Ein violetter UCL-Verderber?

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Ist die Austria das Zünglein an der Waage?

Die Wiener empfangen zunächst am 32. Spieltag Sturm Graz, eine Woche später steigt das Wiener Derby gegen Rapid.

Während die Veilchen in der Bundesliga keine tragende Rolle mehr spielen und ihr Fokus auf das ÖFB-Cupfinale gegen RB Salzburg gerichtet ist, kämpfen die kommenden Gegner um den zweiten Tabellenplatz und den damit verbundenen Champions-League-Quali-Platz.

„Herschenken“ werden die Violetten jedoch keine Partie. Gerade in Hinblick auf das Endspiel gilt es in den restlichen Meisterschaftsrunden Selbstvertrauen zu tanken.

LAOLA1 hat die Ausgangslage vor dem Duell Violett gegen Schwarz-Weiß:

PERSONALSITUATION:

Austria: Im Gegensatz zu den Grazern entspannt sich die Lage in Favoriten langsam. Mario Leitgeb ist mit Oberschenkelproblemen fraglich. Ansonsten stehen Trainer Andreas Ogris bis auf die Langzeitverletzten Jens Stryger Larsen, Ronivaldo und dem erkrankten Heinz Lindner alle Spieler zu Verfügung. Wenngleich der seit dieser Woche wieder bei der Mannschaft trainierende Philipp Zulechner kein Thema für das Duell gegen Sturm ist. „Wir sind froh, dass er nach seinem Muskelfaserriss mit uns trainieren kann. Er ist gesund, aber noch nicht matchfit“, erklärt der FAK-Coach, der zudem verrät, dass Ronivaldo und Larsen heuer nicht mehr zum Einsatz kommen werden. Ebenfalls bis Saisonende ausfallen wird Super Leo. Das zuletzt in die Schlagzeilen gekommene Maskottchen fehlt aufgrund von „Kreislaufproblemen“. Definitiv spielen wird hingegen der immer stärker werdende Alexander Grünwald - obwohl der Kärntner bei einer möglichen Gelben Karte für das Derby gesperrt wäre. „Ich werde ihn deswegen nicht schonen. Sollte er dann gegen Rapid ausfallen, spielt ein anderer“, stellt Ogris klar.

Sturm: Leicht macht es sich der SK Sturm derzeit nicht. Neben den Verletzungssorgen erschweren erneut Sperren die Personalplanung. Den Kampf um die Europacupplätze nimmt man in der Murmetropole eben wortwörtlich. Zu den Fakten: Kapitän Michael Madl und Roman Kienast fehlen nach ihren Gelb-Roten Karten gegen Rapid, Anel Hadzic hat im letzten Spiel seine 13. (!) Gelbe Karte kassiert und ist ebenso gesperrt. In der Defensive meldet sich dafür Martin Ehrenreich zurück. Er hat am Donnerstag zum ersten Mal trainiert und ist eine Option, wie Trainer Franco Foda betont. "Ich bin noch auf ein, zwei Positionen am Überlegen“, erklärt der 49-Jährige. Unter anderem steht noch nicht fest, wer im Angriff Ex-Veilchen und Frühjahrs-Torgarant Kienast ersetzt. „Da kann Josip (Tadic, Anm.) spielen, Andi Gruber, auch Donis (Avdijaj, Anm.) oder Beichi“, zählt Foda alle Möglichkeiten auf. Dazu stößt mit Danijel Klaric ein Stürmer von den Amateuren zum Kader. Der 20-Jährige hat im Frühjahr bislang sieben Mal getroffen. „Ich habe ihn ein paar Mal beobachtet, er hat einen guten Eindruck gemacht“, so Foda. Auch Taisuke Akiyoshi, den Sturm im Winter nicht loswurde, tritt die Reise nach Wien mit an.

BEDEUTUNG DER PARTIE:

Austria: Bei den Wienern liegt der Fokus ganz klar auf dem Cupfinale in Klagenfurt am 3. Juni. Bis dahin wollen die in der Bundesliga im Niemandsland rangierenden Veilchen aber soviel Selbstvertrauen tanken wie möglich. Und das geht am besten mit Siegen. Mit Sturm Graz haben Gorgon und Co. zudem eine Rechnung offen. Die Steirer sind der einzige Bundesligist, der inklusive des Cup-Berwerbs heuer noch nicht besiegt werden konnte. „Jeder Erfolg ist wichtig für das Selbstvertrauen und für die Teamentwicklung. Gewinnen wir erstmals in dieser Saison gegen Sturm, könnten wir unserem Cup-Final-Gegner auch ein klares Zeichen setzen“, gesteht Ogris. Dass die Austria für Sturm und Rapid ein möglicher Stolperstein im Kampf um einen CL-Quali-Platz werden könnte, stellt für den 50-Jährigen hingegen keine Extra-Motivation dar. „Ich glaube nicht, dass es einer Zusatzmotivation Bedarf, wenn du gegen diese Gegner spielst. Du kannst zeigen, dass du dich mit ihnen auf Augenhöhe befindest“, meint der Wiener, der dem Aufeinandertreffen positiv entgegen blickt. „Wir haben sehr gut trainiert, werden zu 100 Prozent fit sein. Deswegen bin ich zuversichtlich.“

