"So macht man den Gegner noch einmal heiß"

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„Das war ein sehr gutes Fußball-Spiel von zwei Mannschaften, die über 90 Minuten versucht haben, nach vorne zu spielen.“

Dem Lob von Adi Hütter konnte man sich nur anschließen. Der 2:1-Sieg seiner Salzburger bei Sturm Graz war definitiv eine der attraktiveren Partien in dieser Bundesliga-Saison.

Viele Offensivkombinationen, zahlreiche Torszenen und Spannung bis zur letzten Sekunde – Fußball-Herz, was willst du mehr?

Aus Salzburger Sicht ist diese Frage einfach beantwortet: Zumindest den letzten Punkt von dieser Auflistung streichen. Den Nervenkitzel bis zum Schlusspfiff hätte sich der Double-Gewinner vor der Europa-League-Reise zu Celtic Glasgow nur allzu gerne erspart.

„Das haben wir uns selbst zuzuschreiben“

„Wir hätten den Sack viel früher zumachen müssen – vielleicht schon in der ersten Halbzeit, und wenn nicht da, dann Anfang der zweiten Halbzeit. Aber so ist es halt im Fußball. Wenn du die Tore nicht machst, kommt der Gegner noch einmal zurück mit einem Treffer. So macht man ihn natürlich noch einmal heiß. Nichtsdestotrotz haben wir verdient gewonnen“, fasste Kevin Kampl zusammen.

Stefan Ilsanker ergänzte: „Sturm war wirklich ein harter Brocken, aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir haben es verabsäumt, das dritte Tor zu machen. Nach dem Anschlusstreffer ist es noch einmal hitzig geworden.“

Salzburg erwischte in beiden Halbzeiten einen Traumstart. In Minute acht scorte Massimo Bruno, in Minute 52 war Jonatan Soriano erfolgreich.

Die „Roten Bullen“ hätten jeweils nachlegen können, wenn nicht gar müssen. Vor der Pause traf etwa Marcel Sabitzer nur die Stange, nach dem 2:0 kratzte beispielsweise Lukas Spendlhofer einen Soriano-Heber von der Linie.

„Dann sparen wir uns teilweise ein paar Meter“

Das Tor machte schließlich Sturm durch Marco Djuricin nach einem Eckball. „Das entfacht dann natürlich noch einmal die Fans, heizt diesen Kessel hier an und dann wird es schwer“, beschrieb Kampl die für die Mozartstädter schwierige Schlussphase, die sie jedoch unbeschadet überstanden.

Youngster Andreas Gruber vergab die größte Ausgleichschance Sturms. „Wir haben die Abstände zu groß werden lassen“, monierte Benno Schmitz.

„Dann sparen wir uns teilweise ein paar Meter, schließen nicht mehr so kompakt, sind nicht mehr so aggressiv und nehmen die Sache schon zu leicht. Dann tut uns jede Mannschaft weh“, kritisierte auch Ilsanker die Herangehensweise nach der vermeintlich sicheren Führung.

Auf Seiten der Grazer trauerte man dem Punkt ob der Schlussphase zwar hinterher, wusste jedoch gleichzeitig, dass ein Remis nur teilweise verdient gewesen wäre.

„Wir haben billige Tore kassiert“

„Ich hätte uns natürlich den Punkt gegönnt, wenn ich sehe, wie wir in den letzten 20 bis 25 Minuten gespielt haben“, erklärte Michael Madl. Insgesamt überwog jedoch der Ärger über das eigene Auftreten nach dem Gang aus der Kabine.

„Wir haben billige Tore kassiert, weil wir jeweils den Anfang der Hälften verschlafen haben. Das war bitter“, meinte Spendlhofer. Daniel Offenbacher: „Wir haben uns zu weit zurückdrängen lassen, hätten mehr nach vorne attackieren müssen. Da haben wir ihnen irrsinnige Räume gegeben.“

Auch für Madl war Sturm zu Beginn zu passiv, weshalb Salzburg seine Klasse ausspielen habe können, was jedoch nicht nur an der Qualität des Kontrahenten gelegen habe: „Salzburg war sehr gut, vor allem in der ersten Halbzeit. Von uns war das zu wenig. Der Gegner ist meistens so gut, wie man ihn lässt, und wir haben Salzburg einfach zu viel Platz gelassen, waren zu ängstlich. Dann können sie ihre Riesen-Qualität ausspielen.“

