"..., aber die Austria ist mir ziemlich wurscht"

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Im 312. Wiener Derby prallen Welten aufeinander. Aufgrund der aktuellen Form wird es ein Duell der Gegensätze.

Während in Hütteldorf und rund um das Happel-Stadion die Sonne scheint, herrscht wenige Kilometer weiter südlich Tristesse.

Ob Tabellenposition, Siegesserie, Selbstvertrauen oder Leistungsvermögen – derzeit spricht sehr viel für Rapid. Aber genau darin liegt die Gefahr.

„Wir hatten in den letzten Spielen fast die perfekte Punkteausbaute, viele sehen uns als Favorit. Aber als Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht, kann die Austria ganz gefährlich werden“, warnt Sportdirektor Andreas Müller.

Krise macht Gegner unberechenbar

Auch Stefan Schwab stimmt im Gespräch mit LAOLA1 leisere Töne an. „Wir dürfen nicht ins Spiel gehen und glauben, dass wir schon der Sieger sind, nur weil sie gerade in der Krise sind.“

Die derzeit vorhandene Ruhe sowie der Glaube an sich selbst nach einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen mit nur zwei Remis vermitteln derzeit den Eindruck, Berge versetzen zu können.

Laut dem Mittelfeldstrategen fährt man durchaus mit breiter Brust nach Favoriten, wo am besten die violette Krise noch verschärft und damit verbunden die Ablöse von Gerald Baumgartner forciert werden könnte.

Während Trainer Zoran Barisic öffentlich meint, dass diese Causa eine ist, „die von Rapid nicht zu beeinflussen oder zu kommentieren ist“, geht er gegenüber LAOLA1 doch näher darauf ein.

Mitgefühl mit Baumgartner-Schicksal

Siegen oder fliegen blieb dem 44-jährigen Wiener, dessen Amtszeit 2013 mit einem 2:2 im Derby begann, bisher erspart. Seitdem musste er sich in sieben Duellen mit den Veilchen erst einmal geschlagen geben – beim 2:3 im letzten Kräftemessen.

„Wir haben etwas zu beweisen“, stellt „Zoki“ klar, dass er von der bisherigen Spielphilosophie nicht abweichen will. „Wir wollen so schnell wie möglich Zugriff und die Kontrolle haben, hoch attackieren. Wir wollen dominieren!“

Dass die Austria im Derby über sich hinauswachsen könnte, ist dabei eingeplant. Seiner Meinung nach sei gegen Rapid jeder doppelt motiviert und verlasse teilweise mit Krämpfen das Spielfeld.

„Wir sind derzeit aber mental sehr stark. Wir wollen uns präsentieren und zeigen, dass wir besser sind. Wir haben Respekt, aber das war es schon.“

Auf dem Weg zu einer Einheit

Die derzeitige Form macht es möglich. Zuletzt lieferte man beim 1:0 gegen Altach den Beweis, dass auch fünf Veränderungen in der Startelf keinen Leistungsabfall bedeuten müssen.

„Ich glaube, dass wir immer mehr zusammenwachsen, dass wir eine richtige Truppe und Einheit werden. Wir fighten füreinander auf dem Platz, wir stecken nicht auf. Das ist sicher ein kleiner Schlüssel“, verrät Schwab eines der Erfolgsgeheimnisse.

Die positive Stimmung, die Möglichkeit, in Ruhe zu arbeiten und Mechanismen greifen zu sehen, sind eine nicht oft vorhandene Chance für Rapid, die es bestmöglich auszunützen gilt.

„Wir halten die Jungs nicht auf. Sie sollen diesen positiven Trend mitnehmen“, gibt Müller seinen Schützlingen auf den Weg. Frische, zuletzt geschonte Kräfte stehen bereit.

Im besten Fall soll die Sonne auch noch nach dem Duell der Gegensätze in Hütteldorf sowie rund ums Happel-Stadion und nicht in Favoriten erstrahlen.


Alexander Karper

Barisic findet nicht gut, wie mit der Thematik umgegangen wird und zeigt sogar Mitgefühl für sein Gegenüber Baumgartner. Eine Schnittpartie ausgerechnet im Derby grenzt zusätzlich an Strafverschärfung.

„Trainer bei Spitzenmannschaften stehen unter sehr, sehr großem Druck. Man sollte schon wissen, dass da Schicksale zusammenhängen und es Menschen gibt, denen es dabei nicht so gut geht. Es hängen Familien hinten dran. Das sollte man respektieren.“

Große Analysen oder Breitseiten gegen den Kontrahenten blieben erwartungsgemäß aus. Vielmehr wird im grün-weißen Lager die Meinung transportiert, dass die Austria zuletzt schlechter gemacht wurde, als sie tatsächlich ist.

Trotz zehn Punkten Vorsprung "geht es um alles"

Von der Papierform her sprechen drei Punkte aus vier Rückrunden-Partien sowie Tabellenrang sechs eine klare Sprache. Das Potenzial sei aus der Sicht von Steffen Hofmann aber durchaus vorhanden.

Zehn Punkte Vorsprung auf den violetten Erzrivalen stellen zumindest laut dem Erinnerungsvermögen des Deutschen ebenfalls ein Novum dar.

„So viel Vorsprung haben wir noch nicht vor einem Derby gehabt, ich könnte mich zumindest nicht daran erinnern. Aber im Derby zählt das nicht, da geht es um alles“, verweist der Kapitän auf die Tatsache, dass sich auch Rapid mit Derby-Siegen schon mehrmals aus der Krise gezogen hatte.

„Von der Qualität her sollte die Austria nicht dort stehen, wo sie jetzt ist. Aber die Austria ist mir ziemlich wurscht.“

Mentale Stärke als zusätzlicher Bonus

Klare Worte, die sein Coach nicht so stehen lassen kann. Schließlich wisse man über die Stärken des Gegners Bescheid, Respekt spiele eine große Rolle.

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