Hütter: "Das ist nicht selbstverständlich"

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Einen errungenen Titel zu beschreiben, ist nicht immer einfach. Einen Quasi-Titel auch nicht.

Für Red Bull Salzburg war es am Mittwoch in der Tat schwierig. Denn mit dem 0:0 bei Sturm Graz hatte man de facto die Meisterschaft eingefahren. Oder eigentlich. Oder so gut wie. Oder eben quasi.

Fakt ist, der Titelverteidiger hat zwei Runden vor Schluss neun Punkte Vorsprung auf Rapid, das ein Spiel weniger hat und in punkto Tordifferenz 31 Treffer zurückliegt. Es bräuchte also das "Wunder von Wien".

Deswegen sagte auch Stefan Ilsanker nach dem Spiel: "Wir wollten heute unbedingt Meister werden und das haben wir geschafft." Um wenig später ganz leicht zurückzurudern: "Es ist praktisch der Meistertitel, am Sonntag feiern wir dann zu Hause bei den Fans."

"Ein komisches Gefühl"

Auch für Martin Hinteregger war es schwer zu beschreiben: "Natürlich wird heute auch ein wenig gefeiert, aber es ist schon ein komisches Gefühl dabei. Es müsste jedoch schon sehr viel passieren."

So verhielt sich auch der Jubel nach Spielende.

Die Meister-T-Shirts blieben zwar noch im Verborgenen, doch mit Sekt und Bier wurde in der Kabine bereits gefeiert. "Campeones"-Gesänge tönten ebenfalls aus selbiger, die dürfte wohl der Kapitän höchstpersönlich angestimmt haben.

Mit den rund 100 mitgereisten Fans aus Salzburg wurde zuvor noch in der Kurve kurz gefeiert.

"Wir wollten uns vor allem bei den Fans bedanken, die bei jedem Heimspiel lautstark sind, und die 'Narrischen' fahren ja auch immer zu jedem Auswärtsspiel mit, egal wohin. Von dem her haben sich die Fans den Titel genauso verdient wie wir." Da war es also doch wieder der Titel.

Hütter sorgte für klare Verhältnisse

Trainer Adi Hütter sorgte bei der Pressekonferenz dann für klare Verhältnisse.

"Wir haben diesen Punkt unbedingt gebraucht, deswegen glaube ich auch, dass uns keiner mehr einholen kann. Ich freue mich, hier in Graz Meister geworden zu sein", jubelte der 45-Jährige.

Der Vorarlberger umarmte nach Schlusspfiff seine Crew und zelebrierte den Moment meisterlich.

"Für viele ist das vielleicht selbstverständlich, aber die Erwartungshaltung und der Druck sind in Salzburg einfach sehr groß. Deswegen freut es mich, dass wir in der zehnjährigen Ära von Red Bull zum sechsten Mal Meister geworden sind. Das zeigt, dass es nicht jedes Jahr selbstverständlich ist. Ich freue mich deshalb auch als Trainer der Meister-Mannschaft hier am Podium zu sitzen."

Erster Gratulant: Franco Foda

Sein Gegenüber Franco Foda, der an selber Stelle vor vier Jahren als Meistermacher von Sturm eine Glatze präsentierte, durfte sich als erster Gratulant in der UPC-Arena einstellen.

"Gratulation an Salzburg zum Meistertitel und natürlich auch an Adi Hütter. Ich glaube, es ist nicht selbstverständlich Meister zu werden, auch wenn Salzburg klar das meiste Geld und die besten Spieler hat. Trotzdem musst du auch erst den Titel holen, daher auch dem Trainer ein großes Kompliment. Sie sind verdient Meister geworden, haben eine sehr gute Saison gespielt."

Zusatz: "Schade, dass sie in der Champions League ausgeschieden sind, vielleicht klappt es ja nächstes Jahr. Dafür wünsche ich euch alles Gute."

Roger Schmidt allgegenwärtig

Salzburg spielte übrigens zum ersten Mal seit dem 29. März des Vorjahres in der Bundesliga 0:0. Damals in Runde 30, als Salzburg schon Meister war, gegen Wacker Innsbruck. Roger Schmidt war da noch Trainer und natürlich nun auch nach diesem Spiel ein Name, der allgegenwärtig war.

"Die Fußstapfen waren nicht so klein. Roger Schmidt hat im zweiten Jahr in Salzburg Großartiges geleistet, den Meistertitel und den Cupsieg in einer Art und Weise geholt, die auch beeindruckend war. Ich habe einfach versucht, einen eigenen Weg zu gehen, und trotz allem die Philosophie beizubehalten", schilderte Hütter.

Ilsanker, der sowohl unter Hütter als auch Schmidt die Meisterschaft holt(e), meinte dazu: "Er hat auf jeden Fall davon profitiert, was Roger (Schmidt, Anm.) hinterlassen hat. Wir sind ein kompaktes, gutes Team gewesen. Er wollte seine Ideen einfließen lassen, gerade am Anfang hat man gesehen, dass wir spielerisch nach vorne noch lockerer geworden sind und noch ein bisschen mehr Ballbesitz eingebaut haben. Zwischendurch waren Phasen dabei, in denen es nicht so gelaufen ist, aber letztendlich hat er es sehr gut gemacht. Vor allem das erste Jahr bei Salzburg ist nie leicht."

Erster österreichischer Meister-Trainer bei Red Bull

Hütter wird am Sonntag als erster Red-Bull-Trainer österreichischer Herkunft den Meisterteller stemmen. Kurt Jara wurde in seiner einzigen Saison Zweiter. Und die bisherigen Meister-Trainer (Trapattoni, Adriaanse, Stevens, Moniz, Schmidt) sind ausländischer Herkunft.

Der dreifacher Meister als Spieler (mit Austria Salzburg) hat dabei drei besondere Saisonen hinter sich.

"Die letzten drei Jahre waren für mich sehr erfolgreich, mit dem Meister-Titel beim SV Grödig und dem sofortigen Einzug in den Europacup. Jetzt freue ich mich, mit Red Bull Salzburg Meister zu sein, was für viele die einfachste Sache ist, aber das ist es nicht immer, wenn man der absolute Favorit ist."

Der Vorarlberger gab gerne zu, dass nach dem Schlusspfiff Druck und Anspannung abfielen.

"Weil die Saison nicht immer einfach war. Wir sind super gestartet. Dann folgte das Ausscheiden gegen Malmö. Wir sind nach drei Meisterschafts-Nniederlagen am Boden gelegen, aber in der Folge so was von unglaublich gut in der Europa League aufgestanden. Wir haben dort einen Torrekord aufgestellt, Top-Spieler verloren, junge Spieler eingebaut – es war keine einfache Saison, mit Dingen, die nicht gut waren. Am Ende zählt aber der Titel."

Weitere erstrebenswerte Ziele

Und das soll freilich nicht der letzte in dieser Spielzeit gewesen sein. Schließlich steht am 3. Juni in Klagenfurt noch das Cup-Finale gegen die Wiener Austria an.

Salzburg kann in der Red-Bull-Ära erstmals ein Double erfolgreich verteidigen. Hütter kennt den Fahrplan bis zum Endspiel am Wörthersee.

"Wir sind erfolgshungrig, wir wollen den Zuschauern am Sonntag gegen den WAC ein sehr gutes Spiel zeigen. Wir wollen mit unseren Fans die Meisterschaft feiern. Dann haben wir zehn Tage Zeit, uns mit der Mannschaft auf das Cup-Finale vorzubereiten. Wir wollen das Double wieder nach Salzburg holen."

Weitere erstrebenswerte Ziele sind das Knacken der 100-Tore-Marke, dafür fehlen fünf in zwei Liga-Partien, um so wie in der vergangenen Saison (110) in den dreistelligen Bereich zu gelangen. Vier fehlen auf 300 in der nach drei Jahren endenden Salzburg-Ära von Ralf Rangnick, der am Mittwoch nicht in Graz weilte.

Plus: Der WAC ist der einzige heimische Gegner, der in dieser Saison noch nicht geschlagen wurde.

Aber eines nach dem anderen.

"Ich werde mir sicher heute ein Glas Bier gönnen", grinste Hütter. Ilsanker schlug vorsichtiger in die ähnliche Kerbe: "Vielleicht trinken wir heute noch ein Bier."

Schließlich ist Salzburg Meister. Quasi. De facto. So gut wie.

 

Bernhard Kastler / Peter Altmann

Sturm Salzburg
Ballbesitz 59% 41%
Zweikämpfe 51% 49%
Eckbälle 1 7  
Torschüsse 8 16
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 9
Torschüsse innerhalb Strafraum 3 7
Kopfballchancen 0 2
Abseits 1 4
Fouls 15 16
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