Salzburger Reaktion oder Fodas "Premierensieg"?

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Ein Tabellenführer, der um seinen Heimnimbus kämpft. Ein Gast, der sich zuletzt in ausgezeichneter Verfassung präsentierte.

Ein Stürmer, der gegen seinen Ex-Verein sein erstes Liga-Tor für seinen neuen Arbeitegber erzielen will. Ein Trainer, der gegen seine Negativbilanz auf Salzburger Boden kämpft.

Das Sonntagsspiel der 25. Bundesliga-Runde, RB Salzburg gegen Sturm Graz, hat einige interessante Aspekte zu bieten:

UNTER DRUCK: Vier Heimniederlagen gab es in der Red-Bull-Ära in einer Saison noch nie. Gut für Salzburg, dass das 0:1 gegen Altach aus der vergangenen Woche gleich mit dem nächsten Heimspiel wieder vergessen gemacht werden kann. „Wir wollen eine Reaktion zeigen“, verspricht Trainer Adi Hütter. Ein weiterer Patzer würde das Titelrennen wohl auch wieder spannender machen, als es den „Bullen“ lieb ist. Nach 17 Heimpartien ohne Niederlage gegen Sturm (in der RB-Ära) wurden die letzten beiden verloren. Im Frühjahr 2014 mit 1:2, als man schon als Meister feststand. Und Spiel eins nach dem K.o. von Malmö im CL-Playoff im Herbst. „Dieses Mal ist Salzburg nicht angeknackst“, verspricht Ex-Grazer Marco Djuricin. Der geht davon aus, dass sich die Grazer nicht so defensiv verhalten werden wie die Vorarlberger zuletzt und das dem (zuletzt lösungslosen) Salzburger Spiel entgegenkommt. Doch ein Spiel gegen einen vergleichbaren Gegner verlor der Meister auch gegen Rapid zum Ende der Herbstsaison (1:2), während die 2:3-Niederlage gegen die Austria auch noch der Malmö-Krise zugeschrieben werden darf. Remis gab es in dieser Saison in der Red-Bull-Arena nur eines – und da verhinderte Kapitän Jonatan Soriano mit zwei Elfern in der Schlussphase die Pleite gegen den WAC.

FODAS BILANZ: Am Freitag im Mediabriefing gab sich Foda vor dem Gang in die Mozartstadt zuversichtlich. Salzburg sei zwar die beste Mannschaft in Österreich und die Tabelle würde nie lügen, trotzdem wolle man Zählbares mitnehmen: „Wir wollen selbstbewusst auftreten, unser Spiel durchziehen und nicht auf den lieben Gott hoffen, sondern den Gegner unter Druck setzen. Wir sind in der Lage, auch in Salzburg zu gewinnen.“ Wie eingangs erwähnt, ist der „Salzburg-Fluch“ der Steirer durch die beiden jüngsten Siege in Wals-Siezenheim ad acta gelegt, und die Hütter-Elf ist in dieser Saison in ihrer Heimstätte zu erwischen. Foda selbst kennt das Gefühl eines Sieges in der „Bullen-Arena“ jedoch nur vom Hörensagen. Zu den 17 Gastspielen ohne Sieg in der Red-Bull-Ära kamen noch fünf bei Austria Salzburg. Bevor unter Darko Milanic dieser unglaubliche Negativlauf beendet wurde, fuhr Ivica Osim im Juli 2002 im alten Lehener Stadion den letzten Sieg der „Blackies“ auf Salzburger Boden ein. An der Negativserie war auch Foda als Langzeit-Coach beteiligt, seine Bilanz in Salzburg ist definitiv verbesserungswürdig: Elf Niederlagen stehen zwei Remis gegenüber. Die aktuelle Form Sturms kann ihn aber zumindest auf seinen Premierensieg in der „Bullen-Arena“ hoffen lassen.

