"Wir haben es nicht verdient"

Aufmacherbild
 

Es hat nicht gereicht. Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren verpasst die Austria einen internationalen Startplatz.

„Das ist einfach zu wenig für unsere Ansprüche“, sagt Markus Kraetschmer, der in diesem Zusammenhang von einem „Imageschaden“ für den Verein spricht.

Dabei hatten es die Wiener in den eigenen Händen. In der vorletzten und der letzten Runde. Nach dem 1:2 in Grödig und dem 1:2 gegen Sturm schauen die Veilchen aber durch die Finger.

„Wir haben es selbst vermasselt“

„Wenn man sich vor Augen hält, dass wir zwei Matchbälle hatten und nicht in der Lage waren, auch nur einen zu nützen, haben wir es uns nicht verdient. Wir haben es selbst vermasselt“, ärgert sich Heinz Lindner.

Letztendlich hätte den Violetten gegen die Grazer sogar ein Remis gereicht, weil Grödig in Innsbruck nur zu einem 3:3 kam, doch es wurde die elfte Niederlage in der nunmehr abgeschlossenen Saison.

Es waren dramatische 90 Minuten, in denen sich in der Schlussphase die Ereignisse überschlugen. Zunächst sorgte Robert Beric für die Führung der Steirer (75.). Es folgten vehemente Angriffe der Austrianer, die sich in der 86. Minute durch Tomas Juns Ausgleich auch belohnten.

„Das hat uns verwirrt“

Weil der Platzsprecher zuvor aber das 2:2 der Innsbrucker, nicht aber das 3:2 der Grödiger durchgesagt hatte, dachten die Spieler, sie wären durch, feierten fast eine Minute lang.

„Es hat uns ein bisschen irritiert. Dass der Zwischenstand in Innsbruck einmal durchgesagt wurde, dann wieder nicht, hat uns verwirrt. Es ist aber keine Entschuldigung dafür, dass wir dieses Spiel verloren haben“, so Alexander Grünwald.

Erst, als sich die Kicker zum Anstoß formierten, wurden sie via Lautsprecher informiert, dass nach aktuellem Stand das Remis nicht reichen würde. Die FAK-Profis wirkten überrascht und kassierten prompt das 1:2 durch Daniel Beichler (87.).

„Nehme Verantwortung auf mich“

„Das war der Knackpunkt der Partie. Da waren wir nicht aufmerksam genug, so ein Gegentor darfst du nicht kriegen“, ist sich Herbert Gager sicher. Dem FC Wacker gelang der Ausgleich zum 3:3 und auch die Austria hätte ausgleichen können. Grünwald traf eine Minute vor Spielende bei einem Hand-Elfmeter allerdings nur Aluminium.

„Ich habe den Elfmeter vergeben, deswegen nehme ich die Verantwortung auf mich“, so der geknickte Schütze. Rückendeckung gibt es von Lindner: „Ich mache ihm keinen Vorwurf. Es ist ein unglaubliches Zeichen, sich in dieser Situation den Ball zu nehmen. Man kann sich den Druck gar nicht vorstellen. Respekt an ihn. Elfmeter haben schon andere verschossen.“

„Verstehe nicht, wie man so ins Spiel gehen kann“

Nach dem Schlusspfiff dann hängende Köpfe. Lindner: „Im Endeffekt bleibt nur die Enttäuschung. Es tut mir unglaublich leid. Es war eine Saison mit Ups und Downs. Wir hätten sie positiv abschließen können, was uns aber nicht gelungen ist. Dementsprechend bitter ist es.“

AG-Vorstand Markus Kraetschmer machte indes der Mannschaft einen Vorwurf: „Mit so einer Leistung verdienst du es nicht. Ich verstehe nicht, wie man so in ein Finale gehen kann. Ich hatte von der ersten Minute an nicht den Eindruck, dass wir alles unternehmen, um die drei Punkte zu holen. Wir haben in den letzten zwei Wochen einfach versagt.“

„Werden einiges ändern müssen“

Unterm Strich steht zwar die erste Champions-League-Teilnahme, aber auch ein blamables Cup-Aus gegen Kalsdorf und der enttäuschende vierte Platz in der Meisterschaft.

„Mit 53 Punkten hast du sportlich gesehen keinen Anspruch auf eine Teilnahme am Europacup“, sagt Kraetschmer. Der Wiener weiter: „Das ist einfach viel zu wenig! Wir müssen aufarbeiten, wie wir wieder in die Spur zurückkommen. Wir werden einiges ändern müssen.“

Gager kriegt wohl keine Chance mehr

Die ersten Ergebnisse dieser „beinharten Analyse“ werden bereits am Montag präsentiert. Am Nachmittag tagt der Aufsichtsrat, am Abend werden dann Entscheidungen verkündet.

Etwa jene, ob Herbert Gager weiterhin Trainer bleibt. „Ich weiß es nicht“, will der Coach zu seiner Zukunft nicht groß Stellung nehmen. Tatsächlich wäre es eine Überraschung, wenn er trotz des enttäuschenden Saisonfinales eine weitere Chance erhalten würde.

Was passiert mit Parits?

Abgestimmt wird zudem über die Zukunft von AG-Vorstand Thomas Parits, dessen Vertrag ausläuft.

Man darf gespannt sein, ob der Aufsichtsrat dem sportlich Verantwortlichen nach der punktemäßig schwächsten Saison seit 2006/07 – damals übernahm Parits im Oktober – noch wohlgesonnen ist. Es wird nicht zuletzt eine Frage der Alternativen sein.

„An diesen Strohhalm werden wir uns klammern“

Dass auch innerhalb der Mannschaft ein großer Umbruch bevorsteht, hat sich in den vergangenen Wochen herauskristallisiert. So mancher Leistungsträger wird angesichts der bevorstehenden Saison ohne internationale Spiele seinen Abgang tendenziell forcieren.

Fakt ist, dass der Europacup nach 2012/13 auch 2014/15 ohne violette Beteiligung stattfindet. Grünwald versucht zumindest irgendetwas positiv zu sehen: „Als wir den Europacup vor zwei Jahren verpasst haben, haben wir danach eine historische Saison hingelegt. An diesen Strohhalm werden wir uns klammern.“

Harald Prantl/Peter Altmann

Austria

Sturm

Torschüsse

Salamon. Hosiner, Kamara je 3

Djuricin 3

Torschuss-Vorlagen

De Paula, Hosiner je 3

Schloffer, F. Kainz je 3

Ballkontakte

Dilaver 68

Klem 66

Zweikampfquote

Ortlechner 83,3% (15/3)

Klem 83,3% (10/2)

Passquote

Kamara 94,1% (16/1)

Madl 100% (16/0)

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen