Rapid bewies: Wo ein Wille, dort auch ein Weg

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Ein Zeichen sollte beim 1:0-Erfolg über Altach gesetzt werden – sportlich, wie auch auf den Rängen.

Wer sich nicht an die Regeln der Bundesliga hält, der wird bestraft.

Doch was grundsätzlich nach drakonischen Maßnahmen klingt, entpuppte sich schon bei der Urteilsverkündung als Augenauswischerei.

Sperre des Fanblocks klingt hart, aber fair. Im höchstens zu einem Drittel gefüllten Happel-Stadion demonstrierte die grün-weiße Fan-Szene jedoch, wo ein Wille, da auch ein Weg.

Fanblock-Sperre macht erfinderisch

Während die Kurve C/D abgeriegelt wurde, schlug der harte Kern seine Zelte im vorgeschlagenen Ausweichsektor, dem gegenüberliegenden 2. Rang des Block A, auf.

Trotz Unmutsäußerungen im Vorfeld und Boykott-Ideen war es schlussendlich eine weitere Möglichkeit, die Autorität der Bundesliga zu untergraben.

Das angekündigte Verbot von Fahnen, Transparenten und Co. wurde umgangen, der Liga-Vorstand trotz Minuskulisse von 8.700 Zuschauern mit Schmährufen auch noch verhöhnt.

Gedämpfte Stimmung? Geisterspiel-Atmosphäre? Von wegen. „Eine richtig coole Aktion von den Fans und dem Verein, die es zusammen hingekriegt haben, dass wieder coole Stimmung herrscht. Das pusht uns natürlich. Zum Glück können die Fans zufrieden nach Hause gehen“, fühlte sich Stefan Schwab gegenüber LAOLA1 vom Support beflügelt.

Einzig und alleine die neuerliche Geldstrafe von 35.000 Euro wiegt aus Rapid-Sicht schwer. Doch das nächste Urteil nach den Vorfällen in der Südstadt steht unmittelbar bevor.

Barisic übertrifft sich selbst

Die Vorgehensweise der Fans animierte scheinbar auch Trainer Zoran Barisic, zu beweisen, dass, wo ein Wille, auch ein Weg ist.

Seine personellen Experimente der ersten drei Frühjahrs-Runden (LAOLA1 berichtete) toppte der 44-jährige Wiener gegen die Vorarlberger um Längen.

Die Rotation wurde mit fünf Umstellungen im Vergleich zum 1:0-Erfolg gegen Sturm vorangetrieben. Bei einem Durchschnittsalter von 23,4 Jahren hob ausschließlich der 31-jährige Jan Novota den Wert an.

Statt Thomas Schrammel, Thanos Petsos, Steffen Hofmann, Florian Kainz und dem gelbgesperrten Robert Beric kamen Srdjan Grahovac, Stefan Stangl, Deni Alar, Dominik Starkl und der zuletzt sogar nur auf der Tribüne sitzende Philipp Schobesberger zum Zug.

Neue Frische, selbes Manko

„Wir wollten in einer Woche mit drei schweren Spielen frische Spieler bringen. Schnelligkeit, Beweglichkeit und Technik – was das Spiel und das Ergebnis betrifft, ist das heute aufgegangen“, bestätigte Barisic.

Die Veränderungen zeigten Wirkung, teilweise war mehr Leben im Rapid-Spiel spürbar, als mit so manch arriviertem Profi auf dem Blankett.

Anders als bei der 0:1-Heimschlappe im Herbst wurden diesmal Chancen en masse herausgespielt, wieder haperte es gegen destruktive Altacher an der Effektivität.

„Der Inhalt unseres Spiels war sehr gut. Unser Manko bleibt es aber weiterhin, die Tore zu machen“, war der Chefbetreuer wie schon gegen Sturm dem Herzkasperl nahe.

Elfmeter-Diskussionen nehmen überhand

Selbst vom Elferpunkt wollte es nicht klappen. Nach zwei verwehrten, zu gebenden Strafstößen (Schreiner vs. Starkl, Seeger vs. Stangl), quasi als Ausgleich für das Sturm-Spiel, blieb beim dritten Mal die Pfeife von Schiedsrichter Alexander Harkam nicht mehr stumm.

Damir Canadi konnte die Entscheidung nicht verstehen, tatsächlich war das Foul, das zu Benedikt Zechs erster von zwei Gelben an diesem Abend führte, das harmloseste der drei Situationen.

Deni Alars vergebener Versuch hätte zum Knackpunkt werden können, auch aufgrund des überragend haltenden Andras Lukse im Altacher Tor. „Die Torhüter unserer Gegner halten anscheinend immer fantastisch“, lobte selbst Barisic den gegnerischen Keeper mit grün-weißer Vergangenheit.

Dafür, dass schlussendlich nicht über gerechtfertigte oder nicht gerechtfertigte Elfer diskutiert werden musste, sorgte Philipp Prosenik. Sein Last-Minute-Tor in Minute 95 war der verdiente Lohn für all die Mühen.

Proseniks Ausrufezeichen im Schatten von Beric

„Ich kann mir vorstellen, was in ihm vorgeht. Wir haben ihn damals aus dem Urlaub geholt, da war er vom Zustand eines Leistungssportlers weit entfernt. Er hat hart gearbeitet, sich im Team untergeordnet und heute hat es mit einem tollen Erlebnis geklappt“, freute sich „Zoki“, der den Sieg dem 19-jährigen, erneut schwer verletzten Andreas Kuen widmete, über das einen Tag zu spät kommende Geburtstagsgeschenk für den nun 22-Jährigen.

Erst in der 76. Minute eingewechselt, avancierte der frühere Chelsea- und Milan-Nachwuchsspieler quasi in letzter Sekunde zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem Goldtor in der zweiten ÖFB-Cup-Runde gegen Wallern zum Matchwinner.

„Ein Stürmer lebt von Toren, das hilft mir weiter und ist positiv. Wir haben den Luxus, dass wir drei Stürmer haben, wovon einer trifft, wie er will. Deni und ich sind aber auch immer für Tore gut“, spricht Prosenik über seine Entwicklung im Schatten von Robert Beric und Deni Alar.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie wichtig dieses Tor für den weiteren Saisonverlauf sein könnte. Auch Prosenik blieb dem heutigen Motto treu: Wo ein Wille, dort auch ein Weg – selbst in Minute 95.

Alexander Karper

Rapid

Altach

Ballbesitz

68,7%

31,3%

Zweikämpfe

47%

53%

Eckbälle

8

0

Torschüsse

15

2

Torschüsse außerhalb Strafraum

5

1

Torschüsse innerhalb Strafraum

10

1

Kopfballchancen

2

0

Abseits

2

2

Fouls

12

18

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