Gelöste Blockaden

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"Damari ist noch nicht bei 100 Prozent"

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Markus Suttner konnte es kaum erwarten.

In verletzungsbedingter Abwesenheit von Kapitän Manuel Ortlechner, der noch einige Zeit auszufallen droht, sammelte der Vize-Spielführer der Austria nach Spielende seine Teamkollegen ein.

Da mussten dann auch die Medien ein wenig länger auf ihre Interviews warten. Immerhin hatte der FAK-Linksverteidiger seiner Pflicht nachzukommen – dem Vorsingen der Jubellieder in der Kabine.

Marco Meilinger fand jedenfalls prompt Gefallen an den Gepflogenheiten der Veilchen: „Es war alles neu für mich. Vor den Fans zu singen, eine Stadionrunde drehen, bejubelt werden, in der Kabine feiern – ein tolles Gefühl.“

„Wir haben den Druck gut verkraftet“

In der achten Runde durften sich die Wiener erstmals in dieser Saison über einen Meisterschaftssieg freuen. Das 3:1 daheim gegen die SV Ried „war für die gesamte Austria-Familie sehr, sehr wichtig“, wie Trainer Gerald Baumgartner zu Protokoll gab.

Immerhin sei es zuletzt schon „eine sehr ungute Situation“ gewesen, meinte der Coach. Das hat sogar Omer Damari, der freilich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse noch keine österreichischen Medien konsumiert, gemerkt: „Wir haben den Druck gespürt, aber wir haben ihn gut verkraftet. Wir sind Profis, also müssen wir mit dem Druck umgehen können.“

Starke rechte Seite

Tatsächlich gewannen die Veilchen nicht nur zum ersten Mal in dieser Spielzeit, sie lieferten auch ihre beste Saisonleistung ab. „Wir haben phasenweise guten Fußball gespielt“, erkannte Daniel Royer.

Florian Mader, erstmals in dieser Saison in der Startelf, meinte: „Wir haben die Räume phasenweise sehr gut nützen können, sind gut in die Positionen gekommen, haben gut kombiniert, haben direkt gespielt. Ich denke, es hat auch von außen ganz gut ausgesehen.“

Apropos außen. „Wir haben versucht, über die Außen Überzahl zu schaffen und schnell nach vorne zu kombinieren. Das hat gut geklappt“, freute sich Meilinger, der gemeinsam mit dem Dänen Jens Stryger Larsen auf der rechten Außenbahn eine sehr starke Vorstellung gab. „Wir verstehen uns auf dem Feld schon sehr gut“, stellte der Blondschopf zufrieden fest.

Anm.: Die Ballbesitz Heatmap von Austrias rechter (Larsen/Meilinger) und linker Seite (Suttner/Royer bzw. de Paula) im Vergleich

Eine bisher vermisste Qualität

Auch Baumgartner war zufrieden: „Phasenweise war das schon so, wie wir uns das vorstellen. Aber natürlich gibt es noch etwas zu verbessern.“

Mader wollte den ersten Erfolg auch als Rückendeckung für den Trainer verstanden wissen: „Man hat gesehen, dass das System schon in den Köpfen drinnen ist. Dieser Sieg steht auch dafür, dass wir alle für dieses System stehen und es auch spielen wollen.“

Zudem zeigte die Austria diesmal eine Qualität, die sie in den vergangenen Runden vermissen lassen hatte – ein Rückschlag brachte sie nicht aus der Ruhe. „Wir lagen in Führung und haben praktisch aus dem Nichts den Ausgleich kassiert. Da habe ich mir gedacht: ‚Jetzt geht das schon wieder weiter.‘ Aber durch das schnelle 2:1 sind wir wieder gut in die Partie gekommen“, war für Meilinger Royers Tor, das nur 77 Sekunden nach dem 1:1 fiel, ein Knackpunkt.

„Damari ist noch nicht bei 100 Prozent“

Der Mann des Abends war natürlich auch am 2:1 beteiligt, weil er eben bei allen drei FAK-Toren seine Beine bzw. seinen Kopf im Spiel hatte. Damari gelangen zwei Treffer und ein Assist. Es war ein gutes Spiel für mich. „Natürlich bin ich glücklich, wenn ich treffe, aber es war wichtiger, dass wir dieses Spiel gewinnen“, so der Israeli.

Nachsatz des Angreifers, der nun in fünf Spielen vier Tore geschossen hat: „Ich wusste noch gar nicht wie man einen Sieg hier feiert, aber es gefällt mir. Hoffentlich habe ich hier noch viel zu feiern.“

Baumgartner über seinen Goalgetter: „Er ist ein Vollblutstürmer. Er wird immer besser, ist aber noch nicht bei 100 Prozent.“

Unglückliche Rieder

Wesentlich weiter entfernt von ihren 100 Prozent sind indes die Rieder, die seit der ersten Runde nicht mehr gewonnen haben.

Trainer Oliver Glasner haderte nach dem Schlusspfiff mit dem Glück: „Es ist viel gegen uns gelaufen. Beim ersten Tor stand Damari im Abseits, dann erzielen wir ein reguläres Tor in Unterzahl, Walch wird von Shikov ausgeknockt und wir haben hinten viele individuelle Fehler gemacht – so gewinnst du als SV Ried nicht.“

Vor allem der klar ersichtlich reguläre Treffer von Thomas Fröschl, der den Anschlusstreffer zum 2:3 bedeutet hätte, war ein grober Fehler, der den Unparteiischen rund um Referee Alexander Harkam unterlief.

„Ich habe es gesehen, dass er drinnen war. Ich weiß ja nicht, wozu der da draußen da ist, der zeigt nur Abseits an, ein Tor kann er aber nicht anzeigen. Schade“, so Fröschl, der vor allem Schiri-Assistent Roland Braunschmidt in die Pflicht nahm.

„…dann muss er in die Tasche greifen“

Die Szene, in der Shikov Walch die Lippe aufschlug, wollte Baumgartner erst nach genauem Video-Studium bewerten: „Ich werde mir das ansehen. Wenn er da etwas gemacht hat, wird er in die Tasche greifen müssen.“

Kein Trost für die Innviertler, die nun das Tabellenende zieren. „Ich bin ein bisschen geschockt, dass wir schon wieder verloren haben. Es ist zach“, so Fröschl.

„Kirche im Dorf lassen“

Bei der Austria ist die Erleichterung darüber, dass dieses Problem nun auf die Oberösterreicher übergegangen ist, unterdessen groß.

Aber auch, wenn in der Kabine lautstark der erste Sieg gefeiert wurde, wurden danach gleich wieder kleinere Töne gespuckt.

Royer: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Aber hoffentlich hat dieser Sieg einige Blockaden gelöst.“

Harald Prantl

Austria Ried
Ballbesitz 63,6 % 36,4 %
Zweikämpfe 57,6 % 42,4 %
Eckbälle 7 5
Torschüsse 14 7
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 1
Torschüsse innerhalb Strafraum 9 6
Kopfballchancen 2 1
Abseits 6 2
Fouls 12 21
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