Barisic: "Das finde ich schade"

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Rapids Aufbruchsstimmung wurde abrupt gestoppt.

Nach drei souveränen Siegen in der Liga (2:0 gegen Grödig, 5:1 gegen Neustadt, 3:0 gegen WAC) und dem nie gefährdeten Aufstieg ins ÖFB-Cup-Achtelfinale (1:0 bei Wallern) rechneten sich die Grün-Weißen gegen den angeschlagenen Meister Salzburg  gute Chancen aus. Schließlich setzte es für die Mozartstartstädter drei Meisterschafts-Niederlagen en suite.

Am Ende wurden der Truppe von Trainer Zoran Barisic jedoch beinhart ihre Grenzen aufgezeigt. Das 1:2 liest sich mehr als schmeichelhaft, denn die Partie hätte noch höher zu Gunsten der Gäste ausfallen können.

Doch Leitgeb, Keita, Sabitzer sowie Alan ließen Top-Chancen aus. Und Rapid? Bis auf den bedeutungslosen Anschlusstreffer von Premieren-Torschütze Philipp Prosenik in der Nachspielzeit und einem gut angetragenen, aber abgefälschten Hofmann-Weitschuss vor der Pause gab es keine nennenswerten Offensiv-Aktionen.

5:20 lautete schlussendlich das Torschuss-Verhältnis. Die Statistik unterstrich die Dominanz der „Bullen“ und die gleichzeitige Harmlosigkeit der Hütteldorfer.

Fehlende Offensive

Während dem Liga-Krösus also ein Befreiungsschlag gelang (Hier geht’s zur Story), setzte es für Rapid einen Rückschlag.

Vor allem die nicht vorhandene Durchschlagskraft in der Offensive sorgte für lange Gesichter. „Wir waren leicht gehemmt, ich weiß auch nicht wieso, nachdem wir mit drei Siegen in der Liga eigentlich Selbstvertrauen hätten haben müssen“, rätselte etwa Mario Sonnleitner, der die zunächst eher abwartende Spielweise der Salzburger als einen Grund für die eigenen Probleme im Spiel nach vorne nannte:

„Sie sind überraschenderweise sehr tief gestanden. Aber sie hatten zuletzt auch nicht viele Erfolgserlebnisse, deswegen haben sie uns anlaufen lassen. Da ist es dann schwer durchzuspielen, wenn sich eine Mannschaft mehr in der eigenen Hälfte aufhält. Mit Fortdauer des Spiels haben sie mehr an Selbstvertrauen gewonnen und dadurch sind wir auch nicht mehr in die Zone gekommen, wo wir eigentlich hinkommen wollten.“

Hofmann frustriert

Steffen Hoffman ergänzte frustriert: „Wir haben es nicht so gemacht, wie wir uns das vorgenommen haben. Wir sind oftmals zu weit auseinander gestanden, mussten hinterherlaufen und das war unser Hauptproblem. Wir bekamen zu wenig Zugriff auf Ball und Gegner. Wir hatten viel Arbeit nach hinten, haben weite Wege gehen müssen und es waren wenige Möglichkeiten für uns da. Wir sind trotzdem immer wieder gefährlich geworden. Nicht so zwingend vielleicht, aber wenn wir die eine oder andere Situation besser spielen, dann hätten wir vielleicht auch ein Tor machen können.“

Wie groß der Ärger beim Kapitän war, zeigten die Bilder nach seiner Auswechslung. Wild gestikulierend nahm er auf der Ersatzbank Platz und fing sofort an, mit den Mitspielern zu diskutieren.

Was hatte ihn so in Rage gebracht? „Da ging es eigentlich nicht wirklich nur um die Auswechslung, sondern noch um etwas anderes, das mich geärgert hat. Das bleibt innerhalb der Mannschaft. Wir werden diese Dinge besprechen“, erklärte der 34-Jährige.

