"Haben uns das Leben selbst schwer gemacht"

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„Die letzte Woche war für uns sicherlich nicht einfach. Umso glücklicher sind wir, dass wir 1:0 gewonnen haben“, konnte Zoran Barisic einen Schlussstrich unter das drohende Thema Fehlstart ziehen.

Das 1:6 in Salzburg steckte Rapid tagelang in den Knochen. Daran konnte auch das 3:1 im Test gegen Galatasaray nur wenig ändern.

Die gelungene Pflichtspiel-Premiere im neuen „Wohnzimmer“ Happel-Stadion gegen die SV Ried trug da schon eher zur Schmerzlinderung bei.

„Die Frage ist, ob Rapid aus der Spur war?“

Nach dem Debakel beim Double-Gewinner hieß die Devise, wieder zurück in die Spur zu finden. Ob dies mit den ersten drei Punkten der noch jungen Saison bereits gelungen sei?

„Die Frage ist, ob Rapid aus der Spur war?“, konterte Steffen Hofmann, „ich glaube nicht, dass heuer allzu viele Mannschaften in Salzburg gewinnen werden. Es war eine bittere Niederlage, aber die Punkte aus Salzburg werden uns am Schluss nicht fehlen.“

Die Punkte gegen die Innviertler kann Grün-Weiß indessen niemand mehr nehmen. Der Sieg war jedoch aufgrund des verschwenderischen Umgangs mit den eigenen Chancen eine schwere Geburt.

Barisic: „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, weil wir vor dem gegnerischen Tor nicht effizient genug waren. Speziell in der ersten Halbzeit hätten wir deutlich in Führung gehen können.“

„Deni ist ein Schleicher“

So blieb es Deni Alar vorbehalten, in Minute 65 das Goldtor zu erzielen. „Dieses Spiel war nicht einfach, aber wir wussten, wir müssen geduldig bleiben, denn wir bekommen sicher unsere Chance, das Tor zu machen“, berichtete der Torschütze.

Der 24-Jährige musste wegen des Startelf-Debüts von Robert Beric im Angriffszentrum auf den linken Flügel ausweichen, auf dem in Bälde mit Florian Kainz ein weiterer Ex-Sturm-Kicker zur Verfügung steht. So gesehen war dieser Treffer auch ein Ausrufezeichen im Konkurrenzkampf.

„Deni ist ein intelligenter Spieler. Ein Schleicher, vor dem Tor eiskalt“, lobte Barisic, der die Erwartungen an den Steirer jedoch bremste:

„Es ist einfach so, dass Deni sehr, sehr lange verletzt war. Da darf man keine Wunderdinge erwarten. Aber wenn er weiter hart an sich arbeitet und an sich glaubt, wird er wieder dort hinkommen, wo er einmal war.“

Ineffizienz kein Begleiter durch die grün-weiße Saison

Schon im vergangenen Frühjahr arbeitete sich Alar nach seinem Achillessehnenriss wieder heran. Die Probleme mit der Verletzung seien endgültig überwunden: „Ich konnte die Vorbereitung super mitmachen. Angst habe ich überhaupt keine. Noch in der letzten Saison habe ich gegen Ried einen Schlag auf die Achillessehne bekommen. Das hat mir gezeigt, dass alles gut ist.“

„Relativ gut“ habe wiederum die Zusammenarbeit mit Beric funktioniert, wobei es noch genügend Raum für Verbesserung gibt: „Es ist normal, dass es noch nicht ganz genau funktioniert, wenn ich vorne in die Tiefe spiele. Manchmal weiß ich noch nicht genau, wo er hinläuft. Aber das wird sicher noch besser werden.“

Diese angezogene Handbremse irritierte auch Glasner: „Insbesondere in der ersten Halbzeit waren wir zu ängstlich, zu inaktiv, haben uns nichts zugetraut. Thomas Gebauer hat uns im Spiel gehalten. In der zweiten Halbzeit haben wir uns anders präsentiert, aber in der Phase, in der wir das Spiel in den Griff bekommen haben, ist Rapid der Treffer gelungen.“

Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten sei auch Erfahrungssache und ein Prozess, den seine junge Mannschaft lernen müsse.

Nicht cool genug

Ebenso wie eine gewisse Konsequenz, die eigene Strategie durchzuziehen: „Wir haben schon hoch gepresst. Rapid hat, wie wir auch, schnell den langen Ball gespielt, das ist auch das Gegenmittel. Wir haben viele dieser zweiten Bälle nicht gehabt, und wenn wir sie hatten, haben wir sie ihnen unmittelbar wieder in die Füße gespielt. Beim Pressing geht es ja nur ums Ballerobern – das Entscheidende ist: Was machen wir dann daraus? Da waren wir nicht cool genug, haben die Situationen nicht gut genug ausgespielt.“