 

Bernhard Kastler/Peter Altmann

AUFSTELLUNG: Mit Marcel Sabitzer kehrt ein Sieggarant der letzten beiden Salzburger Bundesliga-Siege nach Rotsperre zurück. Beim 3:1 zu Hause gegen Grödig verbuchte der 20-Jährige einen Doppelpack, beim 4:1 in der Südstadt gegen die Admira erzielte Sabitzer erst das 1:0, ehe er nach 22 Minuten mit Rot vom Platz musste. Sollte Djuricin gegen sein Ex-Team in der Spitze spielen, würde Sabitzer wohl eine Reihe weiter hinten im 4-2-2-2 spielen. Auf der anderen Seite entweder der bislang im Frühjahr enttäuschende Massimo Bruno oder Takumi Minamino. Nicht auszuschließen ist, dass Trainer Hütter nach der enttäuschenden Vorstellung mit Valon Berisha oder Felipe Pires frisches Blut bringt. Christoph Leitgeb wird auch gegen seine „Liebe“ Sturm nicht am Start sein. Ob seiner Knieprobleme, die dem 29-Jährigen schon früher zu schaffen machten, gehen die Salzburger behutsam mit ihm um. „Es ist eine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Hütter. Nach der Länderspielpause soll Leitgeb idealerweise Anfang April wieder für Salzburg auflaufen.

DAS WIEDERSEHEN: Mit elf Saison-Treffern für Sturm hat Djuricin gute Chancen, auch am Ende der Spielzeit die vereinsinterne Schützenliste der Grazer anzuführen. Sein erster Meisterschafts-Treffer für Salzburg soll jedoch nicht ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber gelingen – zumindest wenn es nach seinen Ex-Kollegen geht. „Ich wünsche Marco alles Gute, wir sind gute Freunde geworden, aber in diesem Spiel gönne ich ihm nicht viel“, stellt Lukas Spendlhofer klar. Als Innenverteidiger bekommt es die Inter-Leihgabe, auf die auch Salzburg ein Auge geworfen haben soll, im direkten Duell mit dem Angreifer zu tun. Sturm hat das Erbe Djuricins bekanntlich auf mehrere Schultern verteilt. Trainer Franco Foda ist immer noch voll des Lobes über seinen Ex-Schützling: „Man kann keinen Spieler eins zu eins ersetzen. Marco hatte seine eigene Identität und Persönlichkeit. Er war sehr wichtig für uns, gerade in Umschaltphasen konnte er den Ball gut halten.“

ROTATION: Durch das Nachtragssiel am Mittwoch in Grödig hat Sturm zwei englische Wochen in Folge in den Beinen. Entgegen seinem Ruf, gerne an einer eingespielten Elf festzuhalten, nutzte Foda in den vergangenen Wochen die größer gewordene Tiefe seines Kaders aus. „Die Belastung war sehr hoch, deshalb haben wir viel rotiert, damit immer frische Spieler im Spiel sind. Das hat sich letztendlich ausgezahlt“, betont der 48-Jährige. Auch für das Salzburg-Spiel sei die eine oder andere Umstellung möglich. So könnte etwa Daniel Offenbacher in die Startelf zurückkehren. Interessant ist auch, wer im Spiel eins gegen Djuricin an vorderster Front den Ersatzmann des Neo-Salzburgers gibt. Rückkehrer Roman Kienast hat sich wieder bestens ins Sturm-Spiel eingefügt und bereits drei Frühjahrs-Treffer zu Buche stehen. Bright Edomwonyi wartet indes noch auf sein erstes Erfolgserlebnis. Mit seiner Schnelligkeit wäre er in einem Match, in dem diverse Umschaltsituationen zu erwarten sind, aber eine Option. Zudem ist seine Salzburg-Vergangenheit tendenziell eine Extra-Motivation. Foda über seine beiden Stürmer: „Wir haben Roman geholt, weil wir wussten, dass er in der Box gefährlich ist und Tore erzielt. Er passt sportlich und menschlich gut zu uns. Eddie hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er viel Potenzial hat. In der Meisterschaft hat es noch nicht so geklappt, aber ich habe großes Vertrauen in ihn. Ein Tor wäre wichtig. Aber er wird kommen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.“

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