„Das finde ich schade“

Erklärungsbedarf hatte auch der SCR-Coach. Seine Analyse zum Spiel:  „Wir haben verdient verloren, Salzburg hat verdient gewonnen. Sie waren das gesamte Spiel über die bessere Mannschaft, weil sie um einen Tick schneller waren und weil sie körperlich robuster waren. Sie haben heute gezeigt, dass irrsinnige Qualität in ihnen steckt.“

Die mangelnden Torchancen waren ihm ebenfalls ein Dorn im Aug. „Wir haben uns vorne überhaupt nicht durchsetzen können. Wir haben in der Offensive zu wenig zustande gebracht, zu wenige Duelle gewonnen. Das finde ich schade, weil ich mir schon mehr erwartet habe.“

Über  diese Tatsache und die Fehler bei den Gegentoren ärgerte sich der 44-Jähre am meisten. „Wir sind schon mit Selbstvertrauen ins Spiel gegangen und mit dem Glauben, es gewinnen zu können. Natürlich ist es gegen so einen Gegner auch wichtig, das Glück auf seiner Seite zu haben. Das haben wir bis zum 0:1 gehabt. Das 0:1 darf uns aber nach einem Out-Einwurf nie passieren, vor allem so kurz vor Schluss. Da muss man einfach konzentrierter zu Werke gehen.“  

  Rapid Salzburg
Ballbesitz 46,5% 53,5%
Zweikämpfe 50,5% 49,5%
Eckbälle 6 6
Torschüsse 5 20
Torschüsse außerhalb Strafraum 2 9
Torschüsse innerhalb Strafraum 3 11
Kopfballchancen 2 2
Abseits 4 1
Fouls 8 14

Einbruch ausgeschlossen

Einen Einbruch schließt er vollkommen aus, die Mannschaft sei gefestigt. „Wir sind gegen Helsinki nicht weitergekommen und haben danach drei Ligaspiele in Folge gewonnen. Es geht weiter.“

Ähnlicher Ansicht ist Barisic: „Wir wissen ja, wo wir stehen und wir bleiben immer am Boden. Wenn es nicht läuft genauso wie dann, wenn es läuft. Wir wissen, dass wir noch sehr viel zu tun haben und deshalb lassen wir uns da von außen sicherlich nicht verrückt machen.“

Trotz der ersten Liga-Pleite seit dem 0:1 im Heimspiel gegen Altach (16. August) gibt es auch positive Nachrichten aus dem grün-weißen Lager.

„Wir müssen weiter an uns arbeiten“

Die Begegnung gegen Salzburg war mit 25.300 Zuschauern das bestbesuchteste Nicht-Derby-Bundesliga-Spiel im Happel-Stadion seit 14 Jahren.

Und Prosenik erzielte seinen ersten Treffer im Dress der Profis. „Das Tor ist leider zu spät gekommen. Man hofft natürlich, dass das erste Tor in der Bundesliga zu einem Sieg führt. Es ist auf jeden Fall bitter, wir haben uns schon einen Punkt erhofft. Das heißt, wir müssen weiter an uns arbeiten, um bessere Ergebnisse zu erzielen“, so der 20-Jährige abschließend.

 

Martin Wechtl / Bernhard Kastler

Nicht überbewerten

Wie auch Sonnleitner zugeben musste: „In der zweiten Hälfte sind wir etwas unter Druck geraten, wir haben wie vor dem 0:1 die Bälle nicht mehr exakt genug geklärt, das 0:2 dürfen wir dann nicht kassieren. Denn so hätten wir noch den Ausgleich geschossen. So haben wir verloren.“

Der Blondschopf möchte die Niederlage und das damit verbundene Ende der Siegesserie aber nicht überbewerten.

„Lauf hin oder her. Wir wollen jedes Spiel immer gewinnen, nächste Woche gibt es wieder drei Punkte zu holen, da werden wir versuchen, an die vorherigen Leistungen anzuknüpfen. Es war von uns jetzt kein schlechtes Spiel, denn wir haben trotzdem gegen eine sehr starke Mannschaft gespielt. Wenn es 0:0 ausgeht, ist das in Ordnung. Das ist nicht passiert. Deswegen volle Konzentration auf das nächste Spiel und dann wird es schon wieder.“

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