"Werden ein Feuerwerk abliefern"

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Bereit wie nie.

Noch nie hat der FC Red Bull Salzburg seine ersten fünf Spiele in einer Bundesliga-Saison gewonnen, damit lebt wie für das Überraschungs-Team aus Wolfsberg weiterhin die Chance auf den Startrekord.

Den hält seit Einführung der Bundesliga vor 40 Jahren der SK Rapid mit acht Siegen 1987/88. Die „Bullen“ benötigen nach dem 3:0 (1:0) bei der Admira in der fünften Runde nur noch drei Siege.

Freilich verfolgt die Mannschaft von Trainer Adi Hütter aber in erster Linie ein ganz anderes Ziel. Am Dienstag (20:45 Uhr) soll im Heimspiel gegen Malmö der Grundstein für den erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Champions League gelegt werden. Die Generalprobe ist dabei mehr als geglückt.

Wie der erste Anzug

Zudem haben die Salzburger nun auch endgültig die Gewissheit: Der zweite Anzug ist wie der erste.

„Es war ein starker Auftritt meiner Mannschaft, weil sie von der ersten bis zur letzten Minute sehr konzentriert war, alles umgesetzt hat, was wir uns vorgenommen haben. Es war auch erfreulich, dass jene Spieler, die nicht immer in der Startelf stehen, eine tolle Leistung geboten haben“, konnte sich Hütter über den nächsten klaren Sieg in seiner noch jungen Ära als Salzburg-Coach freuen.

Christoph Leitgeb (nach Zahnoperation) und Alan (Mittelhandbruch) fuhren erst gar nicht in die Südstadt mit, sondern trainierten am Samstag in Salzburg. Stefan Ilsanker und Kevin Kampl kamen als Joker, Andreas Ulmer und Sadio Mane sahen den überzeugenden Auswärtssieg von der Bank aus.

„Es ist im Moment egal, wer bei uns am Platz steht“, brachte es Ilsanker, nach einer Grippe wieder am Damm, auf den Punkt. Mit Peter Ankersen, Naby Keita, Massimo Bruno und Marcel Sabitzer standen vier Neuzugänge in der Startelf – und es war trotz der anderen Anforderungen, die bei den „Bullen“ vorherrschen, kein Unterschied zur Stammelf zu sehen.

„Sie haben sich nahtlos eingefügt. Man hat nicht gespürt, dass sie nur zwei, drei Spiele hier in den Beinen haben, sondern gleich das umgesetzt, was wir im Spiel umsetzen möchten“, analysierte Christian Schwegler, der ob seines zweiten Saisontreffers (persönlicher Rekord) schmunzeln musste.

„Wir sind noch einmal besser geworden“

Während sein Vorgänger Roger Schmidt selten rotierte, weil das Gefälle innerhalb des Teams noch zu groß war, hat Hütter bereits jetzt die große Qual der Wahl – eine selbstredend angenehme Situation.

„Alle Spieler treten professionell auf und ich habe am Anfang gesagt, dass wir die Breite im Kader nützen wollen. Rotation ist wichtig und das nehmen die Spieler super an. Es ist erfreulich, dass die Spielanlage gleich bleibt, das Spiel gegen den Ball war in der ersten Halbzeit top“, war Hütter stolz.

Ilsanker schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir sind qualitativ in der Breite noch einmal besser geworden. Wir haben vergangene Saison fast immer mit derselben Elf gespielt, jetzt lassen wir nicht nach, auch wenn wir durchwechseln. Jeder hat es verinnerlicht, deswegen sind wir weiterhin so dominant.“

Für Bruno ist es ein „Vergnügen“

Einmal mehr zeigte Naby Keita, wie  abgeklärt der Mittelfeldspieler aus Guinea mit seinen erst 19 Jahren seine Rolle im Zentrum erfüllt. Und Massimo Bruno unterstrich seine engagierte Leistung per Traumtor. „Ich habe volles Risiko genommen und hatte Glück“, so der Belgier nach seinem Volley.

Für den 20-Jährigen ist es „ein Vergnügen“ in dieser Mannschaft zu spielen und er lobt ebenfalls die qualitative Breite: „Das ist die Stärke dieser Mannschaft. Wenn die Spieler, die weniger am Platz stehen, auch zum Zug kommen, dann zeigen sie, dass sie ebenfalls gut sind.“

Noch nie überzeugte ein vermeintlich zweiter Anzug der Salzburger so sehr wie in dieser Saison. Auch schon beim 2:0-Sieg in Ried wurde vor dem Rückspiel der 3. CL-Quali-Runde ordentlich rotiert.

