"Er hatte ein paar große Momente"

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Es war ein besonderes Unentschieden für beide Seiten.

Für den SV Grödig, weil der Underdog erstmals überhaupt in einem Duell mit den „Bullen“ punktete.

Für Red Bull Salzburg, weil es in dieser Saison erstmals nicht als Sieger oder Verlierer vom Platz ging.

Das 2:2 zum Abschluss der 13. Bundesliga-Runde hatte auch einen besonderen Unterhaltungswert.

„Nach diesen ereignisreichen 90 Minuten kann ich mit dem Punkt absolut leben“, sagte Salzburg-Trainer Adi Hütter gegenüber „Sky“.

Dem 0:8 folgte ein 2:2

Vor mehr als zwei Monaten konnte der frühere Grödig-Coach mit dem Meister-Team den Underdog noch 8:0 aus dem eigenen Stadion fegen. Dieses Mal war man ob des Spielverlaufs über einen Punkt happy.

„Wir wollten natürlich gewinnen, wir sind aber mit dem 0:1 nicht gut gestartet, haben 55 Minuten mit einem Mann weniger und trotz allem nach vorne gespielt. Grödig hat das gut gemacht, wir haben bis zum Schluss auf diesen Ausgleich gedrängt und der war dann auch verdient“, resümierte Hütter.

Der 44-Jährige hatte im Gegensatz zum 4:2-Sieg gegen Dinamo Zagreb vier neue Spieler in die Startelf gestellt. Neben Marcel Sabitzer, Valentino Lazaro und Naby Keita gab Franz Schiemer sein Comeback.

"Zu wenige Tore geschossen"

Im neuen 4-3-1-2-System spielte dieses Mal Kevin Kampl, der in seinem 100. Spiel für Red Bull sein 25. Tor (bei 50 Assists) erzielte, hinter den Spitzen.

In der Defensive blieb das Manko dasselbe.

„Wir haben keine drei Tore schießen können, deswegen haben wir es nicht verdient zu gewinnen“, meinte Ausgleichs-Torschütze Marcel Sabitzer.

Eine bezeichnende Aussage. Schließlich schafft es Salzburg auch im zwölften Spiel en suite nicht zu Null zu spielen. Das war dieses Mal früh klar.

Reyna empfahl sich seinem Arbeitgeber

Yordy Reyna, Leihgabe der Salzburger, enteilte nach Ballverlust in der gegnerischen Hälfte der Salzburger Verteidigung. Seinen Schuss ließ Goalie Peter Gulacsi passieren, ein grober Patzer des Ungars.

„Wir wollten hinten kompakt stehen und mit unseren schnellen Spielern Nadelstiche setzen. Der Plan vom Trainer ist voll aufgegangen“, lobte dessen Gegenüber Cican Stankovic, der mit tollen Paraden einen besseren Tag erwischte und pikanterweise nächste Saison zu Red Bull wechseln wird.

Reyna kommt nach dieser Saison wieder nach Salzburg zurück. Hütter: „Mit seiner Schnelligkeit ist er eine Waffe und ein guter Spieler. Wenn er noch torgefährlicher wäre, wäre er ein super Spieler.“

Philipp Huspek ergänzte indes zum Grödiger Matchplan: „Wir wollten die Mitte zumachen.“

Nachdem dies beim 1:1 durch Kampl weniger gelang, konnte Grödig wieder durch den schnellen Reyna profitieren. Gulacsi kam zu spät, brachte den Peruaner im Sechzehner zu Fall und sah die Rote Karte.

„Es war nicht sein Tag heute“

„Es war sicher nicht sein Tag heute“, musste Hütter hinsichtlich seines Torhüters konstatieren, der ihm aber gleichermaßen Klasse bescheinigte wie Stankovic, den er aus Grödiger Zeiten gut kennt.

