"Haben Altach unter meiner Mithilfe zurückgebracht“

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„Aus der Krise geschossen“, „Es war ein Befreiungsschlag“, „Ein ganz wichtiger Sieg“.

Alles Sätze, die die Gefühlswelt der Wiener Austria nach dem 5:2-Heimerfolg  gegen SCR Altach beschrieben und von den Spielern getätigt wurden.

Man merkte förmlich die Erleichterung in Wien-Favoriten.

Nach dem verpatzten Auftakt gegen den WAC wurde die Partie gegen den Aufsteiger bereits als Schicksalsspiel für Trainer Gerald Baumgartner bezeichnet – auch wenn die Vereinsführung eine Trainerdiskussion kategorisch ausgeschlossen hatte.

Nach dem ersten Dreier im Kalenderjahr 2015 hat sich der Salzburger ein wenig aus der Schusslinie manövriert – wieder einmal.

„Es war heute eine  große Drucksituation“

Denn bisher konnte seine Truppe im Verlauf der durchwachsenen Meisterschaft alle Schnittpartien für sich entscheiden.

„Es war heute eine  große Drucksituation – auch für mich. Aber die Mannschaft hat das gut gemacht und vom Start weg Gas gegeben. Es war ein verdienter Sieg. Wir haben eine Reaktion gezeigt, aber das war auch notwendig“, gestand der 50-Jährige.

Alexander Gorgon wirkte nach dem zweithöchsten Saisonsieg bei LAOLA1 ebenfalls enorm erleichtert, jedoch auch ein wenig nachdenklich.

„Mir kommt vor, dass  wir den größten Druck brauchen, um eine gute Leistung  bringen zu können. Es ist traurig, dass es so ist. Wir sind Profis, sollten jede Partie mit der gleichen Einstellung absolvieren“, erklärte der 26-Jährige.

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“

Und überbewerten möchte der Wiener den Erfolg gegen die an diesem Tage fehlerhaften Vorarlberger schon gar nicht.

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es wartet noch immer viel Arbeit auf uns. Ich hoffe, dass es mit diesem Spiel eine Trendwende gibt. Es war für das Selbstvertrauen sehr wichtig, einen Sieg in dieser Höhe feiern zu können. In Zukunft ist es wichtig, dass wir auch vermeintlich leichte Partien mit der richtigen Mentalität angehen."

Doch so absurd es nach der bisherigen Achterbahnfahrt der Austria klingt, ist heuer für die Veilchen noch einiges drin. „Wir stecken zwar aktuell  irgendwie im Niemandsland, das komische an dieser Saison ist, dass aber noch immer alles in der Tabelle möglich ist. Wir haben noch immer Chancen auf Platz zwei“, so der Doppel-Torschütze.

„Hinter Salzburg wird es eine enge Kiste“

Diese Meinung vertritt auch Baumgartner. „Ich habe es schon vor dem Frühjahrsstart gesagt und sage es jetzt wieder: Hinter Salzburg wird es eine enge Kiste. Wer eine Serie hinlegt, kann sehr schnell nach oben klettern. Für uns gilt nach dem Sieg heute: Ball flachhalten und weiter hart arbeiten.“

Denn wie sehr Sieg und Niederlage zusammenliegen, zeigten die 60 Sekunden zwischen der 62. und 63. Minute, als Heinz Lindner das Spiel noch einmal spannend machte und Altach von 0:3 auf 2:3 verkürzte.

Beim ersten Gegentreffer löste der ÖFB-Teamgoalie eine Eins-gegen-Eins-Situation gegen Hannes Aigner ungeschickt, beim zweiten leistete sich Lindner einen schweren Schnitzer, als er sich den Ball nach einem Rückpass zu weit vorlegte und  erneut Aigner zur Stelle war.

Im LAOLA1-Interview nimmt der Oberösterreicher zu seinen Fehlern Stellung, spricht über den wichtigen Sieg und Philipp Hosiner.

LAOLA1: Heinz, man sieht euch förmlich, den Stein, der euch nach dem 5:2 vom Herzen fällt:

Heinz Lindner: Die Erleichterung ist groß. Wir waren heute super gut. Es war ein Befreiungsschlag, ein ganz wichtiger Sieg. Jetzt müssen wir schauen, dass wir nächste Woche nachlegen können.

