"Muss mehr Herz und Leidenschaft einfordern"

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Was wurde vor Saisonstart im Lager der Wiener Austria nicht von einer guten Auslosung gesprochen.

Grödig zum Auftakt daheim, danach auswärts gegen Lieblingsgegner WAC. Insgeheim rechnete man wohl mit sechs Punkten.

Vollkommen falsch gedacht.

Geworden ist es gerade einmal ein Pünktchen. Denn nach dem glücklichen 1:1 gegen die Salzburger dank eines Treffers von Ola Kamara in der 93. Minute, setzte es am Samstag-Nachmittag in Wolfsberg ein 0:4-Debakel.

Nach der ersten Auswärts-Niederlage der violetten Vereinsgeschichte bei den „Wölfen“ ist sogar der schlechteste Saisonstart seit 2006 perfekt.

Damals gab es nach dem Meistertitel in den ersten beiden Partien unter Trainer Frenkie Schinkels ein 0:0 gegen den GAK (daheim) und ein 0:2 gegen Pasching (a).

Furchtbares Shikov-Debüt

Ein Mitgrund für die heftige Klatsche in der Lavanttal-Arena war zweifelsohne der frühe Ausschluss von Debütant Vanche Shikov. Nach einem Gerangel im Strafraum versetzte der Mazedonier seinem Kontrahenten Boris Hüttenbrenner einen Schlag ins Gesicht (6.).

Eine klare Sache  für Schiedsrichter Robert Schörgenhofer und den Betroffenen. „Das war am Anfang ein normaler Zweikampf, wir haben gerangelt und dann hat er mir mit dem Ellenbogen eine auf das Kinn gegeben. Von daher war es eine klare rote Karte“, meinte der WAC-Akteur.

FAK-Coach Gerald Baumgartner sah es etwas anders, verteidigen wollte der 49-Jährige seinen Spieler aber keinesfalls: „Warum er das macht, muss man ihn fragen. Das ist eine harte Entscheidung, im Sechzehner wird viel gerangelt, trotzdem war es ein Fehler von unserem Spieler.“

„Schlüsselszene war das zweite Tor“

Der Knackpunkt war für den Salzburger jedoch der zweite Gegentreffer unmittelbar nach der Pause. „Natürlich hat uns der Ausschluss geschadet. Und das erste Tor – von dieser Position trifft man nicht immer. Wir haben danach gut verteidigt. Schlüsselszene war das zweite Tor direkt nach der Halbzeit. Wir wollten kein Tor kassieren, sondern eher eines schießen.“

Dass der Strafstoß, der zum 3:0 führte, eine „klare Fehlentscheidung war, weil Heinz Lindner vor Joachim Standfest den Ball spielt und dieser dann über unseren Torhüter fällt“, passte so wie das 0:4 in der Nachspielzeit zu diesem rabenschwarzen Tag der Violetten.

Mindestens so erschreckend wie das Ergebnis war jedoch auch die spielerische Linie. Kein Aufbäumen, kaum brauchbare Offensiv-Aktionen und zahlreiche Missverständnisse.

„Muss mehr Herz und Leidenschaft einfordern“

Die numerische Unterlegenheit zeigte die Schwächen nur noch mehr auf.

Denn laut Baumgartner „hat es schon Spiele gegeben, da haben zehn gegen elf Mann gewonnen. Wir müssen mehr Mentalität zeigen, auch wenn wir einer weniger sind. Als Trainer muss ich mehr Herz und Leidenschaft einfordern.“

Gegen den WAC fehlten diese Attribute total. Dementsprechend schockierte wirkte Thomas Parits nach der höchsten Pleite im Kalenderjahr 2014: „Ich kann mich nicht daran erinnern, wann unsere Mannschaft das letzte Mal so schlecht gespielt hat. Wir haben vermeidbare Tore bekommen und waren in der Offensive ganz schwach. Wir hatten keine einzige herausgespielte Torchance.“

Parits fordert Punkte

Für Baumgartner könnten die nächsten Tage ungemütlich werden, vor allem, wenn im kommenden Heimspiel gegen Aufsteiger Altach keine drei Punkte eingefahren werden.

„Wir müssen uns sehr stark steigern, sonst kommt das böse Erwachen. Wir stehen schon unter Druck, müssen das nächste Spiel gewinnen. Denn sonst verlieren wir den Anschluss“, fordert Partis.

Für Heinz Lindner keine ungewohnte Situation.

„Wenn man nach zwei Runden nur einen Punkt holt, ist es klar, dass man unter Druck steht. Und bei der Austria steht man sowieso immer unter Druck. Das weiß ich als Spieler, der hier unter Vertrag steht. Damit muss man aber leben können. Der ganze Verein hat sich den Auftakt anders vorstellt, dementsprechend sind wir jetzt gefordert. Wir müssen die bisherigen  Ergebnisse so schnell  wie möglich ausbügeln“, empfindet der Austria-Torhüter.

Und das will auch Daniel Royer: „Das Schöne am Fußball ist, dass man eine Woche später die Chance hat, ein bisschen etwas zu recht zu biegen.“

WAC Austria
Ballbesitz 56,6% 43,4%
Zweikämpfe 42,4% 57,6%
Eckbälle 6 5
Torschüsse 13 8
Torschüsse außerhalb Strafraum 3 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 10 2
Kopfballchancen 1 2
Abseits 2 3
Fouls 22 14
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