3er-Kette? "Gewusst, dass das nicht gut gehen kann"

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Es war ein Experiment, mehr aber (noch) nicht.

Die Admira wollte und musste in der Länderspielpause etwas verändern, um nach zwei Niederlagen vor allem die Defensive zu stärken.

Das probate Mittel: Dreier- oder auch Fünferkette, spätestens seit der WM 2014 bestens bekannt. Ausgerechnet gegen Rapid lief man in veränderter Formation auf.

Doch obwohl man im ersten Durchgang die Null hielt, folgte schnell die Einsicht. "Wir warten ja nicht auf die Watschen, und die wäre sicher gekommen. Wir haben dann gewusst, dass das nicht gut gehen kann."

"Die Dreierkette hat ganz gut funktioniert, aber..."

So die Worte von Trainer Walter Knaller, der sich zusammen mit Oliver Lederer in der Halbzeit für die Rückkehr zum gewohnten 4-2-3-1 entschied und damit gut fuhr.

Die Dreierkette an sich, sei für die Zukunft durchaus eine willkommene Alternative, beim 0:0 gegen Rapid zeigte sie jedoch nicht gänzlich die erhoffte Wirkung.

"Das war ganz und gar nicht zu meiner Zufriedenheit. Die Dreierkette selber hat schon ganz gut funktioniert, da ist man einfach breiter in der Verteidigung. Aber Rapid hat das sehr gut gespielt, immer wieder Anspielstationen gefunden und die letzte Linie mit zwei, drei Spielern provoziert und attackiert", analysierte Knaller im Gespräch mit LAOLA1.

Offensiv blieben drei Abwehrrecken auf einer Linie, bei Ballbesitz Rapid sorgten die beiden Außenspieler für einen Fünfer-Abwehrriegel, der durch drei zentrale, eher defensiv orientierte Spieler unterstützt wurde. Vorne fanden sich mit Benjamin Sulimani und Christoph Knasmüllner nur zwei Spieler, die nicht direkt in das Einigelungs-Konzept eingebunden waren.

Rapid umspielte das dichte Zentrum

So der Matchplan der Südstädter, die in der ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss abgaben, jedoch zwölf von Rapid hinnehmen mussten.

Wie jedes System habe aber auch dieses seine Vor- und Nachteile, die in lediglich 45 Minuten, in der die Dreierkette angewandt wurde, offensichtlich wurden.

"Es geht einfach darum, das Zentrum dicht zu machen, was Rapid mit den spielerisch starken Spielern forciert. Das ergibt Räume auf den Seiten", erklärte Kapitän und Abwehrchef Richard Windbichler die Vorgehensweise, musste aber zugeben: "Rapid war klug und hat das dann anders gelöst."

Somit offenbart die Trend-Erscheinung - wie etwa auch bei Ried gegen Salzburg - durchaus Schwächen, die es einzudämmen gilt.

System mit Vor- und Nachteilen

Knaller brachte die Nachteile unverschönt auf den Punkt und musste im ersten Durchgang von der Bank aus verfolgen, wie "Rapid uns an die Wand spielte".

"Dass man dann auf den Seiten unterbesetzt ist, nicht wirklich doppeln und man die Bewegung ohne Ball überhaupt nicht unterbinden kann, weil der Spieler am Ball keinen Druck hat. Da können die Bälle hineingespielt werden und du bist offen."

Mit der Spielweise in der ersten Halbzeit war man auch auf Seiten Rapids durchaus zufrieden. Bis auf die Tatsache, dass einmal mir die Chancenverwertung als großes Manko erkannt werden musste.

"Sie haben Beton angerührt, aber wir haben Lösungen gehabt. Wir haben gewusst, wie sie auftreten. Wir haben die richtigen Mittel dagegen gehabt. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile", meinte Christopher Dibon.

"Muss einsehen, dass es (noch) nicht funktioniert hat"

Denn nicht nur die Admira nützte die Länderspielpause, um sich experimentierfreudig zu zeigen. Auch die Hütteldorfer trainierten die Dreierkette, ließen diese jedoch noch als Ass im Ärmel.

"Eine Dreier-Kette spielt man gegen einen offensiv starken Gegner, damit das Zentrum dicht ist. Im Heimspiel gegen die Admira wäre das für uns nicht zielführend gewesen, wir haben uns aber super darauf eingestellt", fasste Mario Sonnleitner zusammen.

Die Umsetzung dieses ausgeklügelten Systems verlangt jedoch von allen Beteiligten höchste Konzentration, Laufbereitschaft und vor allem Automatismen, die den Niederösterreichern noch fehlten.

"Wir haben jetzt fast zwei Wochen Zeit gehabt, uns darauf einzustellen. Es könnte mit der Zeit eine gute Alternative werden, jedoch dauert es doch noch, sich besser darauf einzustellen und harmonischer zu agieren. Vom Spielermaterial hätten wir die perfekte Aufteilung, aber das geht nicht von heute auf morgen", bestätigte Windbichler und meinte weiters:

"Wir wollten in erster Linie gut stehen, und etwas Neues probieren. Da muss man aber auch die Größe haben, einzusehen, dass es nicht funktioniert hat. Mit der Umstellung hat ein sehr gutes Match von uns herausgeschaut."

"Das war schon eher unser Gesicht"

Tatsächlich war die Umstellung auf das gewohnte 4-2-3-1 einer der Gründe für die grundverschiedenen Halbzeiten beider Mannschaften.

Das Blatt wendete sich. Während Rapid kaum mehr ernsthafte Chancen vorfand, konnten sich die Südstädter auch offensiv besser positionieren und scheiterten nur mit Pech - etwa beim Stangen-Kopfball von Stephan Auer - am Torerfolg.

"Das war schon eher unser Gesicht", wusste Knaller und auch die Gegenspieler Dibon und Sonnleitner meinten unisono: "Da haben wir uns viel schwerer getan."

Ob die Dreierkette als Heil- oder Unheilmittel angesehen wird, liegt im Auge des Betrachters. Doch trotz "drohender Watsche" und der Rückkehr zum alten System bleibt das System bei der Admira eine Alternative. Und auch Rapid hat diese Variante nicht umsonst geübt.


Alexander Karper

Rapid

Admira

Ballbesitz

61,6%

38,4%

Zweikämpfe

45,5%

54,5%

Eckbälle

15

1

Torschüsse

17

6

Torschüsse außerhalb Strafraum

5

2

Torschüsse innerhalb Strafraum

12

4

Kopfballchancen

1

3

Abseits

3

6

Fouls

12

15

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