und ich bin ihm da nicht böse. Natürlich sollte es nicht jede Woche passieren."

Dass der Trainer Hinteregger beleidigt habe, dementierte der Burgenländer: "Ich kann definitiv ausschließen, dass ich ihn beleidigt oder beschimpft habe."

"Bin glaubwürdiger"

Weitere Nachfragen hinsichtlich des offenbar belasteten Verhältnisses Hinteregger-Kühbauer hatte der Coach an diesem historischen Tag nicht so gerne und hielt hinsichtlich "Techtelmechtel" fest: "Ich will ihn nicht heiraten. Er ist natürlich enttäuscht und es würde zu mir passen, aber ich muss jetzt nicht über ihn sprechen. Er muss einmal vom Gas gehen. Ich wünsche ihm alles Beste, aber er muss noch viel mehr leisten, dass er einem Trainer gegenüber – egal, wie der heißt – vorsichtiger sein muss. In der Emotion passiert das."

Späterer Zusatz: "Ich glaube, ich bin glaubwürdiger als ein junger Spieler. Und ich hätte keine Angst einem Spieler zu sagen, wenn er ein Volltrottel wäre, okay."

Okay.


Bernhard Kastler

WAC Salzburg
Ballbesitz 25,3 % 74,7 %
Zweikämpfe 45,5 % 54,5 %
Eckbälle 4 9
Torschüsse 5 25
Torschüsse außerhalb Strafraum 1 13
Torschüsse innerhalb Strafraum 4 12
Kopfballchancen 2 2
Abseits 2 0
Fouls 9 14
Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen