"Das spricht für Charakter und Einstellung"

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Das nennt man dann wohl ein Tor mit Ansage.

„Er hat einen richtigen Bums. Was der im Training für Dinger reinhaut, das macht keinen Sinn. Er haut jeden aus der Ferne rein. Ich denke, wir werden noch ein paar von ihm sehen“, erklärte Terrence Boyd im Vorfeld der Partie gegen Sturm Graz über seinen Rapid-Kollegen Brian Behrendt.

Bis zu den Steirern hat sich das offenkundig nicht rumgesprochen, sonst hätten sie den Ball nach einer Ecke nicht derart ungestört zum Deutschen rollen lassen. Dieser wurde mit einem „richtigen Bums“ zum vorentscheidenden 3:1 seinem Ruf gerecht.

„Das ist eine meiner Stärken“

„Beim Training bin ich ziemlich unter Druck, wenn wir Torschussübungen haben“, grinste Behrendt im Gespräch mit LAOLA1, „das ist eine meiner Stärken, und die habe ich gegen Sturm eingebracht.“

Sein Gruß nach dem Tor habe jedoch nicht „Prophet“ Boyd gegolten, „sondern der ganzen Mannschaft. Ich war einfach froh. Beim ersten Bundesliga-Spiel von Anfang an erlebt man es als Innenverteidiger nicht alle Tage, dass man so ein Tor schießt. Ich freue mich einfach riesig.“

Die Rolle als Innenverteidiger erbte der 21-Jährige nach dem Ausschluss von Maximilian Hofmann, einem weiteren Startelf-Debütanten, bereits nach zwei Spielminuten. Ursprünglich war Behrendt im defensiven Mittelfeld aufgeboten.

Doch er stellte seine Flexibilität unter Beweis und steht damit derzeit sinnbildlich für eine Rapid-Mannschaft, die nach dem Horror-Auftakt mit dem Cup-Aus beim LASK immer besser in Fahrt kommt.

„Wir sind eine junge, heiße Mannschaft“

Gerade die Umstände des 4:2 in Graz ergeben einen Sieg für die Moral. „Vor allem in der Gluthitze ist es nicht einfach. Aber das zeichnet uns aus: Wir sind eine junge, heiße Mannschaft, die immer Power gibt“, meinte Behrendt.

Manchmal sogar zu viel. Trainer Zoran Barisic monierte nicht zu Unrecht, dass sich seine Elf völlig unnötig in die missliche Lage mit Rückstand und Unterzahl gebracht habe.

„Das war kein gutes Verhalten von uns. Wir waren im Ballbesitz. Anstatt den Ball ins Out zu schlagen, damit der Spieler verarztet werden kann, wollten wir nach vorne spielen und sind dann in einen Konter gelaufen. Da sind wir selber schuld. Ich führe das auf die Jugend zurück, weil wir immer nur spielen und spielen wollen.“

In manchen Situationen wird diese Stärke aufgrund der Unerfahrenheit noch zum Boomerang. In Graz half die jugendliche Unbekümmertheit aber womöglich. Dass die Hütteldorfer dezimiert sind, war gerade in der ersten Halbzeit kaum zu erkennen. Mit dem Doppelschlag durch Christopher Trimmel und den Elfmeter von Guido Burgstaller unmittelbar nach der Pause bog man in die Siegerstraße ein.

„Spricht für den Charakter und die Einstellung“

Barisic war merklich stolz: „Bei diesen Witterungsbedingungen das ganze Spiel über in Unterzahl zu spielen und auswärts in Graz bei Sturm nicht unterzugehen, spricht für den Charakter und die Einstellung meiner Mannschaft.“

Zwar dürfe man laut Meinung des 43-Jährigen nicht außer Acht lassen, dass man das Glück auf der Seite gehabt habe (Sturm erzielte etwa das zu Unrecht wegen Abseits aberkannte 3:3), man habe jedoch auch gesehen, dass „sich die Spieler wehren können, sie auch Defensivaufgaben übernehmen können, dass sie alles für den mannschaftlichen Erfolg unternehmen und die Eigeninteressen zurückstecken. Das ist das Wichtigste, das fordern wir auch ein.“

Der Saisonstart ist mit sieben Punkten aus drei Liga-Partien gelungen, Anlass für Jubel, Trubel, Heiterkeit gibt es dennoch nicht. Der grün-weiße Neuaufbau befindet sich nach wie vor erst am Anfang.

„Wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Wir haben noch sehr viel zu tun“, betonte Barisic, „aber es ist erkennbar, dass Potenzial drinnen ist.“

Burgstallers starker Saison-Start

Sein Potenzial ruft bislang in der noch jungen Saison auch Burgstaller ab, dem in Graz bereits sein vierter Meisterschaftstreffer gelang. Zum Vergleich: 2012/13 kam er in 32 Liga-Einsätzen auf deren sechs.

„Ich habe in der Vorbereitung gut trainiert und gut in die Saison hineingefunden. Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft und mit dem neuen Trainer-Team. Die Mannschaft ist charakterlich super, wir verstehen uns prima – es macht einfach Spaß, hier Fußball zu spielen. Wir sind eine eingeschweißte Truppe, das sieht man. Sonst kann man so eine Partie nicht drehen“, erklärte der Kärntner.

Den persönlichen Erfolgserlauf will er getreu dem Barisic-Motto, Eigeninteressen zurückzustecken, nicht überbewerten: „Man nimmt sich als Offensiver immer vor, dass man in der Saison einige Tore und Assists macht. Aber eigentlich ist es egal, wer die Tore macht, Hauptsache die Mannschaft hat Erfolg.“

Jonatan Soriano und Philipp Hosiner müssten sich jedenfalls keine Sorgen bezüglich eines Angriffs im Kampf um den Titel des Torschützenkönigs machen, versicherte der 24-Jährige.

„Nicht gleich wieder ein Mann weniger“

Vorerst gilt die Konzentration ohnehin dem Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Asteras Tripolis.

Im Prinzip will Grün-Weiß auftreten wie in Graz – mit einem großen Unterschied. „Wir wollen ähnlich agieren, kämpferisch stark spielen und das Spiel für uns entscheiden – aber natürlich nicht gleich wieder mit einem Mann weniger“, schmunzelte Behrendt.

Peter Altmann

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