Brennen auf Malmö

Nun konzentriert sich beim Meister alles auf Dienstag, wo das schwedische Pendant aus Malmö in Salzburg gastiert und die letzte Hürde für das ganz große Ziel CL-Gruppenphase darstellt.

„Wir haben mit diesem Saisonstart genügend Selbstvertrauen getankt“, freut sich Hütter, der überzeugt ist, dass „wir an zwei guten Tagen das schaffen werden“.

Ilsanker stellt die These auf: „Wenn man gewinnt, braucht man einen Tag weniger Regeneration. Das haben wir letzte Saison gemerkt, da waren wir unglaublich spritzig, als wir die Siegesserie hatten.“

Und am Hunger und Fokus scheitert es sicher nicht, wie Franz Schiemer nach der Partie festhielt.

„Es ist unser aller Riesen-Traum, unser ganz großes Ziel und wir haben die ganze letzte Saison dafür investiert, dass wir nun in dieser Runde stehen. Wir sind uns dessen bewusst und deswegen werden wir am Dienstag ein Feuerwerk abliefern“, so der Innenverteidiger, der sich einmal mehr verletzte.

Noch einige Sorgenkinder

„Es war mein 15. Cut“, berichtete der Oberösterreicher, der sich auch noch früh zu Beginn den Finger brach. „Ich habe mir einmal in einem Spiel drei Finger gebrochen, so gesehen wäre es mein vierter“, grinste der 28-Jährige, der „als Fußballer mit einem Fingerbruch leben kann“.

Cuts gehören für ihn dazu. „Die hauen mich nicht um. Mit meinem Kopfschutz fühle ich mich auch sehr wohl, denn es werden Gehirnerschütterungen verhindert. Von denen hatte ich schon genug.“

Schiemer könnte auch gegen Malmö auflaufen, sollte es für Martin Hinteregger nicht reichen. Der Blondschopf, der wie Goalie Peter Gulacsi bislang immer zum Einsatz kam, musste jenen bei der Admira einige Minuten früher beenden, da ihn die hintere Oberschenkel-Seite zwickte.

Der Kärntner selbst sowie der Klub konnten nach dem Spiel noch keine genauen Angaben machen.

Hütter: „Der Muskel hat leicht zugemacht und das Risiko wollte ich natürlich nicht eingehen, dass etwas Gröberes ist. Für unsere medizinische Abteilung heißt es nun jeden Tag, alles zu unternehmen, dass Martin bis Dienstag fit ist – weil er aktuell in einer Top-Verfassung ist.“

Countdown läuft

Von der Stammelf, die auch gegen Qarabag den 2:0-Rückspiel-Sieg einfuhr, wird auch Leitgeb wieder dabei sein. Alan bleibt nach seinem Mittelhandbruch fraglich, Hütter zeigt sich aber optimistisch.

„Wir haben noch ein paar Tage, um dann zu sehen, ob alle einsatzfähig sind. Chancen zu beziffern ist schwierig, aber ich gehe davon aus, dass er einsatzfähig sein wird“, so der Vorarlberger.

Malmö spielte am Samstag 0:0 beim Neunten Gefle, für Hütter nichts, „was ich überbewerten würde. Sie hatten viele Partien, haben die vier wichtigsten Spieler geschont und auswärts 0:0 gespielt. Am Dienstag ist es ein ganz anderes Match, da geht es um die Champions-League-Gruppenphase.“

Der Countdown dafür läuft. „Am Sonntag stehen Regenerations- bzw. Spiel-Ersatz-Training am Programm, es werden nun viele Videos angeschaut und ein Matchplan erstellt“, konkretisiert der Coach, dem vor allem wichtig ist, dass zu Hause die Null steht: „Das ist international wichtig.“

Das gelang in fünf der bisherigen acht Saison-Partien – zuletzt vier Mal en suite. Und offensiv wäre man bei einem gesamtheitlichen Torverhältnis von 37:4 ohnehin bereit wie nie.

 

Bernhard Kastler

Admira Salzburg
Ballbesitz 49,5% 50,5%
Zweikämpfe 54,5% 45,5%
Eckbälle 1 7
Torschüsse 3 23
Torschüsse außerhalb Strafraum 1 14
Torschüsse innerhalb Strafraum 2 9
Kopfballchancen 0 2
Abseits 5 1
Fouls 17 14
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