„Er hatte heute ein paar große Momente. Wir haben ihn damals von Horn nach Grödig geholt, mit der Überzeugung, dass er als talentierter Torhüter eine große Karriere vor sich hat. Das hat er heute öfters unter Beweis gestellt. Er ist ein junger, klasse Torhüter“, hielt Hütter über Stankovic fest.

Der gab sich bescheiden: „Es waren wichtige Paraden dabei und ich bin froh, dass ich einiges heute halten konnte.“ Und über Gulacsi? „Ich möchte nicht das Spiel meines Kollegen kommentieren.“

Stankovic vs. Gulacsi an zukünftigen RBS-Goalie

Klar ist schon jetzt, dass das ein interessantes Duell um den Nummer-1-Posten bei Red Bull kommende Saison wird. Stankovic musste sich am Ende aber auch noch einmal geschlagen geben.

„Ich habe den Ball berührt, aber er rutscht mir leider unten durch. Aber ich glaube, mir kann man keinen Vorwurf machen, denn es ist nicht das Tormann-Eck. Und es war ein guter Schuss von Sabitzer. Wenn ich ihn halte, gewinnen wir das Spiel, das ist schade“, so der 21-Jährige, der einen Vertrag bis 2020 bei Red Bull unterschrieb.

Der Torschütze kann damit leben: „Wir haben nicht einmal so schlecht gespielt und gute Chancen gehabt, aber Grödig hat einen sehr starken Tormann. Wir wollten das Spiel mit einem Mann weniger drehen, am Ende hat es nur zu einem Remis gereicht, das müssen wir nun auch mitnehmen.“

In seiner ersten Reaktion kritisierte der Nationalteam-Spieler auch Schiedsrichter Harald Lechner.

Sabitzer findet Schiedsrichter „lustig“

„Ich frage in der Halbzeit den Assistenten, ob es ein Elfer (an Alan, Anm.) war und er sagt mir, dass es ein klarer war und er es dem Schiedsrichter gesagt hätte. Ich weiß nicht, warum nicht gepfiffen wird, aber so etwas kann man ohnehin nicht beeinflussen. Das wird schön langsam zum Lachen.“

Das Lachen verging seinem Coach später, als er Alan verletzt auf dem Feld sah und ihn daraufhin auswechseln musste.

"Mittlerweile geht es wieder, aber er hatte direkt danach große Schmerzen", berichtete Hütter. Der Brasilianer, am Donnerstag noch dreifacher Torschütze gegen Zagreb, kam nach einem Luftduell unglücklich auf und hat sich eine Bänderverletzung – Verdacht auf Riss – im Sprunggelenk zugezogen.

„Der Wermutstropfen nach einem tollen Salzburger Derby“, so Hütter. Sein Nachfolger in Grödig hätte sich freilich den Sieg gewünscht, konnte aber auch mit diesem Remis gut leben.

Baur lobt Red Bull und Grödig

„Die Sensation ist auf der Hand gelegen, deswegen ist die Mannschaft enttäuscht, aber Red Bull hat in der zweiten Hälfte sehr viel Aufwand betrieben, dafür muss man ihnen nach dem Spiel am Donnerstag und auf diesem tiefen Boden ein Kompliment machen“, lobte Michael Baur zurück.

Aber natürlich auch sein Team.  „Wir haben uns in den letzten zwei Runden gut präsentiert. Wir haben beim WAC gewonnen und hier nun gegen Salzburg einen Punkt geholt. Wenn wir jede Woche solche Leistungen abrufen und ans Limit gehen, können wir jeden schlagen. Dessen muss sich jeder bewusst sein.“

Grödig

Salzburg

Ballbesitz

39,4%

60,6%

Zweikämpfe

52,5%

47,5%

Eckbälle

4

7

Torschüsse

9

18

Torschüsse außerhalb Strafraum

5

8

Torschüsse innerhalb Strafraum

4

10

Kopfballchancen

1

3

Abseits

1

1

Fouls

19

18

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