Sturm: Fünf Runden sind noch zu spielen und Sturm ist mittendrin im Europacup-Rennen. „Von Platz zwei bis fünf sind es fünf Punkte, dazu gibt es direkte Duelle am Wochenende, da ist es wichtig zu punkten“, fasst Foda die Ausgangslage zusammen. Die Grazer haben sich durch konstante Leistungen in eine gute Position gebracht und sind seit mittlerweile sechs Liga-Partien ungeschlagen, auch wenn es zuletzt zwei Remis gab. Ebenso positiv: Gegen die Austria haben die Schwarz-Weißen 2014/15 noch kein Spiel verloren. (1:1/h, 3:0/a, 2:1/h). Trotz eines angeschlagenen Kaders stimmt das Selbstvertrauen, zusätzliche Motivation ist da nicht nötig. „Vielleicht muss man eher den einen oder anderen bremsen. Wir müssen trotz der guten Leistungen kühlen Kopf bewahren. Das wird mitentscheidend sein, wenn es um die vorderen Plätze geht“, spricht Daniel Beichler, der als Joker gegen Rapid zum 2:2-Endstand traf, die in dieser Saison hohe Anzahl an Gelben- (90), Roten- (2) und Gelb-Roten (4) – Karten an. Verlieren ist klarerweise verboten, auch weil die Auslosung in den kommenden Wochen mit dem Gastspiel beim WAC und dem Heimspiel gegen den designierten Meister Red Bull Salzburg nicht leichter wird.

AUSRICHTUNG:

Austria: In den Heimspielen verfolgt die Austria einen klaren Plan: „Wir wollen aus einer gesicherten Abwehr heraus ein offensives Spiel betreiben“, so der Austria-Coach. Egal wie der Gegner heißt. Offensiv bedeutet für den Ex-Internationalen aber nicht gleichzeitig „spektakulär. Wir wollen einfach unser Spiel aufziehen. Sturm ist sehr kompakt. Es wird schwer, aber wir wissen auch um ihre Schwächen.“ Eine eigene Schwäche ist zweifelsohne das Defensivverhalten. Auch wenn Ogris meint, „dass zu erkennen ist, dass wir hinten stabiler geworden sind“, wurde im Kalenderjahr 2015 abgesehen von den zwei Cupspielen keine Partie zu Null absolviert. „Das ist auch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sollen wir Offensiv-Fußball zeigen, anderseits zu Null spielen. Das lässt sich in einer Partie manchmal nicht vereinbaren. Denn wenn man offensiv ausgerichtet ist, entblößt man teilweise die Defensive. Dann ist es immer möglich, ein Tor einzufangen.“ Natürlich würde die Klub-Legende gerne jede Partie ohne Gegentreffer auskommen. „Aber wenn wir immer ein Tor mehr schießen, als wir bekommen, ist es in Ordnung. Am Schluss zählen die Punkte, nicht ob wir zu Null spielen.“

Sturm: Die Grundausrichtung des SK Sturm soll sich in der Generali-Arena nicht ändern. „Wir wollen aggressiv spielen, nach vorne verteidigen. Das wird der Weg sein“, verspricht der Chefcoach eine schlagkräftige Truppe. Doch Foda weiß, wie es laufen kann, wenn gewisses Stammpersonal nicht zur Verfügung steht und Spieler zum Einsatz kommen müssen, die kaum Spielpraxis haben. „Da fehlt der Rhythmus über 90 Minuten, da fehlen gewisse Automatismen. Aber ich habe Vertrauen in diese Spieler“, stärkt Foda seinem Kader den Rücken. In den letzten Spielen haben die Grazer aus ihrer dünnen Kaderdecke viel gemacht. „Die Mannschaft ist dennoch durchs Feuer gegangen, hat alles abgerufen und alles investiert, um zu gewinnen“, lobt der Deutsche sein Team und fordert diese Einstellung weiterhin. Dass die Mischung auch hinter der ersten Elf stimmt, ist sich Beichler, zuletzt selbst in dieser Rolle, sicher: „Wenn die Jungs reinkommen, dann sieht man, dass etwas passiert. Das funktioniert relativ gut für uns.“ Am Samstag hofft der 26-Jährige auf einen Platz in der Startformation. Seine Kampfansage ist klar: „Wir werden nicht dorthin fahren, um in Ehrfurcht zu erstarren. Man sieht eh in der Tabelle, dass wir die bessere Mannschaft sind.“

 

Martin Wechtl/Andreas Terler

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