"So brauchen wir nicht vom Europacup reden"

Aufmacherbild
 

„Es gibt keine Schonung“, hat Andreas Ogris vor dem Spiel gesagt.

Der Trainer der Wiener Austria wollte vor der Partie in Altach nicht an das Cup-Semifinale am kommenden Mittwoch gegen den Wolfsberger AC (20:30 Uhr) denken.

Sahen seine Spieler das anders? „Anscheinend“, so Ogris nach 94 Minuten, die aus violetter Sicht an Harmlosigkeit kaum zu überbieten waren.

Das 0:2 im Ländle war das sechste sieglose Ligaspiel für die Veilchen in Serie, derzeit steuert man auf Rang sieben in der Tabelle zu. Ein Platz, den man zuletzt in den Spielzeiten 1997/98 und 1998/99 belegt hat. Es ist der schlechteste der Bundesliga-Geschichte.

Ogris halt alles vermisst

Befreit aufspielende Altacher mussten nicht an ihre Grenzen gehen, um problemlos zu gewinnen und somit Platz drei vom SK Sturm zurück zu erobern. Eine Tatsache, die Ogris einmal mehr ratlos zurücklässt.

„Ich habe heute alles vermisst, was zu einem Fußballspiel dazugehört. Vor allem Herz und Leidenschaft. Die Austria hat unterirdisch agiert und wir müssen froh sein, nicht höher verloren zu haben“, bilanziert der 50-Jährige resignierend die zweite Niederlage seiner Amtszeit.

Man darf gespannt sein, wie der 61-fache Nationalteamspieler sein Team in den kommenden zwei Tagen bei 16 Zählern Rückstand auf die Europacup-Ränge auf das wichtigste Spiel der Saison einstellen wird. Angenehm wird es für die Spieler auf keinen Fall: „Wir werden die Partie intern schonungslos aufarbeiten. Die Streicheleinheiten sind vorbei.“

Monatelange Ursachenforschung ohne Ergebnis

Wenn die Botschaften von Ogris – Stichwort Schonung – weiterhin so ankommen wie bisher, dann dürften die Austria-Anhänger nicht allzu große Hoffnungen auf einen Finaleinzug haben. „So brauchen wir über den Europacup nicht sprechen“, ist sich der Trainer bewusst.

Aufseiten der Spieler hofft man offensichtlich auf die Motivationskünste der Betreuer. „Wir müssen die Partie aus den Köpfen bringen, aber dafür wird das Trainerteam sorgen“, sagt Alexander Gorgon, der in der zweiten Halbzeit nach einer Sprunggelenksverletzung sein Comeback feierte.

Der Offensivspieler, der unmittelbar nach Wiederanpfiff hauptverantwortlich für die besten 90 Sekunden im Spiel der Austria war, ist sich aber bewusst, wie schwierig die Aufgabe wird. Schließlich drehe man sich in Favoriten mehr oder weniger im (Verteiler)-Kreis.

Nächster Rekord für Altach

„Wir betreiben seit Monaten Ursachenforschung und kommen trotzdem nicht weiter. Letztlich zählen nur Ergebnisse und nicht das Wie“, hofft Gorgon gegen den WAC auf die Kraft der Tagesform.

Die Altacher sind von solchen Gedanken und Aussagen weit entfernt. Die Mannschaft von Damir Canadi fuhr mit beeindruckender Selbstverständlichkeit den 15. Saisonsieg ein und steht damit als Aufsteiger bei 52 Punkten nach 30 Spielen. Das ist Bundesliga-Rekord.

Obendrein sind die Vorarlberger mit 35 Zählern auch noch das beste Heimteam der Liga – und das mit einem Heimspiel weniger als Red Bull Salzburg. Daten und Fakten, auf die der Wiener Coach der Ländle-Kicker stolz sein kann.

Canadi: "Mit diesem Willen ist viel möglich"

„Mit dem frühen Doppelschlag haben wir viele Dinge umgesetzt, die wir uns vorgenommen haben. Eigentlich hätten wir noch vor der Pause durch Seeger das 3:0 nachlagen müssen. Nach der Pause waren wir gut geordnet, aber wir müssen im Umschaltspiel noch effizienter werden“, findet der 44-Jährige auch bei einer so souveränen Vorstellung wie dieser ein Haar in der Suppe.

Canadi, der weiterhin nicht öffentlich über ein Saisonziel sprechen will, weiß aber natürlich, zu welchen Leistungen und Ergebnissen sein Team fähig ist: „Man kann in den verbleibenden Runden nicht von lauter Siegen ausgehen, aber wenn die Mannschaft weiterhin mit diesem Willen am Platz steht, ist viel möglich.“

Wer weiß, während alles vom Duell zwischen Rapid und Sturm um den Champions-League-Platz spricht, könnten die Altacher am Ende der lachenden Dritten im Kampf um Rang zwei sein.

Vielleicht schon kommendes Wochenende, wenn sich Grün-Weiß und Schwarz-Weiß gegenseitig die Punkte wegnehmen.

Altach Austria
Ballbesitz 44,4% 55,6%
Zweikämpfe 51,5% 48,5%
Eckbälle 4 4
Torschüsse 8 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 2 8
Torschüsse innerhalb Strafraum 6 5
Kopfballchancen 4 1
Abseits 3 2
Fouls 15 14
Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen