Novota mit Torwart-Freispiel oder reguläres Tor?

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Nicht das Tor von Robert Beric, das zum 1:0-Erfolg Rapids in Wiener Neustadt führte, war im Nachhinein das Hauptthema.

Vielmehr stand ein Tor, das nicht gegeben wurde im Blickpunkt. Eine Entscheidung, die vor allem die Niederösterreicher erzürnte.

„Das Tor war für mich regulär“, ärgerte sich Trainer Helgi Kolvidsson über das nicht anerkannte Führungstor von Mattias Sereinig.

Wenige Sekunden später war sich der Isländer nicht mehr ganz so sicher und meinte: „Man kann es so bewerten, wir müssen das so hinnehmen.“

Verbotener Block gegen Novota?

Ähnlich spalteten sich die Meinungen der Spieler und Trainer in zwei Lager. Doch was war genau passiert?

Stürmer Philip Hellquist soll Rapid-Keeper Jan Novota behindert haben und somit seinem Teamkollegen einen Vorteil verschafft haben.

Schiedsrichterbeobachter Thomas Steiner sah es auf der Tribüne ähnlich wie Andreas Kollegger auf dem Feld.

Die Meinung der Unparteiischen: Der Spieler sperrt den Tormann, so dass dieser keine Chance hat, das Tor zu unterbinden.

„Wenn ich nicht dort stehen darf, muss ich auf die Bank“

Der vermeintliche Torschütze sah es im Gespräch mit LAOLA1 anders. „Es gibt weder einen Kontakt mit irgendeinem Gegenspieler, noch mit dem Tormann. Umso bitterer ist es, weil es eine Chance gewesen wäre, in Führung zu gehen und das Spiel anders zu gestalten.“

Doch nicht nur in dieser Szene versuchten Sereinig und Hellquist die Laufwege des Torhüters zu blocken. Zumindest beim möglichen 1:0 war man sich keiner Schuld bewusst.

„Wenn ich nicht dort stehen darf, muss ich auf die Ersatzbank, um nicht mehr im Weg stehen zu können. Der ist 2,20 Meter groß (Anm.: Novota) und sucht immer den Kontakt. Wir Feldspieler suchen ihn nicht, weil wir wissen, dass es nicht regulär ist“, versucht sich Sereinig zu rechtfertigen.

Auch Thomas Vollnhofer war in Rage und wollte die Gründe für die Schiedsrichter-Entscheidung kennen: „Das ist Rapid, die haben vielleicht ein bisschen einen Bonus bei den Schiedsrichtern. Ich weiß nicht, wie man das sehen kann.“

Und wie sah es die Rapid-Seite? „Ich denke, der Innenverteidiger hat ihn behindert, dass er herauskommt. In solchen Situationen hat der Torwart immer ein Freispiel, von daher kann man es pfeifen“, merkte Thanos Petsos an.

Sehr viel richtig gemacht, aber nicht belohnt

Die Enttäuschung beim Tabellenvorletzten war verständlich, schließlich beeindruckte man in Hälfte eins mit guten Kombinationen, spielte sich viele Chancen heraus, belohnte sich aber nicht selbst.

„Wir haben in der ersten Hälfte sehr viel richtig gemacht. Wir haben das Spiel dominiert, den Takt vorgegeben, kaum Corner und Torchancen zugelassen und selber Möglichkeiten gehabt“, blickte Sereinig zurück. „Das war unser Verdienst.“

„Uns fehlt, dass so ein Tor zählt. Dann können wir kompakter bleiben. Aber wir werden für jeden Fehler bestraft. Wenn wir dann mehr machen wollen, sind wir zu offen“, analysierte Kolvidsson.

Rapid fand überhaupt nicht zu seinem Spiel, wirkte verunsichert und konnte nicht das zuletzt erfolgsversprechende Spiel auf den Platz bringen. Bis für Louis Schaub, der mit einem Mittelfußknochenbruch länger ausfallen wird, Steffen Hofmann in die Partie kam.

Mit Hofmann kam die Wende

„Mit ihm war die Struktur viel besser. Er hat die Mitspieler sehr gut eingesetzt und hat das Spiel zu unseren Gunsten gedreht“, lobte Coach Zoran Barisic den Kapitän, der noch nicht für 90 Minuten fit gewesen wäre.

Rapid änderte mit dem Routinier am Platz die Ausrichtung (Barisic: „Davor war unser Spiel nicht gut genug“) und schwor dem gewohnten Ballbesitzfußball auf dem holprigen Wiener Neustädter Rasen ab.

„Mit dem attraktiven Spiel der letzten Wochen - vielen direkten, kurzen Bällen - war es heute nicht möglich. Wir haben das Spiel ein bisschen umgestellt, mehr Ruhe reinbekommen, dann ist es für uns gelaufen“, bestätigte Rapids Nummer elf.

Auch Petsos sah darin den Schlüssel zum Erfolg. „Wir wollten nicht mehr mit kurzen Pässen spielen, wenn es nicht nötig ist. Darauf hat der Gegner gelauert. Wir haben dann eher über zweite Bälle gespielt, das war im Endeffekt besser.“

Keine Kampfansage an RB Salzburg

In einer komplett konträren zweiten Halbzeit nahm Rapid das Heft in die Hand, vor allem auch dank des 17. Saisontreffers von Robert Beric unmittelbar nach der Pause (47.).

„Man hat erwarten können, dass Rapid anders auftreten wird. Nichtsdestotrotz haben wir ein billiges Tor bekommen, ein Tor, dass wir uns selber gemacht haben. Das ist bezeichnend und sehr unglücklich. Wir haben dann zu offen gespielt“, meinte Sereinig.

„Mit dem Tor war es erledigt. Dadurch haben wir die Kompaktheit zu schnell aufgelöst“, wusste auch Vollnhofer. Somit war es zwar ein weiterer Beweis dafür, auf dem richtigen Weg zu sein, darum könne man sich aber nur wenig kaufen.

Rapid hingegen liegt „nur“ mehr sechs Punkte hinter RB Salzburg und punktegleich mit Altach auf Rang zwei. Kampfansage in Richtung Mozartstadt gibt es trotzdem keine.

„Ich bin nicht feig und auch nicht goschert. In zwei Wochen sieht es vielleicht schon wieder anders aus und wir bekommen medial wieder Watschen“, stieg Barisic auf die Bremse. Schließlich kam Rapid gegen Wiener Neustadt gerade noch mit dem Schrecken davon.


Alexander Karper

Wr. Neustadt Rapid
Ballbesitz 40,4% 59,6%
Zweikämpfe 50,5% 49,5%
Eckbälle 4 5
Torschüsse 10 14
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 2
Torschüsse innerhalb Strafraum 5 12
Kopfballchancen 1 5
Abseits 0 2
Fouls 13 19
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