Hütter: "Nicht ganz zufrieden"

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"Hier werden noch viele ihr blaues Wunder erleben"

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Rekorde sind da, um gebrochen zu werden.

Red Bull Salzburg wurde dieser Redewendung einmal mehr gerecht.

Der 8:0-Sieg gegen den SV Grödig war der höchste Sieg in der Salzburger Bundesliga-Geschichte. In der 1974 gegründeten Liga konnten nur Rapid Wien (11:1 und 10:0 gegen GAK), Austria Wien (9:0 bei SW Bregenz) und Innsbruck (9:0 gegen Austria Salzburg) höhere Triumphe feiern.

Hütter stolz, aber „nicht ganz zufrieden“

„Das war der höchste Sieg der Salzburger Geschichte, das freut mich schon“, lächelte Trainer Adi Hütter im „Sky“-Interview.

Wer meinen könnte, der Coach war angesichts eines 8:0-Sieges vollends begeistert, irrt jedoch. „Wir haben natürlich in der ersten Halbzeit mit 5:0 gezeigt, dass wir offensiv sehr stark sind, trotzdem war ich nicht ganz zufrieden, weil wir drei sehr gute Torchancen zugelassen haben.“

Vor allem, da in eineinhalb Wochen mit Malmö im Champions-League-Quali-Playoff ein Gegner wartet, der Möglichkeiten, wie sie Grödigs Yordy Reyna in der ersten Halbzeit hatte, verwerten wird. „Ich war ein bisschen böse, weil solche Chancen international genutzt werden, das können wir nicht brauchen.“

„Wenn man versucht, viel Druck nach vorne zu machen, muss man auch nach hinten gut arbeiten“, mahnte der 44-Jährige.

Soriano tritt in Krankls Fußstapfen

Bei seinem Vorzeige-Stürmer musste der Coach seinen Zeigefinger hingegen nicht heben. Jonatan Soriano zerlegte Grödig mit fünf Treffern fast im Alleingang.

Fünf Tore in einem Spiel waren in der Bundesliga zuvor nur drei Akteuren gelungen. Axel Lawaree, Gernot Jurtin und Hans Krankl. Dem „Goleador“ gelang das Kunststück gleich zwei Mal.

„Über meine fünf Tore freue ich mich natürlich sehr, das ist mir noch nie gelungen. Wir denken aber weiter von Spiel zu Spiel. Erst kommt die Admira, erst dann ist Malmö ein Thema“, spielte der 28-jährige Spanier seine fulminante Leistung sogar etwas herunter.

Nur, um mit einem Lächeln anzufügen: „Das ist heute schon ein super Tag für uns. 8:0 in einem Derby, das ist großartig.“

94 Tore in 101 Spielen                                    

Betrachtet man die Pflichtspiel-Bilanz des „Bullen“-Kapitäns, werden Erinnerungen an Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic und Co. wach. In 101 Einsätzen für die Mozartstädter hält er aktuell bei nicht weniger als 94 Treffern.

Umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass der Angreifer nach seinem Wechsel einige Zeit benötigte, um sich einzuleben. Noch bemerkenswerter, wenn man einen Blick auf seine Assists wirft. Nicht weniger als 36 Vorlagen lieferte Soriano in den 101 Einsätzen.

Auch gegen Grödig bewies er neben seinem Torriecher sein gutes Näschen für den Mitspieler. Wie etwa beim 2:0, als er Marcel Sabitzer mit einem Halbvolley-Pass über das halbe Spielfeld in Szene setzte. Zwar ging der Assist an Christoph Leitgeb, der (vor)entscheidende Pass in dieser Szene kam aber vom Ex-Barcelona-Spieler.

„Grödig hat andere Ansprüche“

Dass Salzburg spielerisch in einer anderen Liga agiert, musste auch Grödig-Trainer Michael Baur eingestehen. „Unsere Ansprüche und die von Salzburg sind ganz andere. Bei denen wollen alle in internationale Top-Ligen, wir wollen die Spieler erst einmal an die Bundesliga heranführen.“

Zwar wirkte der ehemalige Innenverteidiger nach der Niederlage etwas geschockt, seine Analyse fiel dennoch nüchtern aus. „Kein Vorwurf an die Mannschaft. Es waren auch schon Vereine da, die höhere Ansprüche als wir haben und sind auch mit leeren Händen nach Hause gegangen.“

Alles andere als ein Durchmarsch des Tabellenführers in der Bundesliga wäre für den 45-Jährigen eine Überraschung. „Hier werden noch viele Mannschaften herkommen und ihr blaues Wunder erleben. Der Unterschied war heute gravierend.“

„Ich wünsche Red Bull, dass sie in die Champions League kommen, denn dort gehören sie hin. Dort können sie zeigen, ob sie mit den Großen mithalten können“, musste der Tiroler mit gesenktem Haupt zugeben.

Geht Stankovic nach dem Debakel?

Für einen war es ein besonders bitterer Abend: Tormann Cican Stankovic musste gleich acht Mal hinter sich greifen und das Leder aus dem Tor holen.

„Es gibt Schöneres. Ich habe trotzdem versucht, den Kasten so sauber wie möglich zu halten. Acht Tore sind natürlich viel, das ist bitter“, versuchte der 21-Jährige seinen Frust zurückzuhalten.

Bleibt abzuwarten, wie lange der Schlussmann sich noch Gedanken über die Pleite machen muss. Denn bereits seit einigen Tagen und Wochen wird der Schlussmann mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.

„Es gibt zwei konkrete Angebote. Eines aus der Türkei und eines aus Italien. Es soll diese Woche eine Entscheidung geben", verriet Manager Christian Haas im Vorfeld des Spiels.

Auch Stankovic zeigte sich, wie schon zuletzt, alles andere als abgeneigt von einem Wechsel. „Jetzt ist ja ein Angebot da. Es hat geheißen, dass wir uns am Montag mit Christian Haas zusammensetzen. Mein Ziel ist ganz klar das Ausland.“

„Ob es das letzte Spiel für Grödig war, werden wir in naher Zukunft sehen“, hält er es durchaus für möglich, sich mit der 0:8-Niederlage ins Ausland zu verabschieden.

Weit weg von Red Bull Salzburg. Und weit weg von Jonatan Soriano.

 

Matthias Nemetz

Salzburg Grödig
Ballbesitz 57,6% 42,4%
Zweikämpfe 44,4% 56,6%
Eckbälle 4 1
Torschüsse 25 8
Torschüsse außerhalb Strafraum 8 5
Torschüsse innerhalb Strafraum 17 3
Kopfballchancen 2 0
Abseits 3 7
Fouls 13 12
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