Ähnlich fiel die Analyse von Trainer Franco Foda aus: „Ein gutes Spiel beider Mannschaften, wobei man das bei uns ein wenig differenzierter sehen muss. Wir haben vor allem in den ersten zehn bis 15 Minuten nicht gut angefangen. Da hat Salzburg mit hohem Tempo extrem gut kombiniert. Das 1:0 war nur eine Folgeerscheinung dessen, wie wir begonnen haben. Das Gleiche war nach der Pause, da haben wir auch die ersten zehn Minuten total verschlafen.“

„Man hat trotzdem gesehen, dass wir eine geile Truppe haben“

Wobei der Deutsche kein gänzlich unzufriedenes Fazit zog. Seine Mannschaft habe sich schon in den ersten 45 Minuten Ausgleichschancen erarbeitet. „Und nach dem 2:0 hat meine Mannschaft alles versucht und bis zum Schluss daran geglaubt, das Spiel noch zu drehen“, so der 48-Jährige.

Trotz der Niederlage hat das schwarz-weiße Spiel unter Foda mehr Hand und Fuß (Hütter: „Die Handschrift ist wieder klar erkennbar“), wobei er noch nicht alle alten Muster ausgemerzt hat. Eigentlich hätte man Salzburg von Beginn an früh attackieren wollen, seine Elf hätte sich jedoch zu weit zurückgezogen.

„Salzburg war auf unser Pressing vorbereitet, hat oft mit langen Bällen operiert, die immer gefährlich wurden, weil wir sie nicht gut verteidigt haben. Wenn Salzburg im Angriffsdrittel den Ball hat, haben sie natürlich Qualität. Wenn sie richtig Lust und Bock haben, können sie jede Mannschaft ausspielen, das war dann auch der Fall. Aber bis auf diese Phasen kann ich meiner Mannschaft keinen großen Vorwurf machen.“

„Ich glaube, man hat trotzdem gesehen, dass wir eine geile Truppe haben“, hoffte Djuricin, dass die Zuschauer das Stadion nicht gänzlich unzufrieden verließen. Auch Spendlhofer machte zumindest der Kampf bis zur letzten Sekunde Mut: „Die Moral stimmt, das hat man gesehen. Das ist das Wichtigste, was man von diesem Spiel mitnehmen kann.“

Sturm Salzburg
Ballbesitz 52,5% 47,5%
Zweikämpfe 45,5% 54,5%
Eckbälle 5 4
Torschüsse 13 20
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 8
Torschüsse innerhalb Strafraum 8 12
Kopfballchancen 4 3
Abseits 2 4
Fouls 15 11

„Alle Spiele bis zur Winterpause gewinnen“

RBS konnte naturgemäß wesentlich mehr mitnehmen, nicht nur die drei Punkte, sondern auch Selbstvertrauen im Hinblick auf das Gastspiel in Glasgow.

In der Tabelle konnte man den Vorsprung auf den Wolfsberger AC auf sechs Punkte ausbauen. Ilsanker: „Am Samstag ist alles für uns gelaufen, deshalb haben wir den Sieg gebraucht, wir wollten ihn unbedingt holen.“

Nicht nur diesen einen, wie Kampl festhielt: „Vor der Partie haben wir gesagt, wir wollen bis zur Winterpause noch einmal einen richtigen Schritt machen und alle sechs Spiele gewinnen. Der erste Schritt ist gelungen. Wir setzen uns natürlich Ziele. Das eine Ziel ist, in der Liga den Vorsprung auszubauen, das andere ist, den ersten Tabellenplatz in der Europa League fix zu machen. Wir sind auf einem guten Weg, das Spiel bei Sturm war eine gute Probe für Donnerstag.“

Im Celtic Park erwartet der 24-Jährige „eine Megastimmung. Das wird ein Highlight für jeden Spieler aus unserer Mannschaft. Wir fahren natürlich auch dorthin, um zu gewinnen.“

Peter Altmann

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