"Die erste Halbzeit war Krieg"

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"Ich habe heute keine überharte Partie gesehen"

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Ansichtssache.

Grundsätzlich ging das 1:1 zwischen der Austria und Grödig für alle Beteiligten in Ordnung, wenngleich die Veilchen durch den späten Ausgleich von Ola Kamara in der 93. Minute mehr Grund zur Freude hatten.

„Wenn man in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielt, muss man zufrieden sein“, berichtete Christian Ramsebner bei LAOLA1.

Auch seine Teamkollegen Markus Suttner und Mario Leitgeb sowie Coach Gerald Baumgartner sprachen von „einem hochverdienten Remis.“

Baumgartner fällt „Steim vom Herzen“

Speziell der violette Trainer war froh, dass ein Fehlstart verhindert wurde und ihm das unehrenhafte Schicksal erspart blieb, der erste Austria-Trainer seit Arie Haan zu sein, der den Auftakt verbockte.

„Mir fällt schon ein bisschen ein Stein vom Herzen. Kompliment an die Mannschaft, sie hat super gefightet. Wir haben gut angefangen, Grödig ist zwischenzeitlich aufgekommen und war auch im Konter immer gefährlich. In der zweiten Hälfte waren wir überlegen, wir haben aber Aktionen nicht fertig gespielt und die eine oder andere Chance nicht genutzt“, meinte der Salzburger nach seiner Bundesliga-Premiere in Wien-Favoriten.

Anders reagierten naturgemäß die Gäste. „Wenn man den Spielverlauf sieht, ist es sehr bitter. Ein Punkt bei der Austria ist gut, aber nicht, wenn man bis zur 93. Minute in Führung liegt“, erklärte Timo Brauer.

Grödig hadert über späten Ausgleich

Daniel Schütz, Torschütze zum 0:1, ergänzte: "Wenn man in der letzten Minute den Ausgleich bekommt, kann man über den Führungstreffer nicht glücklich sein. Es ist eben nur einer statt drei Punkten. Wir hätten das 2:0 machen müssen.“

Die große Möglichkeit dafür war auch da, denn unmittelbar vor dem 1:1 lief Reyna alleine auf das Austria-Tor zu, ließ sich aber zu lange Zeit und wurde von Jens Stryger Larsen in höchster Not am Abschluss gehindert.

Vorwürfe musste sich die Leihgabe von Meister RB Salzburg keine anhören  - im Gegenteil. „Okay, es war eine Riesen-Chance. Aber Yordy macht Wege, geht in die Tiefe. Seine läuferische Leistung war sensationell“, lobte Michael Baur den Peruaner.

Baur lobt seine Elf

Generell zeigte sich der Tiroler von seiner Elf angetan. „Trotz des späten Ausgleichs war es eine perfekte Woche. Mit der Leistung bin ich vollauf zufrieden, wir hatten ja am Donnerstag ein hartes Match. Ich bin stolz, dass sie 90 Minuten so eine Leistung gezeigt haben. Das Gegentor tut natürlich weh. Jeder hat alles gegeben, dazu spielen wir einen recht guten Fußball.“

Mitte der ersten Halbzeit hatte die Partie jedoch wenig mit Fußball zu tun. Schuld daran hatte Schiedsrichter Markus Hameter, der zahlreiche harte Aktionen nicht ahndete und dadurch unnötige Hektik ins Spiel brachte.

„Das war eine ganz klare Rote Karte“

Höhepunkt war zweifelsohne eine Attacke von Tomi an Ramsebner, die lediglich mit Gelb für beide Akteure bewertet wurde – völlig zur Verwunderung des Austria-Verteidigers:

„Es gab einen Zusammenstoß, ich spiele den Ball weiter, dann kommt Tomi von hinten und rennt mir mit seiner Schulter fast die Nase ein. Der vierte Offizielle steht fünf Meter entfernt, der Linienrichter auf gleicher Höhe und keiner sieht es?! Das war eine ganz klare Rote Karte“, schimpfte der 25-Jährige, der die Linie des Unparteiischen nicht nachvollziehen konnte.

„Es waren einige Zweikämpfe, die an der Kippe waren. Er hat aber vieles bis zum Schluss durchgehen lassen. Das muss man dann halt respektieren. Dadurch ist es aber auch ruppiger geworden, aber auf beiden Seiten.“

Leitgeb, in den vergangenen zwei Jahren noch für Grödig tätig, verstand die harte Gangart ebenfalls nicht: „Ich weiß nicht, warum es so ruppig war. Vielleicht ist einigen die Hitze in den Kopf gestiegen. Der eine oder andere hätte nicht zu Ende spielen dürfen.“

„Die erste Halbzeit war Krieg“

Suttner wollte die Leistung des niederösterreichischen Schiedsrichters erst gar nicht beurteilen. „Wenn man das Foul an mir in der ersten Hälfte sieht, dann weiß man, was ich davon halte.“

Und Kamara meinte sogar: „Die erste Halbzeit war Krieg, jeder war sauer auf den Schiedsrichter.“

Baumgartner übte indirekt Kritik. „Es sollen rassige Zweikämpfe sein, keine Frage. Aber ich denke nicht, dass eine der beiden Mannschaften angefangen hat, dass die Partie ruppig wird, sondern der Schiedsrichter. Er hatte ein paar Fehlentscheidungen. Da wird ein Foul gepfiffen, dort nicht. Dann kommt so ein Spiel heraus.“

Sein Pendant sah es – zur Überraschung vieler – nicht so dramatisch: „Bei der Weltmeisterschaft war jeder vom Tempo und der Dynamik begeistert. Wenn die Schiedsrichter mehr unterbunden hätten, wäre nicht das dynamische Spiel herausgekommen. Für mich gehören Temperament und Emotionen dazu. Wenn es einmal raschelt, ist es okay. Natürlich darf es nicht so weit gehen, dass die Gesundheit der Spieler gefährdet ist. Ich habe heute keine überharte Partie gesehen“, so Baur.

Ansichtssache eben.

 

Martin Wechtl / Harald Prantl

Austria Grödig
Ballbesitz 58,6% 41,4%
Zweikämpfe 53,5% 46,5%
Eckbälle 11 6
Torschüsse 18 8
Torschüsse außerhalb Strafraum 9 2
Torschüsse innerhalb Strafraum 9 6
Kopfballchancen 4 1
Abseits 4 1
Fouls 17 27
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