"Lethargie? Dann kenne ich mich gar nicht mehr aus"

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Der Vorwurf: Bei neun Spielen in Folge ohne Sieg würden überall die Alarmglocken läuten, nur bei der Admira sei es ruhig wie in einer Kirche. Ob diese Lethargie nicht lähmend sei und man dies auf dem Platz sehen würde?

Walter Knaller: „Das ist eine Feststellung, die ich schärfstens zurückweisen muss! Das finde ich nicht korrekt.“

Bei der 0:2-Heimpleite gegen Sturm Graz war das Ergebnis der positivste Aspekt für die inferior auftretenden Südstädter. Schon vor der Roten Karte für Rene Schicker in Minute 14 waren die Gäste überlegen.

Dass seine Elf in dieser Partie nichts zu melden hatte, bestritt der Admira-Trainer auch gar nicht. Der bei der Pressekonferenz aufgetretene Vorwurf der Lethargie lag ihm jedoch umso schwerer im Magen.

„Viel Feuer und Leben drinnen“

„Das sehe ich überhaupt nicht so! Wenn man sieht, was in den letzten Monaten passiert ist, was wir kompensieren müssen, welche Arbeit wir leisten, um junge Spieler heranzuführen – wenn dann jemand sagt, dass in der Südstadt Lethargie herrscht, kenne ich mich gar nicht mehr aus! Da passiert so viel unter der Woche, es ist so viel Feuer und Leben drinnen – in der Truppe, im Trainer-Team, im Umfeld. Das ist das Letzte, was ich festgestellt hätte!“, ärgerte sich der 57-Jährige.

Sturm-Coach Franco Foda lag es am Herzen, seinem Kollegen zu Hilfe zu eilen: „Ich habe die letzten fünf Spiele der Admira analysiert, und ich habe kein Spiel gesehen, wo sie richtig schlecht waren. Auch bei Austria Wien war die Admira 60 Minuten lang auf Augenhöhe, erst nach der Roten Karte sind sie eingebrochen. Bei der Austria war es unglücklich und die anderen Spiele waren immer ganz eng.“

Eng, aber letztlich erfolglos. Von den letzten neun Spielen wurden fünf verloren, von den vier Unentschieden waren drei Nullnummern. Selbst erzielte man in diesen neun Spielen nur zwei Treffer.

Laut Knaller habe man derzeit nicht die Kreativität, um den Gegner im Angriffsdrittel auszuspielen: „Aber das ist auch das Schwierigste im Fußball. Das können zwei, drei Mannschaften in Österreich, dann wird es eh schon schwierig. Unser Problem ist, dass jetzt auch das Umschaltspiel ein bisschen lahmt.“

„Haben nicht die Möglichkeit, einen Maierhofer zu holen“

Womit wir bei einem gewissen Qualitäts- und Erfahrungsdefizit wären. Für den Admira-Coach sind die Abgänge von Thorsten Schick und Stefan Schwab sowie der verletzungsbedingte Ausfall von Wilfried Domoraud diesbezüglich kaum zu kompensieren.

Beziehungsweise sei es eine Frage der Geduld. „Ich will den Spielern nicht die Qualität absprechen“, stellte Knaller klar, „bei einem Marvin Egho zum Beispiel ist so viel drinnen. Aber das dauert jetzt Monate, vielleicht ein, zwei Jahre, bis man das auf den Platz bringt.“

Die ungeduldige Frage lautet, ob man diese Zeit im Abstiegskampf auch bekommt. Konkurrent Wiener Neustadt wählte eine proaktivere Herangehensweise, wechselte den Trainer und schlug auch am Transfermarkt zu. Bei der Admira feierte indes gegen Sturm mit Nico Löffler ein 17-jähriger Junioren-Teamspieler sein Bundesliga-Debüt, mit Philipp Malicsek saß ein weiterer auf der Bank.

„Wir haben nicht die Möglichkeit, einen Adam Susac oder Stefan Maierhofer zu holen. Wir befinden uns im wirtschaftlichen Bereich in einem Konsolidierungsjahr, da sind wir an der Decke. Wir müssen mit den Leuten, die wir haben, auskommen. Und wir bringen diese Spieler auch gerne“, verdeutlichte Knaller.

„Irgendetwas müssen wir machen“

Auch wenn es noch eine Zeit lang dauern würde, bis man das vorhandene Potenzial konstanter freilegen könne, weiß der Kärntner: „Natürlich brauchen wir einen Befreiungsschlag, einen Sieg, das ist ja ganz klar.  Aber nur wenn sie nicht fighten würden und kein Feuer in der Truppe wäre, kannst du uns abhaken. Aber uns kann man nicht abhaken, das haben wir schon bewiesen.“

Großes Aufrüsten in der Winter-Transferperiode ist in der Südstadt nicht zu erwarten, wobei Knaller auf den einen oder anderen Neuzugang hofft.

Die Niederösterreicher werden sich dabei wohl auf Schnäppchenjagd begeben – wie im Sommer, als man Eldis Bajrami und Egho von Rapid in die Südstadt lotste.

Knaller: „Wir haben immer wieder solche Projekte bei uns, wo wir Spieler holen, die nicht viel kosten oder die man ausleiht. Irgendetwas müssen wir machen, frisches Blut brauchen wir schon. Aber es ist sehr schwierig, uns sind ziemlich die Hände gebunden. Aber ein bisschen etwas wird sich vielleicht ergeben.“

Sonst könnte früher oder später doch Feuer am Dach sein...

Peter Altmann

Admira

Sturm

Ballbesitz

33,3%

66,7%

Zweikämpfe

45,5%

54,5%

Eckbälle

2

6

Torschüsse

7

22

Torschüsse außerhalb Strafraum

6

9

Torschüsse innerhalb Strafraum

1

13

Kopfballchancen

0

3

Abseits

4

2

Fouls

12

14

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