"Spendi, warum Fünferkette?"

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Es war ein Tor mit Ansage.

„Meistens ist es ja so, dass man dann genau gegen seinen Ex-Klub trifft“, meinte Marco Djuricin am Freitag vor dem 2:1-Sieg seiner Salzburger gegen den ehemaligen Arbeitgeber Sturm Graz.

Zwölf Minuten dauerte es, ehe der Angreifer am Sonntag erstmals in einem Duell gegen die Steirer traf. Auch dank Mithilfe von Anel Hadzic, der den Ball entscheidend an dessen Ex-Kollegen verlor.

"Wollte das Tor unbedingt"

„Ich wollte das Tor unbedingt, er hatte Druck und konnte den Ball nirgends mehr hinspielen. Deswegen habe ich es mir schon verdient“, analysierte der 22-Jährige seinen ersten Bundesliga-Treffer im Salzburger Trikot („Es wurde Zeit“), zuvor traf er „nur“ beim 1:3 gegen Villarreal.

Nach dem Tor senkte Djuricin die Hände und jubelte nicht. „Das war mir schon vorher klar, dass ich das nicht machen würde. Wegen Sturm bin ich in Salzburg, die Fans waren immer nett zu mir.“

Am Spielfeld gab es indes keine Nettigkeiten, aber auch keine Bösartigkeiten. Business as usual.

„Im Spiel gibt es keinen Schmäh auf dem Platz, danach vielleicht. Wenn ich gewinne, dann ja, wenn nicht, dann nicht. Also gibt es heute einen Schmäh. Wir haben gewonnen, ich habe ein Tor erzielt und das ist das Beste. Wir haben wieder neun Punkte Vorsprung.“

Salzburg durchbrach Fünferkette

Doch eine Frage konnte sich Djuricin am Spielfeld dann doch nicht verkneifen, wie er grinsend erklärt. „Ich habe während dem Spiel den Spendlhofer gefragt: Was ist mit euch los? Warum mit Fünferkette?“

Ebenfalls am Freitag prophezeite der Ex-Grazer, dass Sturm offensiver als Altach vor einer Woche spielen würde. Da passte die Fünferkette nicht ins Bild. Salzburg kam aber zu vielen Chancen.

„Es ist komisch. Altach Fünferkette, Sturm Fünferkette. Ich weiß nicht, wie das weitergeht. Aber damit müssen wir leben. Wir hatten zwar 27 Schüsse, das ist sehr gut, aber auf das Tor nicht so viele. Wir müssen es noch besser ausspielen. Wir haben klasse Spieler, daran gilt es zu arbeiten.“

Marco Djuricin nach dem Spiel mit Lukas Spendlhofer

Eines nicht zu entschuldigen

Teamkollege Marcel Sabitzer sah es teilweise ähnlich. „Es ist zwar immer unnötig, dass wir so viele Chancen brauchen, aber wir haben gewonnen. Trauriger wäre es, wenn wir zu keinen Chancen kommen würden. Aber wenn der Sieg heute nicht verdient war, dann weiß ich es auch nicht.“

Dieses Mal bedeutete eine Fünferkette nicht das Ende. Aus zweierlei Gründen, wie Sabitzer erläuterte: „Wir haben es erstens gut gemacht und es zweitens nicht immer nur durch die Mitte probiert.“

Was weniger gut gemacht wurde, war die Zuteilung vor dem 1:1. Sie war vielmehr katastrophal.

„Sturm ist wohl die stärkste Mannschaft der Liga bei Standards. Mich hat schon zuvor das Foul von Naby Keita, das zur ersten Chance führte, gestört. Madl kann dann bei der Ecke alleinstehend auf das Tor köpfeln, danach kommt auch noch Piesinger frei zum Schuss. Das ist nicht zu akzeptieren und nicht zu entschuldigen“, war auch Adi Hütter darüber alles andere als erfreut.

Salzburger Reaktion

Der Trainer, der die Innenverteidiger Duje Caleta-Car („Junge Spieler muss man dann auch einmal wieder rausnehmen“) und Andre Ramalho („Natürlich zählt die Zukunft“) zugunsten von Stefan Ilsanker („Ist aggressiv und hat die Erfahrung“) auf die Bank setzte, zeigte sich sonst zufrieden.

„Wir waren heute viel aktiver, vor allem im Spiel gegen den Ball. Das haben wir gegen Altach nicht gut gemacht. Heute haben wir den Gegner nicht rausgelassen. Wir haben Sturm zu Fehlern gezwungen, das ist auch unser Spiel. 27 Schüsse zeigen, wir waren sehr agil. Wir haben versucht, hinter die Abwehr zu kommen. Das haben wir gegen Altach überhaupt nicht gemacht.“

Plus: „Wir haben heute die Zweikampfquote (56:44 Prozent) im Spiel gegenüber Altach (39:61) korrigiert. Ich habe von einer Reaktion gesprochen und das war heute ein wichtiger Faktor.“

Soriano erleichtert

Eine Reaktion hat auch Kapitän Jonatan Soriano gezeigt, dem das 2:1 nachträglich noch zugesprochen werden dürfte. Zumindest wird es Referee Oliver Drachta so kommunizieren.

Der Spanier brach seine Torsperre, traf er doch inklusive Europa League in den letzten vier Spielen nicht. Soriano zeigte sich beim Gang in die Kabine erleichtert, Hütter sprach kurz danach mit ihm.

„Es ist sicher auch ein Knoten geplatzt. Man hat es gemerkt, in vielen Situationen, in denen er die falsche Entscheidung getroffen hat. Das ist eben manchmal als Fußballer so, da spielt sich auch viel im Kopf ab. Ich hoffe, dass ihm dieses Tor Auftrieb gibt, wir brauchen seine Tore.“

Die Erleichterung merkte man der Mannschaft generell an. Zwar hatte man mit dem 0:1 gegen Altach nur ein Spiel verloren, doch der Druck vor der Partie war spürbar. Mit einer weiteren Niederlage hätte man das Titelrennen spannender gestaltet, als es dem Team lieb gewesen wäre.

Druck standgehalten

„Wir wissen schon, dass Rapid Druck von hinten gemacht hat. Es hätten nach dem Spiel nur noch sechs Punkte Vorsprung sein können. Da heißt es dran bleiben und viele Siege einfahren“, sprach Sabitzer, „Altach war ein sehr schwaches Spiel, aber eine Niederlage kann immer einmal passieren. Das war kein Beinbruch, wir haben heute nachgesetzt und hochverdient gewonnen.“

Konrad Laimer (Hütter: „Läuferisch unglaublich und hat mit Keita toll harmoniert“) sah es ähnlich: „Wir haben die richtige Antwort mit einem super Spiel abgegeben. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können.“

Schließlich will Salzburg nicht nur Meister werden, sondern „in style“, wie Ralf Rangnick am Donnerstag anmerkte. Der Noch-Sportchef war wie ÖFB-Teamchef Marcel Koller im Stadion.

 

Bernhard Kastler / Peter Altmann

Salzburg

Sturm

Ballbesitz

58,6%

41,4%

Zweikämpfe

55,6%

44,4%

Eckbälle

10

2

Torschüsse

27

8

Torschüsse außerhalb Strafraum

12

4

Torschüsse innerhalb Strafraum

15

4

Kopfballchancen

5

2

Abseits

5

2

Fouls

7

18

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