LAOLA1: Trainer Gerald Baumgartner wäre bei einem Negativerlebnis wohl mehr als angezählt gewesen. Bis jetzt habt ihr alle diese Schnittpartien gewonnen. Braucht die Mannschaft diesen besonderen Druck?

Lindner: Ob es ein Schicksalsspiel für den Trainer war, weiß ich nicht, da bin ich der falsche Ansprechpartner. Wir wollten schon in Kärnten ein gutes Spiel abliefern, doch da ist es uns nicht gelungen. Heute haben wir es uns noch mehr vorgenommen und deswegen bin ich sehr glücklich, dass wir so ein Spiel abgeliefert haben.

LAOLA1: Du wirst  aufgrund des Fehlers, der zum 2:3 führte und die Partie noch einmal spannend gemacht hat, besonders froh über die drei Punkte sein.

Lindner: Der Fehler war bitter – keine Frage. Hannes Aigner ist bekannt dafür, dass er kompromisslos draufgeht. Ich habe mir den Ball leider zu weit vorgelegt. Das war Pech, kann aber passieren.

LAOLA1: Schon beim Derby hattest du zwei Schnitzer. Es scheint, als hättest du zuletzt deine Souveränität verloren. Beschäftigst du dich vielleicht zu sehr mit deiner Zukunft, wie es im Sommer weitergeht?

Lindner: Gut, der Fehler im Derby ist schon lange her, meiner Meinung nach, kann man den Schnitzer mit dem gegen Altach auch nicht vergleichen. Nichtdestotrotz: Fehler passieren. Ich mache mir deswegen keinen Kopf. Mich beschäftigt das nicht. Sollte ich einen anderen Eindruck vermitteln, weiß ich schon, was ich ändern muss.

LAOLA1: Du strahlst heute dennoch irgendwie ganz besonders. Warum?

Lindner: Wegen des Sieges, der tut unheimlich gut. Wir haben eine sehr gute Mannschaftsleitung geboten, haben in der ersten Hälfte sehr, sehr wenig zugelassen – eigentlich auch in der zweiten Hälfte. Leider haben wir unter meiner Mithilfe die Altacher zurück gebracht, doch am Ende zählen die drei Punkte.

LAOLA1: Wie beurteilst du die Startelf-Debüts von den Winter-Zugängen Holzhauser und Stronati?

Lindner:  Sie haben eingeschlagen. Raphael hat die Standardsituationen sehr gut geschossen. Jede einzelne war wirklich gefährlich. Stronati hat hinten die Schotten dichtgemacht. Beide haben dann auch noch gleich bei ihrem Debüt getroffen und uns damit sehr geholfen.

LAOLA1: Am Schluss hat es Sprechchöre für Philipp Hosiner gegeben. Ihr seid letzte Woche schon mit einem „Gute Besserung Hosi“-T-Shirt aufgelaufen. Hast du gewusst, wie es ihm gesundheitlich geht?

Lindner: Ich finde es toll, dass die Fans Hosi unterstützen, überhaupt der ganze Zuspruch von allen Seiten ist eine schöne Geste. Ich hoffe, dass er sich darüber freuen kann und es ihm Kraft gibt. Wer ihn besser kennt, wusste schon Bescheid. Doch das musste natürlich intern bleiben. Er hat entschieden, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das finde ich einen guten Schritt. Ich drücke ihm ganz fest die Daumen, dass alles wieder gut wird und er noch stärker zurückkommt.

LAOLA1: Wie bist du mit dieser schrecklichen Nachricht umgegangen?

Lindner: Wenn du erfährst, dass ein Freund von dir so etwas hat, geht es dir natürlich nicht gut damit. Man muss daher immer froh sein, dass es einem selber gesundheitlich gut geht. Ich bin froh, dass die Operation gut verlaufen ist. Ich, die Mannschaft und ganz Fußball-Österreich wünschen ihm alles Gute.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

Austria Altach
Ballbesitz 46,5% 53,5%
Zweikämpfe 47,5% 52,5%
Eckbälle 7 4
Torschüsse 14 14
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 8
Torschüsse innerhalb Strafraum 9 6
Kopfballchancen 1 2
Abseits 2 1
Fouls 18 10
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