Zwei Welten

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Kienast: "So kann man daheim nicht auftreten"

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"Zicke zacke, zicke zacke – hoi hoi, hoi“, hallte es aus der Gäste-Kabine des WAC, vollkommene Stille war aus der Heim-Kabine der  Austria zu vernehmen.

Das Szenario könnte nicht treffender die aktuelle Situation der beiden Vereine widerspiegeln.

Während die Kärntner durch den 2:0-Auswärtssieg bei der Austria weiterhin von der Tabellenspitze lachen, erhielt die Aufbruchsstimmung im violetten Lager einen richtigen Stimmungstöter.

„Für mich persönlich war das heute ein großer Dämpfer. Wir haben geglaubt, dass wir im Aufwind sind und gewinnen können. Das Ergebnis ist sehr enttäuschend“, musste FAK-Chefcoach Gerald Baumgartner nach der ersten Heimniederlage seines Klubs in dieser Saison feststellen.

Nichts war vom Selbstvertrauen der Veilchen, die in den letzten drei Runden sieben Punkte (Siege gegen Ried (h) und Salzburg (a) sowie ein Remis gegen Grödig (a) holten, zu sehen.

Ratlose Gesichter

Die Spieler wirkten in den Katakomben der Generali Arena dementsprechend ratlos. „Wir waren bei jedem Zweikampf, bei jedem zweiten Ball immer einen Schritt zu spät und im Kopf zu langsam. Dann ist es schwer, ins Spiel zu kommen“, gestand Florian Mader.

„In der ersten Hälfte war die Leistung enttäuschend, da haben wir überhaupt nicht gespielt, wie wir uns das vorstellen. Nach der Pause haben wir mehr Druck aufgebaut, aber keine klaren Torchancen herausgespielt“, so Baumgartner.

Und gerade die  90-minütige Harmlosigkeit bereitete die größten Kopfschmerzen. „Der WAC war einfach aggressiver als wir. Bei uns ist wenig nach vorne gegangen. Immer haben der letzte Pass sowie die Aggressivität gefehlt. So kann man daheim nicht auftreten“, stellte Roman Kienast, der erstmals seit der ersten Runde von Beginn an spielen durfte, unmissverständlich fest.

Kein Spielfluss, keine Spielfreude

Markus Suttner versuchte sich ein wenig in Ursachenforschung. „Wir waren nur optisch überlegen. Das flüssige Spiel hat gefehlt. Eine gewisse Spielfreude, die uns zuletzt noch ausgezeichnet hat, war nicht vorhanden. Daher haben wir leider wenige bis gar keine Chancen kreiert. Dabei hatten wir den Ball in guten Räumen, doch wir haben ihn nicht an den Mann gebracht. Der WAC  hat gut verteidigt. Dass sie kein Tor bekommen haben, ist aber nur an uns gelegen“, analysierte der Kapitän.

Die langen Gesichter bei seinen Mitspielern seien vollkommen verständlich und berechtigt. „Wenn irgendjemand nach einer Niederlage mit einem Lächeln in die Kabine gehen würde, wäre etwas falsch.“

Dass es jetzt in Wien-Favoriten wieder ungemütlicher werden könnte, liegt auf der Hand. „Mit einem Sieg hätten wir uns etwas Luft verschaffen können. Jetzt ist es haarig. Klar sind die Fans unzufrieden. Durch diese Niederlage sind wir in den nächsten Runden im Tabellen-Mittelfeld einzementiert.“

Mader ergänzte: „Natürlich wird es jetzt wieder Kritik geben. Der Druck ist hier immer groß. Wer schon länger bei der Austria ist, der weiß,  dass man vorne dabei sein muss und am besten jedes Spiel gewinnen sollte. Wir wissen, was uns erwartet. Dass der WAC ganz oben steht, ist kein Zufall, aber es muss dennoch unser Anspruch sein, daheim dieses Spiel zu gewinnen. Es ist sehr ernüchternd.“

„Man kennt uns mittlerweile auch außerhalb von Kärnten“

Alles andere als ernüchternd ist die Stimmungslage beim WAC. „Es war ein verdienter Sieg, und das ist auswärts gegen die Austria nicht selbstverständlich. Ich glaube, man kennt uns mittlerweile auch außerhalb von Kärnten“, strahlte Didi Kühbauer, der sichtlich stolz auf seine Truppe war.

Zurecht: Die Wölfe präsentierten sich abgeklärt, standen in der Defensive sicher und ließen bei ihren Vorstößen ihre Gefährlichkeit aufblitzen.

„Nach dem sehr schlechten Spiel gegen Rapid wollten wir diesmal in Wien ganz anders auftreten. Das ist uns ab der ersten Minute ganz wunderbar gelungen. Wir haben die Austria nicht ins Spiel kommen lassen und hätten das Spiel viel früher vorentscheiden können“, meinte der WAC-Coach.

Lehren der Rapid-Niederlage gezogen

Freude bereitete dem  43-Jährigen, dass seine Elf die Lehren aus der Rapid-Niederlage gezogen und seine Vorgaben perfekt umgesetzt hat.

„Wir wollten mutiger nach vorne spielen. Sprich: Wenn der Gegner am Ball ist, früh stören und zu Fehlern zwingen. Denn die Austria musst du sehr früh stören. Sie haben viele Techniker in ihren Reihen und dieser Spielertyp mag es nicht, wenn du ihn mit großem Einsatz angehst.“

Manuel Webers Analyse fiel da schon wesentlich trockener aus.

„Wir haben sehr viel Leidenschaft an den Tag gelegt, haben im Kollektiv sehr gut gearbeitet, die Räume eng gemacht und der Austria unser Spiel nach vorne aufgezwungen“.

„Wir genießen die Situation“

Unglaubliche 27 Zähler befinden sich bereits am Konto der Wolfsberger. Laut Weber kann es so weitergehen:

 „Wir haben hart für den Erfolg gearbeitet und gewusst, dass wir heuer eine gute Rolle spielen können. Wir genießen die Situation und versuchen, sie so lange wie möglich auszukosten.“

Wie lange das der Fall sein wird?

„Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, müssen immer Vollgas geben. Wir wissen, dass wir überall Punkte mitnehmen können. Gelingt uns das, kommt am Ende sicher etwas  Gutes heraus“, lachte Boris Hüttenbrenner abschließend.

 

Martin Wechtl / Harald Prantl

Austria Wolfsberger AC
Ballbesitz 57,6% 42,4%
Zweikämpfe 48,5% 51,5%
Eckbälle 9 3
Torschüsse 12 12
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 7
Torschüsse innerhalb Strafraum 6 5
Kopfballchancen 3 2
Abseits 3 1
Fouls 13 20
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