Wie ein "rotes" Tuch

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Seeger: "Ich war selber überrascht, dass er Rot gibt"

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Bei Rapid wurden nach der 0:2-Niederlage in Altach Erinnerungen wach.

Damals, am 4. August 2013 gegen Sturm Graz, bestritten die Grün-Weißen nach dem Ausschluss von Max Hofmann in der ersten Minute beinahe das ganze Spiel in Unterzahl.

In Vorarlberg zückte Schiedsrichter Muckenhammer erst in der 2. Minute Rot. Nicht für den Übeltäter von damals, der in der Startelf stand, sondern für Nebenmann Mario Sonnleitner.

Der Unterschied? Damals gewann Rapid in Graz noch 4:2, diesmal konnte die Niederlage nicht abgewendet werden. Außerdem war die Entscheidung vor über einem Jahr um einiges klarer als dieses Mal.

„Für mich ist das kein Elfmeter“

„Jeder soll sich selbst sein Bild machen. Aber für mich ist das keine Rote Karte“, ärgerte Trainer Zoran Barisic bei „Sky“ der Ausschluss, der den ganzen Matchplan über den Haufen warf.

„Der Gegenspieler sucht den Kontakt und will dieses Foul unbedingt ziehen. Außerdem hätte dahinter auch noch Max Hofmann eingreifen können.“

Torraub war aus diesen Gründen eine aus Rapid-Sicht nicht nachvollziehbare Entscheidung. Noch dazu legte sich Patrick Seeger den Ball seitlich und nicht direkt in Richtung Tor vor.

Doch die Reklamationen und Unschuldsbeteuerungen halfen nichts. Muckenhammer war sich seiner Sache in diesem Moment sicher.

„Aber es war sicher keine Schwalbe“

Anders sah es natürlich der nun im Wiener Derby gesperrte Übeltäter Sonnleitner, obwohl dieser sogar zugeben musste: „Wenn er pfeift, muss er Rot geben.“

Der Pfiff hätte seiner Meinung nach aber niemals ertönen müssen. Auch nach dem TV-Studium war nur schwer ein Kontakt festzustellen.

„Foul war es meiner Meinung nach nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich ihn wirklich berührt habe, weder oben noch unten. Für mich wäre es ein Foul, wenn ich ihn aktiv behindere, das habe ich nicht. Er hätte ja weiterlaufen können.“

Seeger kam jedoch ins Straucheln: „Er hat sein Bein ein bisschen stehen gelassen, die Berührung war da. Ich war aber selber überrascht, dass er Rot gibt. Aber es war sicher keine Schwalbe.“

Canadi stellte trotz Überzahl nicht um

Für viele überraschend kam, dass Altach der defensiven Linie treu blieb und trotz Überzahl Rapid das Spiel überließ.

Aufgrund der Tatsache, dass seine Schützlinge alles aus sich herausholten, konnte Barisic im Endeffekt auch niemandem böse sein.

„Die Schlüsselszene war natürlich die Rote Karte. Dann war es schwer. Wir haben trotzdem versucht, unser Spiel durchzuziehen. Die Mannschaft hat läuferisch und kämpferisch alles gegeben, aber sich leider nicht belohnt. So ist der Fußball halt."

Anders Altach. Ein „Sonntagsschuss“ getarnt als Traumtor von Felix Roth brachte die bis dahin harmlosen Hausherren auf die Siegerstraße.

Glück in der Offensive und Defensive

Ein 95-km/h-Kracher ins Kreuzeck, der einfach genau den derzeitigen Erfolgslauf der Altacher unterstrich.

„Ich habe den Ball gesehen und intuitiv voll draufgehaut. Dass er so reingeht, ist ein bisschen Glück. Natürlich ist es nicht selbstverständlich für eine Mannschaft wie Altach, zweimal hintereinander gegen Rapid zu gewinnen. Aber für uns ist das keine Überraschung“, meinte der Torschütze zum 1:0.

Rapid hatte deutlich mehr Spielanteile, verbuchte 61,6 Prozent Ballbesitz und gewann 57,6 Prozent der Zweikämpfe, konnte sich aber nur wenige gefährliche Chancen herausarbeiten.

Der Stangenschuss von Florian Kainz hätte die Partie aber noch einmal kippen lassen können. „Da hatten wir ein wenig Glück“, musste Altach-Coach Damir Canadi zugeben.

Altach jubelt über neuen Vereinsrekord

So hieß es am Ende nicht 1:1, sondern 2:0, da „Joker“ Ismael Tajouri-Shradi der Pfosten, von dem der Ball ins Tor prallte, im Gegensatz zu Kainz gut gesinnt war.

„Für uns sind das sehr schöne Spiele. Wir investieren sehr viel“, schwärmte Canadi von der Volksfeststimmung in Altach.

Obendrein wurde ein neuer Vereinsrekord aufgestellt. Neun Spiele in Serie blieben die Vorarlberger bisher noch nie ungeschlagen, zudem unterstreicht Platz vier die Ambitionen.

Wäre da bloß nicht die strittige Situation in der zweiten Minute gewesen. Altach wird es egal sein, während Sonnleitners Auschluss für Rapid eher ein rotes Tuch ist.


Alexander Karper

Altach Rapid
Ballbesitz 38,4% 61,6%
Zweikämpfe 42,4% 57,6%
Eckbälle 4 4
Torschüsse 16 9
Torschüsse außerhalb Strafraum 9 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 3
Kopfballchancen 1 0
Abseits 4 2
Fouls 23 4
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