Wobei der 39-Jährige einerseits versuchte die Erwartungshaltung zurechtzurücken („Ich hoffe, nur weil wir Wiener Neustadt besiegt haben und Rapid in Salzburg verloren hat, hat niemand geglaubt, dass wir sie aus dem Stadion schießen“) und andererseits sarkastisch seine Spielphilosophie verteidigte:

„Wenn mir jemand die Garantie gibt, dass wir gewinnen, wenn wir uns am Sechzehner einigeln, werde ich das das nächste Mal machen.“

Die Strategie gegen Salzburg

Am kommenden Wochenende kommt es zum interessanten Aufeinandertreffen mit Ex-Arbeitgeber Salzburg, der im Innviertel gastieren wird. Gegen die „Bullen“ wolle er erst recht nicht von seiner aggressiven Strategie abweichen. Nach zwei Jahren als Co-Trainer würde er genau wissen, welche Spiele für RBS die schwierigsten waren:

„Und zwar jene gegen Rapid. Die haben sich nicht eingeigelt, sondern haben mit einer sehr robusten Spielweise in den Zweikämpfen dagegengehalten. Das mag diese Mannschaft am wenigsten. Wenn man sich zurückzieht und darauf wartet, dass ihre Offensivkräfte endlich in Ballbesitz sind und einen schwindlig spielen, hatten sie es in letzter Zeit relativ einfach.“

Wie es sich anfühlt, wenn sich der angehende Meister (Glasner: „Das wird ein Alleingang von Salzburg“) in einen Rausch spielt, weiß Rapid nur zu genau. Wichtig wird für die Konkurrenz in dieser Saison wohl der richtige Umgang mit etwaigen Niederlagen gegen den Liga-Primus.

Barisic: „Fußball ist so schnelllebig. Da muss man Erfolgserlebnisse verarbeiten können, genauso wie schwere Niederlagen.“

Letzteres ist den Wienern zumindest schon einmal gelungen…


Peter Altmann

Wie sich überhaupt die während der Transferzeit veränderte Offensive mit der Zeit noch besser finden sollte. Barisic glaubt nicht, dass Rapid die Ineffizienz der Ried-Partie durch die Saison begleiten wird:

„Es war ja auch in der ersten Hälfte der letzten Saison der Fall, dass wir irrsinnig viele Chancen gebraucht haben, bis wir zum Torerfolg gekommen sind. In der zweiten Saison-Hälfte waren wir viel effizienter. Ich habe gegen Ried viele positive Dinge gesehen: Wir spielen nach vorne und erarbeiten uns Torchancen. Wenn die Spieler vor dem Tor selbstbewusst, relaxed, konzentriert und konsequent genug sind, werden sie auch die nötigen Tore erzielen. Daran gilt es zu arbeiten, das geht nicht von heute auf morgen. Ich bin aber positiv gestimmt, das uns das gelingen wird.“

Schaubs Abtauchphasen

Zum Beispiel bei Louis Schaub, der Grün-Weiß vor der Pause mehrmals in Führung bringen hätte können. „Ronaldo hat einmal gesagt: ‚Wenn ich eine Chance vergebe, dann mache ich halt die nächste rein‘“, fiel Barisic zu seinem Jungstar ein und zog ein Fazit mit gemischten Gefühlen bezüglich der Leistung des 19-Jährigen:

„Ich war nicht unzufrieden. Er hat ab und zu seine Klasse aufblitzen lassen. Aber natürlich wünsche ich mir in Zukunft, dass seine Abtauchphasen etwas kürzer sind.“

So wie Schaubs vergebene Einschussmöglichkeiten sinnbildlich für Rapids Spiel standen, prägte mit Thomas Murg ein Jungstar das Rieder Spiel. Nach zurückhaltendem Beginn drehte der 19-Jährige mit Fortdauer der Partie auf.

„Je präsenter er geworden ist, desto präsenter ist auch unser Spiel geworden“, analysierte Trainer Oliver Glasner, „wenn er noch mehr in den Rhythmus kommt, kann und wird er sich noch weiter steigern. Er hat ähnlich wie Schaub große fußballerische Qualitäten. Die beiden sind ähnliche Spielertypen, die Eins-gegen-Eins-Situationen auflösen können und torgefährlich genug sind.“

Ängstlichkeit irritiert Glasner

Das Rieder Problem an diesem Abend: Von der guten Seite präsentierte man sich erst, als man schon auf die Verliererstraße eingebogen war.

„Wir sind viel zu spät ins Spiel gekommen, haben viel zu spät angefangen, richtig zu investieren und clever zu spielen. Erst mit Fortdauer des Spiels sind wir selbst mutiger geworden und haben Rapid auch unter Druck setzen können“, monierte Harald Pichler.

Rapid Ried
Ballbesitz 61,0% 39,0%
Zweikämpfe 47,5% 52,5%
Eckbälle 12 6
Torschüsse 19 17
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 12
Torschüsse innerhalb Strafraum 14 5
Kopfballchancen 4 1
Abseits 8 3
Fouls 16 12
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